FED setzt den Weg sukzessiver Leitzinsanhebungen weiter fort


27.09.18 10:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Am gestrigen Abend lieferte die Federal Reserve als Ergebnis der Notenbanksitzung den erwarteten dritten Zinsschritt in diesem Jahr, so die Analysten der NORD LB.

Die Fed Funds Target Rate sei um 25bp auf 2,25% angehoben worden. Diese Maßnahme sei gut vorbereitet worden und sei nicht überraschend.

Das FOMC-Statement habe im Grunde nur eine Anpassung beinhaltet: Ein besonderes Augenmerk habe auf dem Passus gelegen, ob die aktuelle Geldpolitik weiterhin als "konjunkturstimulierend" ("accomodative") angesehen werde. Dieser Satz sei gestrichen worden, was den Beginn der Phase einer neutralen Geldpolitik anzeigen könne. Per se entspreche diese Veränderung wohl einem gewissen dovishen Element im Statement - zu viel würden die Analysten der NORD LB hier aber auch nicht reininterpretieren wollen. In der Pressekonferenz habe der FED-Präsident Jerome Powell die Bedeutung dieses Themas auch wieder etwas heruntergespielt.

Die Zinsprojektionen seien (nahezu) unverändert ausgefallen: Die FOMC-Gremiumsmitglieder würden im Median für noch eine weitere Leitzinsanhebung in 2018 (und damit vier im Gesamtjahr) plädieren. Für 2019 würden sie von drei Hikes ausgehen, für 2020 von einer Anhebung. Erstmals würden sie auch Projektionen für 2021 wagen - zur Sicherheit erst einmal ein Abwarten bei dann 3,5%. Im Detail sei festzuhalten, dass mittlerweile zwölf der 16 Notenbanker für einen weiteren Hike in 2018 plädieren würden.

Bei den Projektionen für die Makrodaten seien kaum Anpassungen auszumachen gewesen: Die erwartete BIP-Wachstumsrate für 2018 werde mit 3,1% (bisher: 2,8%), für 2019 mit 2,5% (2,4%) und für 2020 mit 2,0% (unverändert) angegeben. Die erste BIP-Prognose für 2021 sei mit 1,8% in einem wohl großen Unschärfebereich. Die Arbeitslosenquote werde nun in 2018 und in 2019 bei jeweils niedrigen 3,7% bzw. 3,5% (bisher: 3,6% bzw. 3,5%) gesehen. Bei den Projektionen für den Preisauftrieb seien keine Veränderungen zu vermelden (PCE Inflationsrate bei 2,0% bzw. 2,1%).

Auf der anschließenden Pressekonferenz habe Notenbankchef Jerome Powell ein ziemlich optimistisches Konjunkturbild gezeichnet. Die Wachstumsphase werde anhalten und das Inflationsziel bleibe erreicht. Seine Aussagen seien zwar wie üblich ausgewogen, in der Summe aber hawkish gewesen.

Die Analysten der NORD LB würden bei ihrer Ansicht bleiben, dass eine weitere Zinsanhebung in 2018 am wahrscheinlichsten sei. Aber auch ein Abwarten sollte nicht ganz ausgeschlossen werden. Bis Mitte Dezember könnten sich schließlich noch einige Themen kritischer entwickeln als heute befürchtet (Handelspolitik, UK, Italien,…) und durchaus auch eine Pause bewirken. Ihr Szenario sei das aber nicht.

Die Kapitalmärkte hätten durchaus mit Kursbewegungen reagiert: Die US-Aktienmärkte seien etwas unter Druck geraten und die Renditen der US-Treasuries seien zurückgegangen.

US-Präsident Trump habe sich noch am Abend nicht glücklich über die Zinsanhebung gezeigt.

Fazit: Die Federal Reserve habe wie erwartet die dritte Anhebung der Fed Funds Target Rate in diesem Jahr vorgenommen. Die Maßnahme überrasche nicht. Mit 2,25% liege der Leitzins nun offenbar nicht mehr in einem Bereich, der in den Augen der Notenbanker als konjunkturstimulierend angesehen werde. Die Projektionen für die Leitzinsen seien unverändert geblieben (vier Hikes in 2018, drei in 2019) und die Konjunkturaussichten seien leicht nach oben genommen worden. Powell habe auf der Pressekonferenz ein recht optimistisches Bild der Lage gezeichnet. Ein weiterer Zinsschritt in 2018 bleibe damit das wahrscheinlichste Szenario. Dennoch sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass die Themen Zollpolitik, Brexit, Türkei oder Italien ein Potenzial erlangen könnten, die FED zu einem zeitweisen Abwarten zu bewegen. Allerdings scheine das konjunkturelle Momentum derzeit eher dafür zu sprechen, dass die Wachstumsrisiken frühestens in 2019 oder 2020 stärker zu spüren sein würden. (27.09.2018/alc/a/a)