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Globaler Zinstrend dürfte sehr moderat aufwärts gerichtet sein


29.05.20 16:00
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Angesichts der vielfältigen Bedrohungen und globalen Risiken durch die Corona-Epidemie haben die internationalen Notenbanken alle Geldschleusen auf unbestimmte Zeit voll geöffnet, so die Analysten der National-Bank AG.

Die US-Notenbank werde ihre Zinssätze auf die sehr lange Frist auf den aktuellen Niveaus bei 0,00% bis 0,25% belassen. Innerhalb der FED seien daher jüngst sogar noch weitere Maßnahmen diskutiert worden, wie etwa die Zinskurvenkontrolle nach japanischem Vorbild, um der Wirtschaft noch mehr Stimulus zu verleihen. Die Analysten würden insgesamt weiterhin davon ausgehen, dass die FED negative Sätze vermeiden werde und die Debatte um die Erweiterung der Notfallmaßnahmen im Rahmen der Festigung der Perspektiven allmählich an Intensität abnehme.

Mit Blick auf den weiteren Kurs der EZB sei hingegen zu erwarten, dass die Geldpolitik für die Eurozone voraussichtlich noch wesentlich mehr Stimulus erzeugen müsse als die FED: Auf Basis der Erfahrungen der Finanzkrise stehe zu erwarten, dass die Erholung in Europa wesentlich zäher von statten gehe als in den USA. So befürchte die EZB vollkommen zu Recht, dass sich die Erholung der Eurozone womöglich bis in das Jahr 2023 verzögern könnte. Dies gehe wiederum nicht zuletzt auf die mangelnde preisliche Flexibilität innerhalb der Währungsunion zurück, die die Anpassung an wirtschaftliche Schocks - ähnlich wie in der Finanzkrise - erheblich verzögere.

Mit Blick auf die jüngste Kommunikation der EZB stehe daher zu erwarten, dass die europäische Notenbank zunächst den Umfang des PEPP-Programms weiter erhöhe, erwartet würden hier weitere 500 Milliarden Euro. Dies dürfte aber noch lange nicht das Ende der Maßnahmen sein, der Bedarf an weiteren Stimuli dürfte in den kommenden zwei Jahren enorm sein. Die EZB dürfte also auch weiterhin all den zusätzlichen Druck auffangen müssen, den die Corona-Krise sukzessive entfalte. Da die impliziten Inflationserwartungen bereits vor der Krise in Richtung der Nullgrenze tendiert hätten, dürfte das geldpolitische Fahrwasser in Europa immer rauer werden. Die Analysten würden ihre Zinsprojektionen sowohl für die USA als auch das Euroland unverändert belassen, der globale Zinstrend dürfte in dem Hauptszenario der Analysten sehr moderat aufwärts gerichtet sein. (29.05.2020/alc/a/a)