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Gambling-Aktien: sichere Wetten oder Zockerei?


23.02.21 22:00
anleihencheck.de

Bad Marienberg (www.anleihencheck.de) - Der neue Glücksspielstaatsvertrag tritt am 1. Juli 2021 in Kraft. Was erwartet die börsengelisteten Glücksspielunternehmen? Jetzt online informieren.



Glücksspiel-Aktien: Was bedeutet der neue Glücksspielstaatsvertrag für börsengelistete Glücksspielunternehmen?


In den letzten Jahren verzeichnet der Glücksspielmarkt weltweit rasante Zuwächse. Kein Wunder also, dass sich viele Unternehmen an den internationalen Börsen tummeln. Am Aktienmarkt ging es mit diesen Firmen steil nach oben. Wer die Charts analysiert, erkennt zwar deutlich den Corona-Knick vom März letzten Jahres. Dieser war aber ein branchenübergreifendes Problem. Seitdem steigen die meisten Aktien wieder und Schwergewichte wie 500.com Ltd, GVC Holdings und Penn National Gaming Inc. verzeichnen signifikante Zuwächse.

Auch die deutschen Player mit internationaler Ausstrahlung wie Lotto24 und bet-at-home.com konnten ihre Verluste wieder wettmachen. Allerdings fallen bei Ihnen die Zuwächse während der Pandemie moderater aus als bei den ausländischen Firmen.

Nun ist der deutsche Glücksspielmarkt in einer besonderen Situation. Tritt doch ab dem 1. Juli 2021 der neue Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) in Kraft. Dieser wird große Verwerfungen im Markt hinterlassen. Trader und Investoren halten sich vorerst bedeckt, weil die Auswirkungen des Regelwerks auf die Kurse der Casino-Aktien noch nicht in ihrer Gänze einzuschätzen sind.

Deutschland in der Duldungsphase


Der deutsche Glücksspielmarkt befindet sich seit Jahren in einer Grauzone. Glücksspiel ist in Deutschland eigentlich verboten. Anbieter berufen sich auf das EU-Recht (Europäische Union) des freien Zugangs von Dienstleistungen und offerieren ihre Spiele mit Lizenzen aus Malta, Gibraltar und Curacao, also Regionen mit EU-Zugang. Mit dem neuen GlüStV soll diesen Zuständen ein Riegel vorgeschoben werden. Seit Oktober letzten Jahres gilt eine sogenannte Duldungsphase. In dieser erhalten die Anbieter die Gelegenheit, sich für eine deutsche Lizenz im Juli zu empfehlen. In dieser Phase werden die Aufsichtsbehörden der Bundesländer keine Kontrollen vornehmen.

Dabei wurden mehr als 30 neue Regeln zum Spielerschutz erstellt. Unter anderem dürfen keine Tisch- und Kartenspiele mehr angeboten werden und die Einsätze beim Automatenspiel 1 Euro für ein einzelnes Spiel nicht mehr überschreiten. Mit einem Panik-Knopf können Spieler sich selbst für 24 Stunden sperren. Die Werbung für die virtuellen Automatenspiele muss eingestellt werden. Zudem sollen die Spieler ein monatliches Limit festsetzen, die Anbieter müssen die Zocker regelmäßig darauf hinweisen, wie viel Geld diese gewonnen oder verloren haben.

Die Phase der Duldung endet, sobald der neue Glücksspielstaatsvertrag in Kraft tritt. Anbieter, die sich in dieser Phase bewährt haben, sollen bei der Vergabe der deutschen Lizenzen bevorzugt behandelt werden. Viele Anbieter haben bereits ihre Angebote angepasst. Weiterführende Informationen dazu erhalten Sie auf: https://deutschelivecasinos.de/.

Der Glücksspielstaatsvertrag und seine Auswirkungen


Mit dem GlüStV wollen Bund und Länder die verzwickte rechtliche Situation ordnen. Für die börsennotierten Firmen wird es dabei entscheidend darauf ankommen, inwieweit sich diese Änderungen auf das Spielerverhalten auswirken. Soll doch vor allem der monatliche Einsatz auf 1.000 Euro pro Spieler limitiert werden. Zudem wird eine Sperrdatei gefordert, damit sich Spieler nicht an mehreren Casinos gleichzeitig anmelden, um die Limits zu umgehen.

Neben dem enormen administrativen Mehraufwand für die Casinos sehen Kritiker vor allem Probleme mit dem Datenschutz. Das neue Papier umfasst zudem striktere Regelungen zur Suchtprävention und zum Jugendschutz. Im Gegenzug wird das Glücksspiel in Deutschland nun weitestgehend legalisiert. Vor allem die Anzahl der Lizenzen soll ausgeweitet werden.

Große Anbieter könnten profitieren


Auch wenn das Geschrei innerhalb der Branche groß ist, hat der Staatsvertrag auch seine guten Seiten. Durch die Regulierung des unübersichtlichen Marktes werden schwarze Schafe aussortiert. Börsennotierte Unternehmen werden üblicherweise von der Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) auf Herz und Nieren geprüft. Bei diesen ist die Akzeptanz der neuen Regelungen eher gegeben als bei den kleineren Unternehmen. Imagepflege ist erste Pflicht, da jede Ungereimtheit meist zu einem Skandal mit unüberschaubaren finanziellen Konsequenzen führt. Das künftig größere Portfolio verspricht eine Ausweitung in andere Bereiche, womit sich die Anzahl der Spieler nochmals erhöhen könnte.

Auf der anderen Seite gilt natürlich auch, dass regulatorische Maßnahmen sowie der steigende Wettbewerb die deutschen Glücksspielunternehmen unter Druck setzen. Spieler mit größerer Risikoaffinität, und das sind in der Regel jene, welche größte Umsätze versprechen, könnten sich direkt an ausländische Anbieter wenden. Deshalb bleibt im Moment unklar, in welche Richtung sich deutsche Glücksspiel-Aktien gegenüber sichereren Anleihen entwickeln werden. Den Anlegern bleibt zu empfehlen, Glücksspiel-Aktien höchstens als spekulative Depotbeimischung zu betrachten. (23.02.2021/alc/a/a)