FED hebt Leitzinsspanne um 25 Basispunkte an und signalisiert Zinsschritt im Dezember


27.09.18 10:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - FED hebt Leitzinsspanne um 25 Basispunkte an und signalisiert Zinsschritt im Dezember, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

US-Staatsanleihen hätten mit leichten Gewinnen auf die Zinsentscheidung reagiert, die Rendite 2- wie 10-jähriger Papiere sei um 3 bzw. 5 Basispunkte zurückgegangen. Der Dollar habe zum Euro anfänglich zwar leicht verloren, die Verluste später allerdings wieder mehr als aufgeholt.

Wie erwartet habe die US-Notenbank die Leitzinsspanne um 0,25 Prozentpunkte auf 2,00% bis 2,25% angehoben. Der gestrige Beschluss sei einstimmig gefallen. Die begleitende Stellungnahme zur Zinsentscheidung unterscheide sich nur in einem, dafür entscheidenden Punkt von derjenigen von Anfang August. So sei der Satz, die geldpolitische Ausrichtung bleibe akkommodierend, gestrichen worden. Mit Blick auf die Konjunktur würden sich die Währungshüter unverändert zuversichtlich geben. Die Risiken für den kurzfristigen Konjunkturausblick würden unverändert als annähernd ausgeglichen charakterisiert. Mit Blick auf die Handelsstreitigkeiten habe FED-Präsident Jerome Powell gesagt, es ließen sich bisher keinerlei negative Effekte für die Konjunktur ausmachen. Und selbst wenn es in Zukunft Effekte gäbe, fielen diese seiner Meinung nach wohl sehr gering aus.

Mit der gestrigen Zinsentscheidung habe die FED einen Schritt Richtung Umschalten von Autopilot auf Sichtflug gemacht. Mit dem Entfall des Hinweises, dass die Geldpolitik weiter akkommodierend wirke, habe sie klargestellt, dass weitere Zinsschritte kein Automatismus mehr seien, sondern noch stärker von der Entwicklung von Konjunktur, Arbeitsmarkt und Inflation abhängen würden als bisher. Zudem signalisiere sie, dass sich der Leitzins mit 2,00% bis 2,25% dem von den Währungshütern als neutral angesehenen Niveau nähere. Dieses sehe die Mehrheit der FOMC-Mitglieder unverändert bei knapp 3%. Zinsanhebungen über dieses Niveau hinaus würden nach den Vorstellungen der Notenbank dämpfend auf die Konjunktur wirken.

FED-Präsident Jerome Powell habe auf der Pressekonferenz aber betont, der Wegfall des besagten Satzes bedeute nicht, dass der Leitzinssatz nicht weiter steigen werde. Er habe zudem gesagt, der Leitzins wirke weiter akkommodierend, und habe mehrfach auf die Leitzinspfadprojektion verwiesen, die weitere Zinsanhebungen in Aussicht stellen würden. Diese Leitzinsprojektionen würden beispielsweise zeigen, dass zwölf der 16 FOMC-Mitglieder einen weiteren Zinsschritt im Dezember für angemessen halten würden. Powell habe auch gesagt, es sei sehr gut möglich, dass der Leitzins am Ende über das neutrale Niveau angehoben werden müsse.

Erwähnenswert mit Blick auf die Projektionen seien die erstmals veröffentlichten Zahlen für 2021. Diesen zufolge solle das reale Bruttoinlandsprodukt um 1,8% zulegen, die Arbeitslosenquote bei 3,7% und die Inflationsrate (PCE Deflator) bei 2,0% p.a. liegen. Die Projektionen enthalten in unseren Augen damit zwei logisch kaum aufzuklärende Annahmen, so die Analysten der RBI. Zum einen solle die Arbeitslosenquote von zuletzt 3,9% in den nächsten zwei Jahren in Summe nur noch um 0,4 Prozentpunkte sinken, obwohl die Wirtschaft über den gesamten Zeitraum teils deutlich über Potenzial wachsen solle. 2021 solle die Arbeitslosenquote sogar steigen, obwohl das reale Bruttoinlandsprodukt entsprechend des von der FED unterstellten Potenzials wachsen solle. Unserer Meinung nach wird die Arbeitslosenquote bis Ende 2019 deutlich stärker sinken als von den Währungshütern unterstellt, so die Analysten der RBI.

Auch mit Blick auf die Inflationsentwicklung seien die Analysten skeptisch, ob sich diese tatsächlich so "freundlich" gestalten werde wie von den FOMC-Mitgliedern unterstellt. Es erscheine den Analysten nicht sehr einleuchtend, dass die Inflationsrate angesichts eines dauerhaft überausgelasteten Arbeitsmarktes quasi wie festgenagelt am Zielwert der FED verharren werde.

Angesichts der aktuellen Arbeitsmarktsituation - Arbeitslosenquote nur noch knapp über einem 50 Jahrestief, Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf niedrigstem Stand seit 1969 - dürfte der Lohndruck in den nächsten Monaten weiter zunehmen. Die Inflationsrate bleibt erhöht, sodass wir einen weiteren Zinsschritt im Dezember als äußerst wahrscheinlich ansehen, so die Analysten der RBI. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen dürfte daher über der Marke von 3% verharren und bis Jahresende tendenziell weiter leicht steigen. (27.09.2018/alc/a/a)