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Green Bonds: Emissionsvolumen steigt rasant an


18.05.18 14:00
Hauck & Aufhäuser

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In vielen Kundengesprächen wird vermehrt Interesse an Green Bonds bekundet, so Burkhard Allgeier, Chief Investment Officer und Chefvolkswirt von Hauck & Aufhäuser.

Bei Rentenpapieren würden sich Investoren jedoch erst allmählich den ESG-Ansätzen annähern, auch weil ihnen häufig die Erfahrungen fehlen würden oder einfach zu wenig Informationen und Umsetzungsideen vorlägen.

Und wo genau lägen deren Vor- und Nachteile im Vergleich zu herkömmlichen Anleihen? Green Bonds würden die Finanzierung von Projekten ermöglichen, die Nutzen für die Umwelt stiften und zu einer nachhaltigen Wirtschaft beitragen würden - das sei der Hauptunterschied zu konventionellen Schuldtiteln.

Green Bonds seien ausgestaltet wie übliche Anleihen (also feste Laufzeit, Zinssatz und Rang in der Kapitalstruktur), jedoch mit dem Ziel, das geliehene Geld in nachhaltige beziehungsweise klimafreundliche Projekte zu investieren - wie etwa in die Förderung von Windkraftanlagen, in Photovoltaik oder in den Bau energieeffizienter Gebäude.

Außerdem würden sie sich von Nachhaltigkeits-Anleihen dadurch unterscheiden, dass Green Bonds ausschließlich klimafreundliche Projekte unterstützen würden. Nachhaltigkeits-Anleihen würden dagegen auf ethischen oder ökologischen Grundlagen basieren. Zum Beispiel verzichte ein Unternehmen auf die Zusammenarbeit mit der Rüstungsindustrie.

Ungeklärter Begriff

Es gebe jedoch keine allgemeingültige Definition dafür, was ein Green Bond sei. Zwar hätten einige unabhängige Organisationen Leitlinien für Emittenten grüner Anleihen veröffentlicht, die für Transparenz sorgen würden. Jedoch könne theoretisch jeder Emittent eine Anleihe begeben und diese als Green Bond bezeichnen.

Mit den 2014 veröffentlichten Green-Bond-Principles (GBP) seien Standards der Weltbank formalisiert worden. Dabei handle es sich um Kriterien, nach denen sich die Herausgeber von grünen Anleihen richten könnten. Die GBP würden Empfehlungen für die Verwendung der Emissionserlöse vorgeben, welche wiederum in Projektkategorien unterteilt würden.

Investitionen sollten demnach in erneuerbare Energien, energieeffiziente Gebäude, in den umweltverträglichen Transport oder auch in die Anpassung an den Klimawandel erfolgen. Sie seien jedoch nicht verbindlich und böten deswegen erheblichen Auslegungsspielraum.

Green-Bond-Emittenten, die sich der Einhaltung der Prinzipien verschrieben hätten, sollten jährlich offenlegen, in welche Projekte die Anleiheerlöse geflossen seien. Verpflichtend sei das allerdings nicht.

Im Jahr 2016 seien 69% der emittierten Green Bonds von unabhängiger Seite überprüft worden. Mittlerweile arbeite auch die EU-Kommission an einem eigenen Klassifikationsschema und an Qualitätsstandards, welche durch eine Expertengruppe für Sustainable Finance (HLEG) erarbeitet würden und für eine weitere Standardisierung in Europa sorgen sollten.

Stark wachsendes Angebot

Das Emissionsvolumen von Green Bonds steige rasant an. Während 2013 global nur 13 Milliarden US-Dollar emittiert worden sei, seien es 2017 bereits 155 Milliarden US-Dollar gewesen. Dieses Jahr dürfte das Volumen auf mehr als 200 Milliarden US-Dollar zunehmen, wobei weitere Emittenten auf den Markt drängen würden.

Mit 41% des Emissionsvolumens im laufenden Jahr hätten staatliche und supranationale Emittenten einen erheblichen Anteil am Gesamtmarkt. Da sich diese Institutionen jedoch relativ günstig verschulden könnten, würden sich die erzielbaren Renditen und Risikoaufschläge dieser Green Bonds in Grenzen halten.

Auch bei gedeckten Schuldverschreibungen (Covered Bonds) und Unternehmensanleihen (Corporates) seien zwischen Green Bonds und konventionellen Anleihen keine signifikanten Renditedifferenzen erkennbar. Auf der einen Seite stehe die erhöhte Nachfrage durch Investoren, wie kirchliche Einrichtungen und Stiftungen, welche nach ESG-Prinzipien anlegen und die Nachfrage ankurbeln würden. Auf der anderen Seite fehle es bei Green Bonds häufig noch an Markttiefe und Liquidität, was eine zusätzliche Prämie beziehungsweise einen Spreadaufschlag erfordere. Im Insolvenzfall würden Green Bonds, je nach Rangigkeit, allerdings genauso behandelt wie Anleihen, welche konventionell emittiert worden seien, sodass dem Anleger hier keine Vor- oder Nachteile entstünden. (18.05.2018/alc/a/a)