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Kanada: Notenbank im Standby-Modus


28.09.20 12:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Bank of Canada hat jüngst keine Anpassungen an ihrer geldpolitischen Ausrichtung vorgenommen, so Tobias Basse und Bernd Krampen von der NORD/LB.

Der maßgebliche Leitzins ("Overnight Lending Rate") verharre somit konstant bei 0,25%. Aus der Notenbank seien zuletzt mit Blick auf die kanadische Wirtschaft recht optimistische Töne gekommen. Man sehe ganz offensichtlich immer klarer Zeichen, die in Richtung einer spürbaren Besserung der ökonomischen Lage deuten würden. Der durch die Coronavirus-Krise ausgelöste Schock halle aber natürlich noch für eine Weile nach. Folgerichtig würden die Notenbanker in Ottawa an den Finanzmärkten auch keine Zweifel daran aufkommen lassen, dass man der Wirtschaft Kanadas bei Bedarf auch wieder stützend zur Seite stehen werde.

Grundsätzlich habe die Bank of Canada damit vorerst ihren Standby-Modus aktiviert. Die ökonomische Situation in Kanada dürfte es den Geldpolitikern in Ottawa auch erlauben, für eine längere Weile einfach nur abzuwarten. Neben den Entwicklungen an der Preisfront werde die Bank of Canada nun vor allem auf die Beschäftigungssituation in Kanadas zu achten haben. Erst wenn sich bei einem dieser wichtigen Einflussfaktoren für die Geldpolitik in Ottawa größere Bewegungen zeigen würden, dürften die Verantwortlichen zu Maßnahmen in die eine oder andere Richtung neigen. Zunächst werde man in der Bank of Canada aber wohl weiter abwarten wollen - eine inzwischen bewährte Strategie!

Auch der Konsument dürfe aber wohl nicht ganz aus dem Auge verloren werden. Die Einzelhandelsumsätze in Kanada hätten im Berichtsmonat Juli von erfreulich starken Absatzzahlen in den Autohäusern des Landes profitiert. Die Headline-Rate habe entsprechend um immerhin 0,6% M/M zugelegt. Exklusive Automobile habe sich eine Veränderungsrate von -0,4% M/M gezeigt. Diese Zahlen hätten die Finanzmärkte nicht wirklich überrascht. Einige Beobachter scheinen zwar mit einer gewissen Enttäuschung auf die Entwicklung der Zeitreihe unter Ausklammerung der Kraftfahrzeuge zu blicken, man darf unserer Auffassung nach aber aktuell auch in keinen übertriebenen Pessimismus verfallen - zumal der Kauf eines Automobils - also eines eher teuren langlebigen Konsumguts - schon eine gewisse Zuversicht bei den Konsumenten zu signalisieren scheint, so die Analysten der NORD/LB.

Interessant sei in diesem Zusammenhang aber wohl auch, dass insbesondere Gebrauchtwagen gesucht gewesen seien. Hier sei es im Juli zu einem Umsatzplus von beachtlichen 11,5% M/M gekommen. In der Summe scheine klar zu sein, dass sich der Anstieg der Einzelhandelsumsätze nach dem Schub im Juni habe abflachen müssen. (Ausgabe Oktober 2020) (28.09.2020/alc/a/a)