FED erhöht den Leitzins - Aber nach der FED ist vor der EZB!


14.06.18 10:10
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die US-Notenbank trug zunehmenden Inflationserwartungen sowie guten Konjunkturperspektiven Rechnung und erhöhte den Leitzins auf eine Zielspanne von jetzt 1,75% bis 2%, berichten die Analysten der Helaba.

Schwerer habe jedoch die Tatsache gewogen, dass der Rat seine Zinsprognosen angehoben habe und damit auf einen steileren Zinspfad eingeschwenkt sei. In diesem Jahr müsse jetzt noch mit zwei weiteren Zinsschritten gerechnet werden. Das personell veränderte Gremium, in dem John Williams die "Taube" William Dudley beerbe und in dem mit dem FED-Vize Richard Clarida ein weiterer "Hardliner" sitze, werde auch im kommenden Jahr stärker als bisher angenommen an der Zinsschraube drehen. FED-Präsident Powell habe gesagt, die Handelspolitik bereite zunehmende Sorgen in der Wirtschaft, hinterlasse derzeit aber noch keine Spuren bei den Daten.

Nach der FED sei vor der EZB. Für Mario Draghi sei die Ausgangslage ausgesprochen schwierig. Neben der konjunkturellen Abkühlung müsse zu aller erst die Krise nach der Regierungsbildung in Italien ins Kalkül gezogen werden. Obwohl viele Ratsmitglieder den Beginn von Diskussionen über ein Ende der Anleihekäufe angekündigt hätten und sich die Rhetorik im Vorfeld merklich verschärft habe, sei er gut beraten, seine Worte in der Pressekonferenz mit Bedacht zu wählen. Eine Änderung der Leitzinsen stehe eh vor Mitte 2019 nicht zur Debatte, die Wertpapierkäufe im Volumen von 30 Mrd. Euro pro Monat würden noch bis mindestens Ende September 2018 laufen.

Die Renditen für Bundesanleihen hätten sich im Vorfeld von FOMC und EZB kaum von der Stelle bewegt. Die Aufstockung der 10-jährigen Bundesanleihe um 2 Mrd. Euro sei angesichts geringer Gebote von nur 1,66 Mrd. Euro enttäuschend verlaufen. Die Zinsstruktur zwischen 10- und 30-jährigen Bundesanleihen habe sich geringfügig auf 70 BP ausgeweitet. 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,84%) und Belgien (0,84%) hätten gegen Bunds gut zwei BP aufgeholt.

Anleihen der EU-Peripherie hätten sich nach Abschluss der Primärtransaktionen in guter Verfassung präsentiert. Nur SPGBs hätten nicht ganz Schritt halten können. Der Emissionsbetrag in Italien habe mit 5,63 Mrd. Euro nahezu den oberen Rand der anvisierten Spanne erreicht. Sehr gute Nachfrage in 3-jährigen Titel, durchschnittliches Interesse im mittleren Segment sowie eine solide Orderlage in ultralangen Laufzeiten hätten gleichermaßen zum Erfolg der Versteigerung beigetragen. Portugal habe bei der Versteigerung von zusammen 1 Mrd. Euro von Fälligkeiten am Freitag profitiert. Der 2,7fache Nachfrageüberhang für 5-jährige (412 Mio. Euro) und 1,4 Mrd. Zeichnungen für die lange Laufzeit (588 Mio. Euro) hätten eine problemlose Platzierung erlaubt. Der Risikoabstand 10-jähriger italienischer (2,78%), spanischer (1,40%) und portugiesischer Bonds (1,93%) hätten sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 8, 3 bzw. 5 BP ermäßigt.

Am US-Bondmarkt hätten sich die Renditen nach dem Zinsentscheid in unterschiedliche Richtungen bewegt. Während das kurze Ende unter der Ankündigung schnellerer Zinsschritte gelitten habe, hätten die Kurse langer Laufzeiten nach der Zinserhöhung zugelegt. Die US-Erzeugerpreise (0,5%/3,1%; Kernrate 0,3%/ 2,4%) hätten im Vorfeld keinerlei Entspannungssignale an der Preisfront geliefert. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe sich auf 25 BP ermäßigt. In Fernost würden US-Treasuries angesichts überwiegend schwächerer Vorgaben der asiatischen Aktienbörsen gut behauptet tendieren.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (159,80) habe 5 Stellen verloren, Bobl (131,04) und Schatz (111,90) seien 3 bzw. 1,5 Ticks niedriger aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,48% gefallen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 107 BP verringert. 10-jährige US-Treasuries würden 2 BP niedriger bei 2,95% rentieren. Der Euro klettere auf 1,181 USD, der Preis für das Barrel Öl steige auf 66,6 USD.

An der Datenfront richte sich der Blick in erster Linie auf die Vereinigten Staaten, wo Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (220K) und Einzelhandelsumsätze (0,4%; ex Autos 0,5%) veröffentlicht würden.

Vergleichszahlen aus Großbritannien (0,5%/2,4%) sowie endgültige Verbraucherpreise aus Deutschland (0,5%/2,2%) und Frankreich (0,4%/2%) würden den Datenkranz abrunden.

Am Primärmarkt seien in dieser Woche keine Transaktionen staatlicher europäischer Schuldner mehr geplant. CADES habe eine Anleihe mit Fälligkeit 25. Oktober 2023 im Volumen von 1 Mrd. Euro 14 BP über vergleichbaren OATs begeben. (14.06.2018/alc/a/a)