FED hebt Leitzins an und signalisiert langsamere Gangart im Jahr 2019


20.12.18 11:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - US-Staatsanleihen reagierten am langen Ende mit leichten Gewinnen auf die FED-Zinsentscheidung, die Rendite 10-jähriger Papiere ging um 6 Basispunkte zurück, berichten die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Am kurzen Ende sei es dagegen nicht zu einem Renditerückgang gekommen, weshalb sich der Spread 10J-2J weiter eingeengt habe und nun nur noch 10 Basispunkte betrage. Der Dollar habe zum Euro an Wert gewonnen und um 0,5 Cent auf EUR/USD 1,138 zugelegt.

Wie erwartet habe die US-Notenbank die Leitzinsspanne um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25% bis 2,50% angehoben. Der gestrige Beschluss sei einstimmig gefallen. Die begleitende Stellungnahme zur Zinsentscheidung unterscheide sich nur in einem Punkt nennenswert von derjenigen von Anfang November. So sei der Satz, demzufolge die Risiken für den kurzfristigen Konjunkturausblick als annähernd ausgeglichen charakterisiert würden, ergänzt worden. Die Währungshüter würden nun hervorheben, dass sie mögliche (negative) Auswirkungen der globalen Konjunkturentwicklung sowie der Entwicklung an den Finanzmärkten genau beobachten würden.

Die gestrige Zinsentscheidung lieferte einige Details, die die Analysten der Raiffeisen Bank International AG so nicht erwartet hatten, in anderen Dingen wurden ihre Erwartungen dagegen bestätigt. Wie von ihnen im Vorfeld prognostiziert habe die FED nicht erklärt, der Leitzins habe nun das neutrale Niveau erreicht. Vielmehr habe FED-Präsident Jerome Powell gesagt, der Leitzins habe nun das unterste Ende der Bandbreite erreicht, in der nach Meinung der FOMC-Mitglieder der neutrale Leitzinssatz vermutlich liege. Sprich, die große Mehrheit der Währungshüter halte ein neutrales Zinsniveau noch nicht für erreicht und sehe daher weitere Zinsanhebungen als angemessen an. Auch habe Powell keinerlei Andeutungen gemacht, das FOMC habe vor, vor der nächsten Zinsanhebung eine längere Pause einzulegen. Stattdessen habe er betont, weitere Zinsschritte hingen stark von eingehenden Konjunkturdaten ab. Diese dürften nach Einschätzung der Analysten aber gerade im ersten Quartal 2019 noch sehr solide ausfallen. Einen Zinsschritt im März halten die Analysten der Raiffeisen Bank International AG damit weiter für wahrscheinlich.

Da ab dem nächsten Jahr jede Zinsentscheidung von einer Presskonferenz begleitet sein werde, gewinne die FED aber etwas an Flexibilität. Theoretisch könnte eine Zinsanhebung auch im April erfolgen. Die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Zinsschrittes im Juni oder Juli sehen die Analysten der Raiffeisen Bank International AG zwar weiter bei über 50%, allerdings hat sie mit der gestrigen Entscheidung etwas abgenommen. Zum einen wegen der von ihnen nicht vorhergesehenen Abflachung des erwarteten Leitzinspfades - die Mehrheit der FOMC-Mitglieder halte 2019 nun noch zwei statt wie bisher drei Zinsschritte für angemessen - sowie zum anderen wegen der überraschend kritischen Einschätzung der konjunkturellen Perspektiven. Laut Powell werde für 2019 von den meisten Währungshütern zwar weiter ein sehr solider Zuwachs der Wirtschaftsleistung erwartet, verglichen mit September hätten die wahrgenommenen Risiken in Form einer nachlassenden globalen konjunkturellen Dynamik sowie der leicht verschärften Finanzmarktbedingungen allerdings zugenommen. Dies spiegele sich in der für das vierte Quartal 2019 erwarteten Vorjahresveränderung des realen Bruttoinlandsproduktes wider, die von 2,5% auf 2,3% gesenkt worden sei.

Für äußerst unwahrscheinlich halten die Analysten der Raiffeisen Bank International AG die in den Leitzinsprojektionen ausgewiesene Leitzinsanhebung im Jahr 2020. Sie seien fest davon überzeugt, dass sich die konjunkturelle Dynamik 2020 stark abkühlen werde und die FED den Leitzinsgipfel daher 2019 erreichen werde. 2020 würden die Analysten dagegen Leitzinssenkungen als wahrscheinlich ansehen. Erwähnenswert mit Blick auf die Konjunkturprognosen der FOMC-Mitglieder sei der erwartete Anstieg der Arbeitslosenquote von 3,5% Ende 2019 auf 3,8% Ende 2021. Dieser solle erfolgen, obwohl das Wirtschaftswachstum über den gesamten Zeitraum über bzw. auf Potenzial liegen solle. Zum einen sei dies unlogisch, zum anderen sei es zu einem Anstieg der Arbeitslosenquote um 0,3 Prozentpunkte (und darüber hinaus) in den letzten 60 Jahren quasi ausschließlich im Zuge einer Rezession gekommen.

Angesichts der aktuellen Arbeitsmarktsituation - Arbeitslosenquote und Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe nahe eines 50 Jahrestiefs - dürfte der Lohndruck in den nächsten Monaten weiter zunehmen. Der unterliegende Preisdruck dürfte damit steigen, auch wenn er kurzfristig durch den zuletzt scharfen Ölpreisrückgang überlagert werden sollte. Auch andere hochfrequente Konjunkturdaten dürften in den nächsten Monaten in Summe noch solide ausfallen. Vor diesem Hintergrund und unter der Annahme einer Stabilisierung an den Aktienmärkten sehen die Analysten der Raiffeisen Bank International AG die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen in den nächsten Monaten wieder über der Marke von 3%. (20.12.2018/alc/a/a)