FED-Zinsanhebung war keine Überraschung


14.06.18 12:00
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Nach dem stärksten Anstieg der Kerninflationsrate in den USA seit sechs Jahren (2,2% ggü. VJ) war die gestrige geldpolitische Straffung alternativlos und stellte für keinen Marktteilnehmer eine Überraschung dar, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Bereits seit vielen Wochen habe die jetzt beschlossene Anhebung des Zielbands der FED-Fund-Rate um 25 Basispunkte (BP) auf 1,75% bis 2,00% als beschlossene Sache gegolten und es sei nur noch darüber diskutiert worden, ob in den verbleibenden Monaten bis zum Jahresultimo noch eine oder sogar zwei weitere Zinserhöhungen beschlossen würden.

Die Spekulation hierüber sei allerdings obsolet, denn im Ausblick hätten die FED-Vertreter noch zwei weitere Zinserhöhungen in 2018 signalisiert. Damit habe Jerome Powell auf die anhaltend guten Wirtschaftsdaten in den USA reagiert, welche u.a. auf die Steuerreform der US-Regierung zurückzuführen sei. Vor diesem Hintergrund sei es auch nicht verwunderlich, dass die "forward guidance" angepasst worden sei. Denn die Aussage, dass der Zins noch einige Zeit unter neutralem Niveau bleiben werde, sei in diesem wirtschaftlichen Umfeld nicht mehr vertretbar.

Interessant werde in diesem Zusammenhang allerdings sein, wie die chinesische Notenbank (PBOC) auf das höchste Niveau bei den US-Leitzinsen seit zehn Jahren reagieren werde. In der Vergangenheit sei oftmals auf einen solchen Zinsschritt mit einer marginalen Erhöhung bei den Offenmarktgeschäften reagiert worden. Jedoch sei dies kein immerwährender Automatismus, da die Zinsen in China mit ca. 3,65% für zehnjährige Bonds schon ein etwas höheres Level erreicht hätten. Und so sei es auch zu begründen, dass die Anpassung aus China heute Morgen ausgefallen sei. Des Weiteren sei man bei der Bank of Japan (BoJ), wo morgen über die weitere geldpolitische Entwicklung diskutiert werde, davon überzeugt, die Grundausrichtung nicht verändern zu müssen. Somit werde vermutlich in der Woche der Notenbanken lediglich eine von vier Zentralbanken an der Zinsschraube gedreht haben.

Behalte Christian Lips Recht? Der Chefökonom der NordLB meine, der 14. Juni könnte ein historisches Datum markieren. Dann nämlich, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) an diesem Tag die entscheidende Weiche in Richtung Zinswende stelle. Sicher könne man davon ausgehen, dass der EZB-Rat bei seiner Sitzung in Riga die Debatte über das Ende der zunächst bis September terminierten Anleihekäufe beginnen werde. Ob aber bereits ein Konsens gefunden werde, dürfe wegen der aktuellen Entwicklungen insbesondere in Italien zumindest mal infrage gestellt werden.

Die EZB sei jedenfalls erneut in eine Zwickmühle geraten. Da sei zum einen eine florierende Konjunktur in Euroland, was für eine Zinserhöhung und eine Straffung der Geldpolitik spreche. Da sei zum anderen aber die instabile Situation in Italien, von dessen Regierung man nicht wisse, welchen Kurs sie mit Blick auf den Euro und die Verschuldung fahren werde. Schließlich sei dort eine Links-Rechts-Regierung aus Fünf Sterne-Bewegung und Lega gewählt worden, die höhere Staatsausgaben und Steuersenkungen verspreche. Letzteres könnte EZB-Präsident Mario Draghi dazu bewegen, nochmals auf Zeit zu spielen und eine Entscheidung über ein Ende der Ankäufe von Staatsanleihen weiter hinauszuzögern.

Aber nicht von ungefähr hätten zahlreiche Notenbanker in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder darauf gedrängt, den Einstieg in den Ausstieg zu wagen. Schließlich laufe die EZB Gefahr zum dominanten Gläubiger der Euroländer zu werden, habe sie doch bereits Staatsanleihen für 2 Bill. Euro in ihren Büchern.

Man erinnere sich an jene historischen Wörter von Mario Draghi, als er 2012 in seiner Rede versprochen habe, den Euro zu retten - koste es, was es wolle ("Whatever it takes"). Diese Aussage habe damals als unbeschränkte Beistandsgarantie für Länder gegolten, gegen die spekuliert worden sei. In der Folge habe die EZB den Ankauf von Staatsanleihen (QE = Quantitative Easing) auf den Weg gebracht, der bis heute anhalte. Doch inwieweit könne die Beistandsgarantie auch für Italien gelten? Natürlich wisse auch Draghi, dass die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone nicht mit Griechenland vergleichbar sei. Umso schwerer würde ein "Whatever it takes" für sein Heimatland wiegen.

In Italien wisse man genau, was gemeint sei, wenn von Spreads oder Risikoaufschlägen für Staatsanleihen die Rede sei. Selbst in populären Zeitungen würden diese aufmerksam verfolgt. Dieser Wert, der in Basispunkten (BP) angegeben werde, beschreibe den Aufschlag, den das Land als Schuldner seinen Gläubigern mehr bezahlen müsse, als es die Bundesrepublik Deutschland als bester Schuldner der EU tun müsse. Damit sei der Spread eine Indikation für die Kreditwürdigkeit, die man einem Schuldner beimesse.

Nachdem sich die Euro-kritische Regierungsallianz in Rom gefunden habe, sei die Rendite für zehnjährige italienische Staatsanleihen auf bis zu 3,40% nach oben gesprungen - auf den höchsten Stand seit über drei Jahren. Wenn man so wolle, sei das für Rom der "Wink mit dem Zaunpfahl" durch die Kapitalmärkte gewesen. Als Reaktion habe Wirtschaftsminister Giovanni Tria versichert, die Koalition werde das Wachstum durch Investitionen und Strukturreformen ankurbeln, und nicht durch eine Erhöhung der Schulden. Auch von einem Euro-Ausstieg habe man plötzlich wieder Abstand genommen. Dies habe die Märkte beruhigen können, prompt seien die Spreads wieder zurückgegangen. Bei einer Rendite von aktuell rund 2,83% würden italienische Staatsanleihen einen Spread gegenüber Bundesanleihen von 235 BP aufweisen. Die disziplinierende Funktion der Märkte habe zunächst also gewirkt. Zwischendurch seien die Spreads sogar noch etwas enger zusammengegangen, nachdem Italiens umstrittener Europa-Minister Paolo Savona eine Kehrtwende mit Blick auf den Euro hingelegt habe. Er, der eigentlich mal aus dem Euro habe aussteigen wollen und sich deutschfeindlich geäußert habe, habe nun plötzlich am Mittwoch die Gemeinschaftswährung als unverzichtbar gepriesen und sei voll des Lobes für Deutschland gewesen.

Die Erleichterung am Anleihenmarkt stehe allerdings auf dünnem Eis. Denn eine Verschuldung von 132% des BIPs kombiniert mit einer populistischen Regierung biete genügend Grund zur Skepsis. Dies werde auch durch den Umstand deutlich, dass zu Zeiten der Regierungsbildung sowohl Bürger als auch Unternehmen rund 1 Mrd. Euro pro Tag ins sichere Ausland gebracht hätten, wie die "Süddeutsche" berichtet habe.

Diese Kapitalflucht nach Deutschland trage zu einem Anstieg der sogenannten Target-2-Salden bei, welche die Geldströme im europäischen Zahlungsverkehrssystem widerspiegeln würden. So stelle die Deutsche Bundesbank fest, dass ihre Guthaben im Target-2-System im Mai um 50 auf 956 Mrd. Euro gestiegen seien. Damit würden die Forderungen der deutschen Notenbank an die Europartner ihren bisher höchsten Stand erreichen. Umgekehrt stehe die italienische Notenbank mit dem Rekordwert von 456 Mrd. Euro in der Kreide - Tendenz steigend. Target-2 stelle ein Verrechnungssystem dar, über das sich die Europartner untereinander unverzinslich mit Kapital aushelfen würden. Innerhalb des Systems bilde sich dann ein Negativsaldo, wenn ein Mitgliedsland dauerhaft mehr in einem anderen kaufe oder investiere. Umgekehrt entstünden Positivsalden.

Solange Italien Mitglied der Euro-Zone bleibe, seien auch die Target-2-Guthaben der Bundesbank prinzipiell kein Problem. Kritisch werde es aber, sollte Rom der Euro-Zone den Rücken kehren wollen. Dann bliebe die Bundesbank auf ihren Forderungen sitzen - und der Steuerzahler wäre der Gelackmeierte. Daher würden die Märkte auch weiterhin die Risikoaufschläge für Staatsanleihen genau im Auge behalten.

Noch am Vortag habe man für Theresa May ein Desaster erwartet. Nun habe die Angst vor einer schwachen Regierung dafür gesorgt, dass die britische Premierministerin noch einmal davongekommen sei. So habe das Parlament in London mit knapper Mehrheit darauf verzichtet, die Kontrolle über die künftigen Brexit-Verhandlungen an sich zu reißen. Um ausreichend proeuropäische Abgeordnete aus der eigenen Fraktion auf ihre Linie zu bringen, habe May offenbar zugestehen müssen, wesentliche Forderungen der Tory-Rebellen in einer späteren Phase des Gesetzgebungsverfahrens zu berücksichtigen.

Wäre dem Änderungsantrag zur Withdrawal Bill stattgegeben worden, hätte es den Abgeordneten mehr Einfluss auf den Verlauf des EU-Austritts gegeben. May hätte sich dann das EU-Austrittsgesetz vom Parlament bis 30. November absegnen lassen müssen. Bei einer Ablehnung hätten dann die Abgeordneten die Regierung sogar auffordern können, erneut mit Brüssel zu verhandeln.

Der Gesetzentwurf über das EU-Austrittsgesetz werde derzeit im Ping-Pong-Spiel so lange zwischen Oberhaus und Unterhaus hin und her geschoben, bis sich beide Häuser auf einen gemeinsamen Wortlaut einigen könnten. Schon am kommenden Montag, wenn der Gesetzentwurf wieder im Oberhaus liege, werde man sehen, ob May mit ihren Zugeständnissen Wort halte. Damit sei rund zehn Tage vor dem EU-Ratsgipfel noch nicht erkennbar, wie man das Grenzproblem zu Nordirland lösen könne.

Doch nicht nur hier räche sich die verspielte Zeit. Insbesondere Unternehmen könnten nicht nachvollziehen, dass sie zwei Jahre nach dem Brexit-Votum immer noch keine Klarheit darüber hätten, wie das künftige Verhältnis zur EU aussehen solle. Die Frustration in seiner Branche nehme täglich zu, klage ein Vertreter der Transportindustrie. Da viele Unternehmen es ohnehin nicht mehr schaffen würden, sich bis zum Austrittstermin am 29. März 2019 entsprechend vorzubereiten, würden sie ihre Notfallpläne aus der Schublade holen. Für den Hafen in Dover möge aber selbst das nicht viel nützen. Denn dort befürchte man Rückstaus bei der Abfertigung und Zollkontrolle von LKWs von 30 Kilometern Länge.

Nicht von ungefähr habe inzwischen Paris London als Europas führendes Ziel für Direktinvestitionen abgelöst. Wie eine Studie der Wirtschaftsberatung von Ernst & Young (EY) ergeben habe, sei dies eine Folge des geplanten EU-Austritts und der Wirtschaftsreformen von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zur Liberalisierung des französischen Arbeitsmarktes. Paris liege demnach erstmals in den Befragungen vor London. Berlin sei in dem Ranking auf Platz drei gekommen, Frankfurt folge an vierter Stelle.

Manchmal sei es für die Beurteilung von Situationen gut, die Sichtweise zu wechseln. Dies habe Zhang Zhiwei, seines Zeichens China-Chefanalyst bei der Deutschen Bank, getan. Er und seine Kollegen würden die Existenz des Handelsdefizits anzweifeln, mit dem D. T., der Unberechenbare, seinen Wirtschaftskrieg rechtfertige. Bekanntlich begründe der US-Präsident seine Strafzölle ja mit einem "unfairen System", in dessen Rahmen die Amerikaner jährlich 550 Mrd. USD Verlust machen würden. Dass ein solches Handelsdefizit nach gängiger Rechnung bestehe, würden laut "Bloomberg" die Analysten der Deutschen Bank gar nicht in Abrede stellen. Sie würden aber den Sinn der angewandten Rechnung bezweifeln.

Denn wenn man auch die Werte der Waren mit berechne, die US-Unternehmen im Ausland verkaufen würden, ergebe sich nach der Studie kein Defizit, sondern ein Überschuss von satten 1,4 Bill. USD. Dies ergebe sich laut Deutscher Bank aus einem "aggregierten Umsatzüberschuss", der sowohl direkten Handel als auch die Umsätze multinationaler Unternehmen einbeziehe. Handels- und Unternehmensdaten würden normalerweise nicht kombiniert. Aber wenn man alle Handelsdaten, Umsätze von US-Unternehmen in anderen Ländern und ausländischen Gesellschaften in den USA zusammenzähle, hätten US-Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren laut Zhiwei mehr in den Rest der Welt verkauft, als andere Länder in die USA verkauft hätten.

Am Beispiel von iPhones habe er klar gemacht, um was es gehe. Da diese nicht als Ausfuhren in die Statistik einfließen würden, weil sie von chinesischen Tochterfirmen durchgeführt würden, ergebe sich ein schräges Bild. Denn in der Tat hätten die USA in China mehr iPhones verkauft als im eigenen Land. Dies habe laut Zhiwei zu einem Überschuss der USA von 20 Mrd. Euro gegenüber China beigetragen.

Diese Rechnung, bei der Deutschland gegenüber den USA weiterhin einen Überschuss halte, lasse zumindest neu nachdenken. Ob es der Mann im Oval Office tue, würden die Analysten bezweifeln. Brad Setser, ein ehemaliger Mitarbeiter im US-Finanzministerium, habe schon mal zu "Bloomberg" gesagt, er halte nichts von diesem Ansatz. Eine solche Rechnung sei nicht vergleichbar und schaffe mehr Probleme, als sie löse…

Ab heute Abend würden viele Investoren für die nächsten vier Wochen nicht nur auf die Neuemissionen von Unternehmensanleihen schauen, sondern würden gespannt die Geschicke der einzelnen Nationen bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland verfolgen. Zunächst dürfe der Blick aber noch auf vier neue Bonds, die von Valeo, ManpowerGroup, Interxion und OMV AG in dieser Woche erfolgreich am Kapitalmarkt platziert worden seien, gerichtet werden. Dabei hätten sich alle Unternehmen für die bei Privatanlegern als "Kindersicherung" bezeichnete Mindeststückelung von 100.000 Euro entschieden und würden damit vornehmlich institutionelle Investoren ansprechen.

So habe Valeo, ein börsennotierter französischer Automobilzulieferer mit Sitz in Paris, eine 600 Mio. Euro schwere Emission begeben. Das siebenjährige Papier (ISIN FR0013342334 / WKN A1919B) werde am 18.06.2025 fällig und zahle den Investoren jährlich 1,5% Zinsen. Der Emissionspreis habe bei 99,644% gelegen, was einem Spread von +87 BP über Mid Swap entsprochen habe. Die Anleihe sei drei Monate vor Endfälligkeit ab dem 18.03.2025 jederzeit zu 100% kündbar. Ebenfalls habe sich der Emittent eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen schreiben lassen.

Einer der drei größten Personaldienstleister der Welt ManpowerGroup habe ebenfalls erfolgreich 500 Mio. Euro bis zum 22.06.2026 am Kapitalmarkt aufnehmen können. Das Unternehmen habe die Anleihe (ISIN XS1839680680 / WKN A19193) mit einem Zinssatz von 1,75% ausgestattet und das Papier zu 99,564% (+100 BP über Mid Swap) begeben. Das Wertpapier besitze neben einer Make Whole Option ein ab dem 22.03.2026 jederzeit zu 100% auszuübendes Kündigungsrecht.

1 Mrd. Euro habe Interxion am Markt für Corporate Bonds eingesammelt. Der Bond (ISIN XS1838072426 / WKN A19164) des niederländischen Anbieters für Cloud- und neutrale Rechenzentrumsdienstleistungen laufe bis zum 15.06.2025 und habe einen jährlichen Kupon in Höhe von 4,75%, der jeweils im Juni und Dezember eines jeden Jahres zur Auszahlung komme. Der Reoffer habe bei pari gelegen, was einem Emissionsspread von +463 BP über Bund bedeutet habe. Neben einer Make Whole Option sei der Bond mit drei optionalen Kündigungsterminen ab dem 15.06.2021 zu 102,375%, ab dem 15.06.2022 zu 101,188% und ab dem 15.06.2023 jederzeit zu 100% ausgestattet.

Abschließend für diese Berichtswoche habe der österreichische Konzern OMV AG einen Perpetual Bond begeben. Das international tätige Öl- und Gasunternehmen mit Sitz in Wien habe einen Fix-to-Float Bond (ISIN XS1839540678 / WKN A1919E) mit einem Emissionsvolumen von 500 Mio. Euro aufgelegt. Das Unternehmen zahle für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt bis zum 19.06.2024 einen festen Zins in Höhe von 2,875% p.a. an die Gläubiger. Im Anschluss richte sich der Zinssatz jeweils nach dem Fünf-Jahres-Swap. Bis zum 19.06.2029 gebe es einen Aufschlag auf den Swap in Höhe von +2,335 PP und fortan betrage der Aufschlag +3,335 PP. Die Anleihe sei jeweils am 19.03.2024, 19.06.2024 und am 19.06.2029 zu 100% sowie ab dem 19.06.2030 jeweils zum Zinstermin eines jeden Jahres ebenfalls zu 100% kündbar. Der Emissionspreis habe sich auf pari (+286,7 BP über Bund) belaufen.

Nachdem die Unterstützungslinie bei ca. 159,35% gehalten habe, habe es das Rentenbarometer zumindest geschafft, sich in den Bereich der psychologisch wichtigen Marke von 160% vorzuarbeiten. Jedoch hätten sich die Handelsaktivitäten nach dem Roll-Over und aufgrund diverser politischer Großereignisse in sehr engen Grenzen gehalten. Habe man zuerst auf das "G6+1"-Treffen gewartet, so sei anschließend das Treffen von "Kim und Donald" in den Fokus der Marktakteure gerückt und nun müssten die Zinsbeschlüsse der großen Notenbanken noch berücksichtigt werden.

In diesem Zusammenhang stelle sich allerdings immer mehr die Frage, ob es angesichts der neuerlichen Zinsanhebung in den USA und der "America-Only"-Politik von D.T., dem Unberechenbaren, zu Gewinnmitnahmen an den Aktienmärkten kommen werde. Dies wiederum könnte zumindest kurzfristig auch dem Euro-Bund-Future Auftrieb geben und zu Umschichtungen in den "Sicheren Hafen" führen. Es könne aber auch ganz anders kommen!

Somit sei der alte Werbeslogan von Toyota wieder verwendbar und um wenigstens vor Überraschungen etwas gefeit zu sein, lohne sich ein Blick auf die Charttechnik. Die doppelte Bodenbildung bei ca. 159,35% sei hierbei vorerst als untere Leitplanke anzusehen und oben verlaufe bei ca. 161,20% der erste, hartnäckige Widerstand.

Der von diesen Linien begrenzte Korridor werde vorerst die Heimat des Sorgenbarometers der Eurozone bleiben, das heute Morgen bei exakt 160% gestartet sei und aktuell bei 159,82% notiere, was einer Rendite der zehnjährigen Benchmark-Anleihe in Höhe von ca. 0,488% entspreche.

In dieser Handelswoche hätten in den USA interessierte Investoren wieder einmal aus dem Vollen schöpfen können. Neben Geldmarkttiteln im Volumen von 125 Mrd. USD hätten auch Bonds mit einer Fälligkeit in 2021, 2028 und 2048 für nominal 67 Mrd. USD zum Verkauf gestanden.

In der Eurozone hingegen habe man gespannt auf die Refinanzierungsbemühungen Italiens geblickt. Hierbei sei von besonderem Interesse gewesen, wie groß der Renditeaufschlag gegenüber der vorherigen Auktionen habe sein müssen, um die notwendigen Gelder aufnehmen zu können. Denn bereits die Geldmarktsätze, die inzwischen den höchsten Stand seit 2014 erreicht hätten, hätten wenig Gutes für die anstehenden Auktionen erwarten lassen. So sei die Rendite bei den dreijährigen Bonds von 0,07% auf 1,16%, bei den siebenjährigen von 1,34% auf 2,37% und nicht zuletzt bei den 30-jährigen Anleihen von 2,88% auf 3,54% deutlich gestiegen. Sollten die Konditionen auf diesem Niveau verharren, so wäre dies ein deutlicher Kostentreiber für die neuen Verantwortlichen und nur ein Vorgeschmack auf die Reaktion der Märkte, wenn die Zukunft im Euro und andere anti-europäische Themen nicht bereits im Vorfeld dieser Auktionen etwas entkräftet worden wären.

Jedoch auch andere Eurostaaten hätten neue Liquidität benötigt und so seien sowohl die Niederlande mit einer Anleihe (ISIN NL0012650469 / WKN A19QGZ/ 2024), als auch Finnland in der Gattung (ISIN FI4000148630 / WKN A1ZX60/ 2034) aktiv geworden. Den Abschluss der Emissionstätigkeit europäischer Staaten hätten am gestrigen Mittwoch neben Italien auch Portugal (ISIN PTOTEAOE0021 / WKN A0TWJE/ 2023; ISIN PTOTEVOE0018 / WKN A19UWV/ 2028) und die Bundesrepublik Deutschland (ISIN DE0001102440 / WKN 110244/ 2028) bildet. Bei diesem Tender seien seitens der Finanzagentur des Bundes insgesamt 2 Mrd. Euro angeboten worden und die Nachfrage habe sich in engen Grenzen gehalten. Denn lediglich für 1,665 Mrd. Euro seien Orders erteilt worden und davon seien 1,535 Mrd. Euro bei einer Durchschnittsrendite von 0,48% zugeteilt worden. Das neue Gesamtvolumen der Emission belaufe sich inzwischen auf 21 Mrd. Euro.

Die Kalenderwoche 24 dieses Jahres könnte einen Vermerk in den Geschichtsbüchern finden, denn sie habe wahrlich bislang einiges vorzuweisen gehabt. Beginnend mit dem G7-Eklat über das geschichtsträchtige Treffen zwischen den USA und Nordkorea sowie die geldpolitischen Sitzungen der FED, der Europäischen Zentralbank und der Bank of Japan sei die Woche gespickt mit Top-Ereignissen gewesen.

Die europäische Gemeinschaftswährung nehme dies alles bisweilen sehr gelassen hin und habe sich wenig beeindruckt gezeigt. So habe die Einheitswährung seit Wochenbeginn in einer relativ engen Tradingrange zwischen 1,1730 USD und 1,1821 USD gehandelt. Für etwas mehr Volatilität beim Währungspaar EUR/USD könnte die heutige EZB-Ratssitzung sorgen. Mit Spannung würden die Ausführungen von EZB-Chef Mario Draghi im Hinblick auf das künftige QE-Programm erwartet. Nach der FED-Zinserhöhung am gestrigen Mittwochabend und im Vorfeld der EZB-Sitzung handle der Euro heute Morgen bei 1,1815 USD.

Bei der heute Nachmittag beginnenden Fußballweltmeisterschaft in Russland zähle Brasilien zu den Top-Favoriten auf den Titel. Die eigene Landeswährung hingegen präsentiere sich derzeit nicht in einer guten Verfassung. So sei der Euro in den vergangenen Handelstagen zeitweise bis auf 4,6831 BRL gestiegen und habe damit so hoch wie zuletzt im September 2015 notiert. Auch im Vergleich zum US-Dollar sei der Brasilianische Real auf das niedrigste Niveau seit Januar 2016 gefallen. Inzwischen habe sich die Währung vom Zuckerhut allerdings infolge verschiedener Liquiditätsmaßnahmen durch die Notenbank - bei noch unverändertem Leitzins - wieder etwas erholen können. Zur Stunde handle der Euro bei 4,38 BRL.

In dieser Berichtswoche hätten Währungsanleihen lautend auf US-Dollar, Norwegische Kronen, Kanadische Dollar und vereinzelt auch Brasilianische Real sowie Mexikanische Peso im Fokus der Privatanleger gestanden.

Disclaimer:

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (14.06.2018/alc/a/a)





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