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Inflation? Die Marktteilnehmer sind zu selbstgefällig


15.10.21 12:00
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Der US-Verbraucherpreisindex für September entsprach im Großen und Ganzen den Erwartungen, wobei die Kerninflationsrate mit 4,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr unverändert blieb, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management.

Infolge der gestiegenen Energiepreise sehe er jedoch das Risiko, dass die Inflationswerte im vierten Quartal etwas höher ausfallen und sich vor dem Frühjahr 2022 kaum abschwächen würden. Die Modelle der US-Notenbank für die Inflationserwartungen würden sich unweigerlich auf diesen Trend einstellen, je länger die aktuellen Inflationsraten über dem Zielwert der FED lägen.

Da sich der Inflationsdruck auch bei den Löhnen bemerkbar mache, bezweifele Dowding, dass die jüngste Atempause bei den Anleiherenditen allzu lange anhalte. Aufgrund der hohen Steuereinnahmen im Zuge der anziehenden Konjunktur sei es unwahrscheinlich, dass das Angebot an US-Staatsanleihen weiter zunehme, selbst wenn die US-Notenbank mit der Reduzierung ihrer Anleihekäufe beginne.

Dowding sei der Meinung, dass eine erste Leitzinserhöhung der FED inzwischen weniger als zwölf Monate entfernt sei. Vor diesem Hintergrund seien die Marktteilnehmer nach seiner Einschätzung im Hinblick auf den mittelfristigen Inflationsverlauf und den angenommenen Pfad für die Erhöhung der FED-Zinsen mit Blick auf 2023 und 2024 zu selbstgefällig.

Nach einer Flut von Daten zu Oktoberbeginn würden die nächsten Wochen im Gegensatz dazu etwas ruhiger aussehen. Dowding sei der Ansicht, dass sich die US-Renditen für kurze Zeit in einer Konsolidierungsphase befinden könnten, bevor sie den Aufwärtstrend wieder aufnehmen würden - bis zum Beginn des Tapering der FED seien es nur noch Tage und nicht mehr Wochen.

Nach der Sorge vieler Marktbeobachter im Hinblick auf eine heraufziehende Stagflation schienen jetzt die Daten der vergangenen Woche zu bestätigen, dass die wirtschaftlichen Bedingungen in Europa und den USA relativ konstruktiv seien.

In einer weitaus schwierigeren Lage sehe Dowding das Vereinigte Königreich: Da die Ölpreise in der vergangenen Woche neue Höchststände erreicht hätten und auch die Gaspreise weiterhin extrem hoch seien, wirke Großbritannien derzeit anfälliger für eine Wachstumsverlangsamung als andere Volkswirtschaften. Die Inflation belaste das Realeinkommen und die durch Brexit und Covid-19 verschärften Versorgungsengpässe würden keinerlei Anzeichen für eine Besserung zeigen. (15.10.2021/alc/a/a)