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Keine Überraschung von FED-Meeting zu erwarten


20.03.18 14:23
ETHENEA

Munsbach (www.anleihencheck.de) - Bei der am Mittwochabend europäischer Zeit anstehenden geldpolitischen Entscheidung der US-Zentralbank FED sind kaum Überraschungen zu erwarten, so Yves Longchamp, Head of Research bei ETHENEA.

Nahezu alle Finanzmarktteilnehmer würden mit einer Anhebung des Leitzinses um 25 Basispunkte rechnen. Die Experten würden diese ebenfalls für am wahrscheinlichsten halten, denn diese Entscheidung würde zum US-Wirtschaftswachstum passen und entspricht zudem der Forward Guidance der FED.

Zwei weitere Aspekte würden ebenfalls besondere Beachtung verdienen. Zunächst werde das bereits jetzt günstige makroökonomische Szenario nach den dieses Jahr bisher anhaltend positiven Wirtschaftsdaten vermutlich noch optimistischer bewertet werden, so Longchamp. Das makroökonomische Szenario sei für den Entscheidungsprozess der FED elementar. Entsprechend könnte auch der berühmte Dot Plot, der die Zinserwartungen aller Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) zusammenfasse, nach oben korrigiert werden. Bis dato seien für 2018 drei Zinserhöhungen geplant, eine vierte könnte jedoch am Mittwoch angekündigt werden.

Der zweite für die Anleger interessante Aspekt sei der neue Notenbankpräsident Jerome H. Powell, der nach dem Abschied seiner Amtsvorgängerin Janet Yellen seine erste Pressekonferenz abhalten werde. Im Spektrum zwischen "Taube" und "Falke" stehe Powell etwa in der Mitte und gilt als neutral, so Longchamp. Damit sei er etwas offensiver als seine Vorgängerin. Bei den jüngsten geldpolitischen Entscheidungen habe Powell allerdings auf der Linie von Janet Yellen gelegen und stehe also wohl eher für Kontinuität denn für Wandel.

Völlig ungewiss sei hingegen, wie er die Pressekonferenz gestalten werde. Seine Vergangenheit als Investmentbanker und Anwalt unterscheide ihn grundlegend von Yellen, die einen volkswirtschaftlichen Hintergrund habe und ihr ganzes Leben als Volkswirtin tätig gewesen sei, sei es als Professorin, bei der FED oder im Weißen Haus.

Seit der Finanzkrise hätten die Anleger alle Zentralbankverlautbarungen bis ins Detail analysiert. Das Thema Zinsanstieg in einem Umfeld ungewöhnlich niedriger Zinsen, beginnendem Inflationsdruck und hoch bewerteten Finanzmärkten sei von zentraler Bedeutung, so Longchamp. Die große Frage, auf die Powell am kommenden Mittwoch erste Antworten liefern werde, laute: Wie müsse eine sukzessive Straffung der Geldpolitik gestaltet werden, damit Preisstabilität, anhaltendes Wirtschaftswachstum und steigende Börsenkurse sichergestellt würden? (20.03.2018/alc/a/a)