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FED-Sitzung: Sieben Zinsschritte in diesem Jahr möglich


28.01.22 12:14
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der Staatsanleihen sind nach der gestrigen FED-Pressekonferenz (26.01.) sichtbar gestiegen, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank.

Die zehnjährigen Bunds würden bei -0,05% rentieren, die korrespondierenden T-Notes bei 1,81%, während sich an den Aktienmärkten Nervosität bemerkbar gemacht habe.

Was habe die FED gemacht? Eigentlich nichts, sie habe den Leitzins unverändert gelassen und die Märkte darauf vorbereitet, dass im März der erste Zinsschritt erfolgen werde. Was die Märkte nervös mache, sei, dass Notenbankchef Jerome Powell nicht ausschließen wolle, dass möglicherweise bei jeder der kommenden Sitzungen ein Zinsschritt erfolgen könnte. Bei der letzten Sitzung im Dezember hätten die FED-Mitglieder noch drei Zinsschritte in diesem Jahr für angemessen gehalten, an den Märkten habe man bald vier Zinsschritte eingepreist und jetzt könnten es sogar sieben Zinsschritte werden.

Überhaupt sei Powell sehr optimistisch gewesen, was die derzeitige Situation der US-Konjunktur angehe. Der Arbeitsmarkt sei "sehr, sehr" robust, die Lohnerhöhungen seien sehr hoch und er gehe davon aus, dass eine weniger akkommodierende Geldpolitik keinen negativen Effekt auf den Arbeitsmarkt haben werde.

In Bezug auf Omikron habe sich Powell auf Experten berufen, die schon bald wieder stark fallende Infektionsraten vorhersehen würden, sodass danach wieder ein robustes Wachstum möglich sei. Powell habe außerdem immer wieder betont, dass die Situation heute eine ganz andere sei als 2015, als zuletzt ein Zinserhöhungszyklus eingeleitet worden sei. Damals habe die FED Ende 2015 den Leitzins einmal angehoben, dann erst ein Jahr später einen weiteren Zinsschritt durchgeführt, um im Jahr 2017 drei und 2018 schließlich viermal den Zins anzuheben.

In der Tat sei die Situation in dieser Zeit eine andere gewesen: Die Inflation sei niedrig gewesen und das Wachstum habe sich zwischen 1,5 und 2% bewegt. Aktuell liege die Teuerungsrate bei 7,1% und das BIP expandiere in diesem Jahr voraussichtglich mit einer Rate von 4%, deutlich über Potenzial. Dass man jetzt plane, schneller die geldpolitischen Zügel zu straffen, liege so gesehen auf der Hand.

Powell sei auch auf den geplanten Abbau der Bilanz eingegangen. Die Netto-Anleiheankäufe würden wie geplant im März auf null zurückgefahren. Irgendwann im Laufe des Jahres werde die FED beginnen, den Anleihebestand zu reduzieren. Auch das werde schneller gehen als beim letzten Mal im Jahr 2017 bis 2018. Damals sei die Bilanz innerhalb von anderthalb Jahren um etwa 260 Mrd. US-Dollar reduziert worden. Allerdings habe der Bestand an Anleihen wesentlich niedriger als heute bei etwa 4,5 Billionen US-Dollar gelegen, jetzt sei es fast der doppelte Betrag.

Außerdem habe Powell auf die kürzere Duration des Portfolios verwiesen, wodurch der natürliche Abbau des Anleihebestandes rascher vorangehen werde. Ein aktiver Abbau des Portfolios, also der Verkauf der Anleihen am Markt, sei offensichtlich nicht vorgesehen.

Interessant sei in diesem Zusammenhang auch gewesen, dass die Reduktion der Bilanz im Grunde genommen "im Hintergrund" passieren solle. Die Bilanz werde nicht mehr als geldpolitisches Instrument definiert, sondern es finde eine Rückkehr zu der alten Welt statt, als das wichtigste geldpolitische Instrument der Leitzins gewesen sei. Bei der nächsten Sitzung werde es erste Details geben, wie der Abbau erfolgen solle. Ziel sei es den Abbau transparent und vorhersehbar zu gestalten.

Auf den Russland-Ukraine Konflikt sei Powell so gut wie gar nicht eingegangen. Auf Risiken angesprochen, habe er lediglich von den "Dingen, die in Osteuropa passieren" gesprochen. Derweil werde die Kriegsgefahr zwischen Russland und Ukraine - soweit das irgendwie zu beurteilen sei - als etwas niedriger eingeschätzt. Gestern habe die USA ihre schriftliche Antwort auf den Forderungskatalog Russlands übergeben. Eine offizielle Antwort aus Moskau liege noch nicht vor. Positiv sei sicherlich, dass gestern ein erstes Treffen im Normandie-Format auf der Beraterebene stattgefunden habe, also unter Beteiligung von Ukraine, Russland, Deutschland und Frankreich.

Als ein weiterer Einflussfaktor für die Märkte könnte sich der heutige vierte Wahlgang für die Wahl des Staatspräsidenten in Italien erweisen, bei dem grundsätzlich der derzeitige Ministerpräsident Mario Draghi gewählt werden könnte. Dieses Szenario berge das Risiko, dass der Reformprozess in Italien ins Stocken gerate, weil es dann zu einer neuen Regierungsbildung kommen müsste.

In der nächsten Woche sei die EZB-Sitzung (03.02.), am Tag vorher das OPEC-Treffen. In China werde kommende Woche das Neujahrsfest gefeiert, was die Verbreitung von Omikron fördern werde und am Freitag (04.02.) würden schließlich in Peking die Olympischen Winterspiele beginnen.

Datenseitig würden die BIP-Zahlen für Frankreich, Spanien, Deutschland, Italien und die Eurozone für das vierte Quartal veröffentlicht (am 28.01. und am 31.01.), in den USA stünden die monatlichen Konsumausgaben auf der Agenda (28.01.) und am 01.02. sei auf die PMI-Einkaufsmanagerindices für Italien und Spanien zu achten (für Frankreich und Deutschland lägen die Schnellschätzungen bereits vor).

Das Highlight sei jedoch die Inflationsschnellschätzung für die Eurozone (02.02.). Die allgemeine Erwartung, die Inflation werde im Januar aufgrund auslaufender Sondereffekte zurückgehen, könnte enttäuscht werden. Wichtig sei schließlich noch der Arbeitsmarktbericht aus den USA. Jedoch: Selbst wenn dieser enttäuschen sollte, werde dies an den geplanten geldpolitischen Schritten im März nichts ändern, weil die FED die derzeitige Konjunkturschwäche lediglich als vorübergehend ansehe. (Ausgabe vom 27.01.2022) (28.01.2022/alc/a/a)