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Kommt die Merkel-Macron-Initiative, wäre die EU-Integration gefestigt


25.05.20 11:30
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Die deutsch-französischen Vorschläge für einen Wiederaufbaufonds hält Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management, für einen entscheidenden Schritt zur Wiederbelebung der EU-Integration.

Gegen den Widerstand vor allem osteuropäischer Länder müsse ein Kompromiss gefunden werden. Anleger sollten sich darauf einstellen, dass die EZB ihr im März als geldpolitische Sondermaßnahme beschlossenes Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) im Juni ausweite:

Die Covid-19-Infektionszahlen würden in Europa deutlich zurückgehen. Mit dem Wiederhochfahren der Wirtschaft hätten sich die Einkaufsmanager-Umfragen von ihren Tiefständen im April erholt - sie würden aber weiterhin auf sehr niedrigem Niveau bleiben. In China, wo der Lockdown vor einigen Wochen geendet habe, gebe es Anzeichen dafür, dass die Nachfrage dynamisch anziehe: Die rigide Politik und die obligatorische Einführung von Tracking-Apps seien hilfreich; doch ob die Bürger in anderen Weltregionen bereit sein würden, Privatsphäre und bürgerliche Freiheiten zu opfern, bleibe fraglich.

In Europa hätten die deutsch-französischen Vorschläge für einen Wiederaufbaufonds besondere Aufmerksamkeit erregt. Das Gerangel um den EU-Hilfsfonds habe gezeigt: In einer schweren Krise würden nationale Interessen dominieren - eine beunruhigende Entwicklung im Hinblick auf die mittelfristigen Aussichten für die Wirtschafts- und Währungsunion. Der Merkel-Macron-Vorschlag für einen Fonds von 500 Milliarden Euro, der durch Anleihen auf EU-Haushaltsebene finanziert werden solle, sei daher sehr interessant.

Mit den geplanten Zuschüssen für bedürftige Staatshaushalte würde ein fiskalisches Transfer-System entstehen, das alles bisher Dagewesene in den Schatten stelle. Historisch gesehen habe Brüssel immer Transferzahlungen an weniger entwickelte Regionen innerhalb der EU geleistet; in den vergangenen Jahren hätten vor allem die einkommensschwächeren Länder Osteuropas profitiert. Schaffe es die Merkel-Macron-Initiative durch die Instanzen, wäre ein wesentlicher Fortschritt hinsichtlich der EU-Integration erreicht.

Absehbar sei jedoch, dass Österreich, die Niederlande sowie die baltischen und skandinavischen Staaten Gegenvorschläge unterbreiten würden. Es sei auch wahrscheinlich, dass die Länder Osteuropas sich stark dagegen wehren würden, Teil einer Initiative zu sein, bei der sie für Länder und Regionen zahlen müssten, die viel wohlhabender seien als sie selbst. Dennoch: Ein Kompromiss dürfte letztlich gefunden werden.

Die Experten würden ebenfalls erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihr im März als geldpolitische Sondermaßnahme beschlossenes Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) im Juni ausweite. Anleger an den Anleihemärkten würden am besten mit Vermögenswerten fahren, die unmittelbar von den EZB-Kaufprogrammen profitieren würden.

Es wäre töricht zu glauben, dass die Volatilität nicht zurückkehren werde. Viele Märkte hätten sich wieder erholt, deshalb bestehe bei fallenden Märkten noch viel Spielraum, bevor Unterstützungen erreicht würden. Die Zurücknahme der Lockdowns sorge unverändert für die Gefahr einer zweiten Infektionswelle. Die Arbeitslosigkeit sei in vielen Ländern sprunghaft angestiegen, werde aber in den kommenden Monaten wahrscheinlich nur sehr langsam zurückgehen. Bestimmte Wirtschaftssektoren stünden nach wie vor im Feuer. Der Großteil der jüngsten Gewinne an den Märkten sei einer kleinen Zahl von Technologiegiganten geschuldet, die durch Covid-19 unterstützt würden und dem NASDAQ möglicherweise zu neuen Rekordhochs verhelfen würden.

Generell gelte: Die Anzeichen für eine sinkende globale Inflation würden darauf hindeuten, dass die Zentralbanken weiterhin geneigt sein würden, die Geldpolitik bei Bedarf weiter zu lockern. (25.05.2020/alc/a/a)