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Indien: Notenbank überrascht mit Zinspause


17.10.18 12:09
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Anstieg des Leistungsbilanzdefizits war der Hauptgrund für die schwache Entwicklung der Indischen Rupie in diesem Jahr, so die Analysten der DekaBank.

Die Rupie habe gegenüber dem US-Dollar rund 13% verloren und sei damit die schwächste Währung Asiens gewesen. Regierung und Zentralbank hätten eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die grundsätzlich geeignet seien, die Währung zu stabilisieren.

So habe die Notenbank am Devisenmarkt interveniert, was einen Rückgang der Devisenreserven von 426 auf 400 Mrd. US-Dollar zur Folge gehabt habe. Zudem hätten die Währungshüter den Leitzins in zwei Schritten um 50 Bp auf 6,5% angehoben, was tendenziell die Inlandsnachfrage und damit die Importdynamik bremse und gleichzeitig Rupie-Anlagen attraktiver für Ausländer mache.

Die Regierung habe die Kreditaufnahme im Ausland erleichtert, um über erhöhte Kapitalzuflüsse den Druck auf die Währung zu verringern. Zudem seien Einfuhrzölle auf eine Reihe von Konsumgütern erhöht worden, die nicht dem Grundbedarf zuzuordnen seien. Diese Waren würden jedoch nur rund 3% der Gesamteinfuhren ausmachen. Auf ihrer Sitzung am 4. Oktober habe die Notenbank Gelegenheit gehabt, durch eine zusätzliche Zinsanhebung einen weiteren Beitrag zur Stabilisierung der Rupie zu leisten. Für die meisten Beobachter überraschend habe sie jedoch auf diesen Schritt verzichtet. Sie habe betont, dass sie kein Wechselkursziel, sondern eine Inflationsziel verfolge. Die Inflationsrate sei zwar im September leicht von 3,7% auf 3,8% gestiegen, doch sie sei damit unter dem Inflationsziel von 4% geblieben. Zudem erwarte die Zentralbank, dass der Anstieg der Inflationsrate im kommenden Jahr geringer ausfalle, als sie dies bislang unterstellt habe.

Trotz der Rücknahme ihrer Inflationserwartungen und des Verzichts auf eine Zinsanhebung zeige sich die Zentralbank jedoch keineswegs unbesorgt über den weiteren Inflationsverlauf. Dies habe sie durch die Veränderung ihrer geldpolitischen Ausrichtung von "neutral" auf "restriktiv" deutlich gemacht. Sie schließe damit Zinssenkungen für die nähere Zukunft aus und bereite den Markt auf mögliche weitere Anhebungen vor.

Nach unserer Einschätzung spricht gegenwärtig einiges für weitere Zinsanhebungen, so die Analysten der DekaBank. Zum einen sei der Inflationsrückgang der vergangenen Monate vor allem auf die Entwicklung der Nahrungsmittelpreise zurückzuführen gewesen und sei damit nicht als dauerhaft zu betrachten. Zum anderen erhöhe eine Abwertung den inländischen Preisdruck, sodass die Währungsentwicklung nicht außer Acht gelassen werden könne. Die Notenbank sollte außerdem ihren Beitrag leisten, das Leistungsbilanzdefizit in den Griff zu bekommen. So lange es der Regierung nicht gelinge, den Exportsektor nachhaltig zu stärken, sei die Begrenzung der Inlandsnachfrage eine notwendige Strategie.

Indien dürfte auf absehbare Zeit die wachstumsstärkste aller großen Volkswirtschaften sein. Dies ändere jedoch nichts an den grundlegenden Problemen des Landes. So gebe es große Mängel in der Infrastruktur, im Bildungswesen und in der öffentlichen Verwaltung. Das hohe Leistungsbilanzdefizit setze zudem inlandsgetriebenem Wachstum gewisse Grenzen. Ein wichtiger Pluspunkt sei die Glaubwürdigkeit, die die Zentralbank in den vergangenen Jahren gewonnen habe, da hierdurch die Inflationsbekämpfung erleichtert werde. Die Politik stehe immer stärker im Bann der im Frühjahr 2019 anstehenden Wahlen.

S&P und Fitch würden indische Fremdwährungsverbindlichkeiten mit Baa3/BBB- im untersten Bereich des Investment Grade einstufen. Moody's habe das Rating am 11. November um eine Stufe auf Baa2 heraufgestuft und damit den stabilitäts-orientierten geld- und fiskalpolitischen Kurs sowie die strukturellen Reformen der vergangenen Jahre gewürdigt. S&P und Fitch könnten dem Beispiel von Moody's in den kommenden Jahren folgen. Das Verhältnis zum Nachbarn Pakistan bleibe angespannt. (17.10.2018/alc/a/a)