Finanzmärkte unter dem Eindruck steigender US-Zinsen


09.10.18 10:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die internationalen Finanzmärkte standen zum Wochenstart unter dem Eindruck steigender US-Zinsen auf der einen sowie zunehmenden Sorgen über die italienische Haushaltspolitik auf der anderen Seite, so die Analysten der Helaba.

Nach dem robusten US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag würden die Warnungen von US-Notenbankchef Powell, die Leitzinsen seien noch weit von einem neutralen Niveau entfernt, in den Ohren vieler Anleger klingen.

Während die Bondmärkte in den USA wegen eine Feiertages geschlossen blieben, suchten hierzulande viele Investoren mit Blick auf die Turbulenzen am italienischen Anleihemarkt und deutlich nachgebenden Aktiennotierungen den sicheren Hafen qualitativ hochwertiger Staatsanleihen, so die Analysten der Helaba.

Bundesanleihen hätten sich nach dem schwachen Vorwochenschluss gut erholt gezeigt und die Verluste wieder wettgemacht. Nur ultralange Laufzeiten seien eher vernachlässigt worden. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Papieren habe sich auf 63 BP ausgeweitet, 10-jährige Bonds aus Belgien (0,88%) und Frankreich (0,87%) hätten gegen vergleichbare deutsche Staatsanleihen 1,5 BP verloren.

Die Anleihemärkte der EU-Peripherie kämen angesichts der Kritik des italienischen Vize-Regierungschefs Salvini an der EU-Spitze nicht zur Ruhe. Sorgenvoll seien die Augen auf den Haushaltsentwurf gerichtet, der am 15. Oktober in Brüssel vorliegen müsse. BTPs seien unter erheblichen Abgabedruck geraten und hätten Anleihen der anderen Mittelmeerländer mit nach unten gezogen. Der Risikoabstand 10-jähriger spanischer (1,59%) und portugiesischer Bonds (1,96%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 5 bis 5,5 BP ausgeweitet, italienische Anleihen (3,56%/+19 BP) hätten jetzt mehr als 300 BP höher als Bunds rentiert.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen nach den sehr robusten Arbeitsmarktdaten weiter gestiegen. Gestern sei der Markt wegen eines Feiertages geschlossen geblieben. In Fernost würden US-Treasuries angesichts uneinheitlicher Vorgaben von den asiatischen Aktienmärkten wenig verändert tendieren. Nur ultralange Laufzeiten würden kräftige Abschläge verbuchen. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe sich auf 35,5 BP ausgeweitet.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (158,06) habe 49 Stellen zugelegt, Bobl (130,57) und Schatz (111,805) seien 20 bzw. 4,5 Ticks höher aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,53% gefallen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen ermäßige sich geringfügig auf 107 BP. 10-jährige US-Treasuries bei 3,24%. Der Euro verbillige sich auf 1,15 Dollar, der Preis für das Barrel Öl steige auf 74,7 Dollar.

In der Woche nach dem US-Arbeitsmarktbericht seien Konjunkturdaten eher Mangelware. Nach den schwachen deutschen Produktionszahlen (-0,3%/-0,1%) vom Vortag stehe heute einzig die Außenhandelsstatistik Deutschlands im August zur Veröffentlichung an. Erwartet werde ein Handelsbilanzüberschuss von 16,3 Mrd. Euro, um 0,5% gestiegene Exporte und ein leichter Rückgang der Importe (0,2%).

Zur Wochenmitte würden Industrieproduktion aus Frankreich und Italien weiter Einzelheiten für die Eurozone in Gänze liefern. In den Vereinigten Staaten richte sich die Aufmerksamkeit auf Inflationsdaten. Erzeuger-, Verbraucher- und Importpreise dürften zunehmenden Preisdruck signalisieren.

Am Primärmarkt würden die Niederlande heute die im Januar 2047 fällige DSL um 1 Mrd. Euro aufstocken. Der Bund versteigere 500 Mio. Euro des im April 2026 fälligen Linkers. Zur Wochenmitte biete die Finanzagentur des Bundes 3 Mrd. Euro der 10-jährigen Bundesanleihe an.

Italien mit BTPs im Volumen von etwa 7 Mrd. Euro und Portugal mit der Aufstockung 10-jähriger Papiere um etwas mehr als eine Mrd. Euro nähmen den Markt ebenfalls in Anspruch. Das amerikanische Schatzamt versteigere zuzüglich zu ca. 150 Mrd. USD Geldmarktpapieren bis zu einem Jahr Laufzeit auch 3-, 10- und 30-jährige Staatsanleihen im Volumen von 74 Mrd. USD. (09.10.2018/alc/a/a)