FED hebt Leitzinsspanne um 0,25 Prozentpunkte an und signalisiert weitere Zinsschritte


14.06.18 08:00
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Wie erwartet hob die US-Notenbank die Leitzinsspanne um 0,25 Prozentpunkte auf 1,75% bis 2,00% an, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Der gestrige Beschluss sei einstimmig gefallen. Die begleitende Stellungnahme zur Zinsentscheidung unterscheide sich deutlich von derjenigen von Anfang Mai. So sei der Absatz, in dem seit Jahren darauf hingewiesen worden sei, der Leitzins werde wahrscheinlich für einige Zeit unter dem langfristig als angemessen zu sehenden Niveau liegen, gestrichen worden. Mit Blick auf die Konjunktur würden sich die Währungshüter zuversichtlicher als noch im Mai geben. Die Risiken für den kurzfristigen Konjunkturausblick würden dagegen unverändert als annähernd ausgeglichen charakterisiert.

Mit der gestrigen Zinsentscheidung habe die FED endgültig den Nachrezessionsmodus verlassen. FED-Präsident Jerome Powell habe auf der Pressekonferenz mehrfach gesagt, die Konjunktur entwickle sich sehr stark, der Arbeitsmarkt sei in einer starken Verfassung und die Inflationsrate habe den Zielwert der Notenbank quasi erreicht bzw. werde diesen nun sogar vorübergehend überschießen. In der Stellungnahme finde sich zudem kein Hinweis mehr darauf, dass ein niedriger Leitzinssatz noch für einige Zeit angemessen sei. Erwähnenswert mit Blick auf die Projektionen sei zum einen die erneute Absenkung der erwarteten Arbeitslosenquote, die mit 3,5% Ende 2019 nun schon einen vollen Prozentpunkt unter dem als neutral angesehenen Wert liegen solle.

Zudem werde die Inflationsrate gemessen am Deflator des privaten Konsums bis Ende 2020 nun knapp oberhalb des 2% Ziels der Notenbank gesehen. Die logische Folge sei gewesen, dass die Mitglieder des geldpolitischen Komitees wie von ihm erwartet nun mehrheitlich mit vier statt drei Zinsschritten im laufenden Jahr rechnen würden. Das heiße, je ein weiterer Zinsschritt im September sowie im Dezember sei nun als sehr wahrscheinlich anzusehen. Für 2019 würden unverändert drei Zinsschritte als angemessen gesehen. Da das anvisierte Endniveau dieser Zinsanhebungsphase unverändert bei 3,5% gesehen werde, werde für 2020 nun nur noch ein Zinsschritt erwartet.

Die Analysten würden die Einschätzung der FED hinsichtlich des positiven Konjunktur-und Arbeitsmarktausblicks für das laufende und das nächste Jahr teilen. Mit Blick auf die Inflationsentwicklung seien sie aber skeptisch, ob sich diese tatsächlich so "freundlich" gestalten werde. Es erscheine nicht sehr einleuchtend, dass die Inflationsrate nach dem in den nächsten Monaten zu erwartenden Überschießen des 2% Ziels wieder auf den Zielwert zurückkehre, bei einer gleichzeitig weiter überhitzenden Konjunktur bzw. einer weiter sinkenden Arbeitslosenquote.

FED-Präsident Jerome Powell habe gestern auch angekündigt, dass es ab Januar 2019 im Anschluss an jede der sechswöchentlichen Zinssitzungen eine Pressekonferenz geben werde. Bisher sei das nur bei der Vorstellung der neuen Projektionen im März, Juni, September und Dezember der Fall gewesen.

US-Staatsanleihen hätten kaum auf die Zinsentscheidung reagiert, die Rendite zwei- wie zehnjähriger Papiere habe um 2 Basispunkte zugelegt. Der Dollar habe zum Euro anfänglich zwar leicht gewonnen, habe die Gewinnen allerdings rasch wieder abgegeben.

Die Analysten würden davon ausgehen, dass der von ihnen erwartete weitere Anstieg der Inflationsrate in den nächsten Monaten sowie eine äußerst solide Arbeitsmarktentwicklung zu einem weiteren Renditeanstieg sowohl am kurzen als auch am langen Ende führen werde. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen dürfte die Marke von 3% in absehbarer Zeit nachhaltig überschreiten. (Ausgabe vom 13.06.2018) (14.06.2018/alc/a/a)