EZB: Die Tücken des billigen Geldes


08.06.18 12:30
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Für die Staatsregierungen ist die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) seit vielen Jahren ein Segen, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Und auch nach einem möglichen Ende der Anleihekaufprogramme sei mit einem Explodieren der Refinanzierungskosten noch nicht zu rechnen. Denn die Masse der bisher angekauften Wertpapiere und die Wiederanlage infolge von Fälligkeiten würden die Renditen in den betreffenden Segmenten weiterhin auf niedrigem Niveau verharren lassen. Das werde vielen Regierungschefs die notwendige Luft zum Atmen verschaffen, die jedoch in der Vergangenheit oftmals nicht oder zu wenig genutzt worden sei.

Das sei die eine Seite der Medaille und insbesondere Unternehmen, die sich nicht über Steuern selbst refinanzieren könnten, würden Gefahr laufen unter einer anderen Nebenwirkung der verabreichten Medizin zu leiden. So würden mittels billiger Kredite die auch in der Wirtschaft geltenden Gesetze des Darwinismus ausgehebelt. Damit sei gemeint, dass Gesellschaften, die aufgrund Unrentabilität des eigenen Geschäftsmodells schon längst insolvent sein müssten, im Umfeld einer soliden Konjunktur immer noch Bestandteil des Systems sein könnten. Denn niedrige Zinsen und eine gute Wirtschaftslage würden automatisch zu einer geringen Anzahl von Unternehmenspleiten führen, was jedoch beim Drehen der Rahmenbedingungen für jede Volkswirtschaft sehr schnell zum Problem werden könne.

Die Gefahr lauere hierbei aber nicht nur in Form von gestiegenen Refinanzierungskosten am Kapitalmarkt, sondern auch ein Einbrechen der Konjunktur könne jedes noch so solide aufgestellte Unternehmen zum Wanken bringen. Das beste Beispiel dafür wie schnell so etwas gehen könne, liefere zurzeit D.T., der Unberechenbare, mit seiner "America First"-Politik. Hierbei könne man den Wirtschaftsbossen noch nicht einmal den Vorwurf machen, sie hätten die Zeichen der Zeit nicht richtig erkannt. Sondern die gegenseitig ausgesprochenen Strafzölle könnten zum einen ein wirtschaftliches Gefüge aus dem Gleichgewicht bringen und zum anderen auch einzelne Unternehmen in die Insolvenz treiben.

Die daraus resultierende Kettenreaktion stelle nicht zuletzt für die Finanzindustrie eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar. So könne beispielsweise eine Pleitewelle in einem Land auf andere EU-Staaten ausstrahlen und Banken in eine Schieflage bringen. Denn bereits jetzt werde bei europäischen Banken jeder zehnte Firmenkundenkredit nur unzureichend bedient. Jedoch gebe es regionale Unterschiede. So könnten beispielsweise Banken in Deutschland und Frankreich auf einen geringen Anteil nicht bedienter Firmenschulden von unter 6% verweisen. In Griechenland liege die Quote bei satten 52%, in Portugal bei 30,5% - und in Italien möchte man über die Zahl sicherlich gerne den Mantel des Schweigens ausbreiten.

Noch gravierender könne in diesem Zusammenhang werden, dass Europas Unternehmen - infolge der Niedrigzinspolitik - ihre Vorliebe für kurzfristige Überbrückungskredite entdeckt hätten. Im Euroraum sollten solche Verbindlichkeiten inzwischen sogar rund ein Drittel aller Bankkredite der Unternehmen ausmachen.

Für die von der EZB verordneten Medikamente gebe es zwar keinen Beipackzettel, in dem die Nebenwirkungen aufgelistet seien. Aber mit gesundem Menschenverstand könne man Eins und Eins zusammenzählen und sollte sich zumindest mit dieser Gefahr gedanklich vorab beschäftigen. Ich weiß nicht, was der EZB-Notenbanker in einem solchen Marktumfeld empfiehlt, aber ich empfehle Wachsamkeit, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Einen Tag bevor Giuseppe Conte die Vertrauensabstimmung am Mittwoch im Senat gewonnen habe, habe Italiens neuer Ministerpräsident davon gesprochen, dass er einer "Regierung des Wandels" vorsitzen wolle. Und was er sonst noch gesagt habe, habe zum Teil ganz anders geklungen als das, was die beiden Regierungsparteien der 5-Sterne-Bewegung und der rechtsgerichteten Lega in der jüngsten Vergangenheit von sich gegeben hätten. "Das Geschäft mit der Einwanderung" müsse beendet werden, habe Conte ebenso wie eine fairere Verteilung der Flüchtlinge gefordert. Die Schulden des Landes seien vollkommen untragbar, weshalb sie durch Wirtschaftswachstum verringert werden müssten, habe er konstatiert. Und Wachstum müsse über Haushaltspolitik und öffentliche Ausgaben sichergestellt werden.

Ach ja, und Italien habe er weiter im Herzen Europas verortet, das die Regierung stärken und gerechter machen wolle. "Europa ist unser Zuhause", habe Conte betont, der am Euro festhalten wolle, was im Gegensatz zu den Thesen des rechtsgerichteten Lega-Führers Matteo Salvini stehe. Auch ein Austritt aus dem Euro, mit dem Salvini immer wieder kokettiert habe, sei für den Ministerpräsidenten kein Thema. Allerdings wolle er die europäischen Fiskalregeln neu verhandeln.

Was dies alles in der Praxis zu bedeuten habe, sei nicht ganz klar, weshalb während seiner Rede wohl auch die Börse in Mailand ins Minus gerutscht sei. Denn einerseits bekenne sich Conte zum Schuldenabbau eines Landes, das eine Staatsverschuldung von 132% seines BIPs aufweise. Aber andererseits wende er sich von "Maßnahmen energischer Sparpolitik" ab und wolle Schuldenabbau "mit dem Wachstum unseres Reichtums" erreichen. Was solle das heißen? Schließlich würden die beiden Regierungsparteien, die ihn tragen würden, die Einführung teurer öffentlicher Programme propagieren, die ein Grundeinkommen für arme Italiener und einen "würdigen" Mindestlohn vorsehen würden.

Sicher biete der Neue in Rom Ansatzpunkte für eine Zusammenarbeit mit Berlin und Brüssel. Aber aufgrund der Unberechenbarkeit der ihn stützenden Parteien dürfte die italienische Politik zunächst ein Unsicherheitsfaktor innerhalb der EU bleiben. Dennoch, wenn der politische Novize radikale Veränderungen, insbesondere in der Schulden- und Asylpolitik, ankündige, sollten die Bundesrepublik und die EU-Kommission diesen Faden konstruktiv aufgreifen. Inwieweit dann die Koalition in Rom hinter dem Juristen Conte stehen werde, müsse man sehen.

Genau beobachtet werde die italienische Regierung auch von den Ratingagenturen, wie man am Beispiel Moody's sehe. So prüfe diese nach Bekanntgabe der Ausgaben- und Steuerkürzungspläne der Regierung eine mögliche Herabstufung der Bonität des Landes. Wie Moody's mitgeteilt habe, sehe man ein "beträchtliches Risiko" einer deutlichen Verschlechterung der Finanzlage Italiens. Derzeit werde das Land mit einer befriedigenden Bonität von "Baa2" bewertet.

Angesichts der Sorgen um die italienische Volkswirtschaft sei der Euro am Dienstag um einen halben Cent auf 1,1660 US-Dollar gedrückt worden. Inzwischen habe sich die Gemeinschaftswährung aber wieder auf über 1,18 US-Dollar erholt, was allerdings mit der Spekulation auf eine Straffung der Geldpolitik durch die EZB zurückgegangen sei. Die Renditedifferenz zehnjähriger italienischer Staatsanleihen sei gegenüber Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit im Zuge der politischen Situation in Rom seit vergangener Woche von rund 1,2 Prozentpunkten (PP) auf über 2,9 PP gestiegen. Und dieser Wert, der das Schuldenmachen für Rom noch teurer mache, belaufe sich aktuell auf ca. 2,3 PP und sei immer noch einer der verlässlichsten Krisenindikatoren an den Finanzmärkten. Conte sei zwar unter dem Jubel vieler Senatoren in Rom gewählt worden. Sein Land aber bleibe im Krisenmodus.

Wenn sich in der kommenden Woche die Mitglieder des Rates der EZB zu ihrer turnusmäßigen Sitzung in Riga treffen würden, könnte das Ende des laufenden Ankaufprogramms für Anleihen eingeläutet werden. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichte, werde gemunkelt, dass für den 14. Juni eine entscheidende Diskussion im EZB-Rat unter Führung von Mario Draghi über das Thema anstehe. Dabei könne man davon ausgehen, dass es nach wie vor ein zähes Ringen um den finalen Ausstiegstermin und die Modalitäten gebe.

Natürlich würden die aktuellen wirtschaftspolitischen Risiken, die aus dem von den USA angezettelten Wirtschaftskrieg oder den Unsicherheiten in der Eurozone hervorgehen würden, bei der Diskussion eine wesentliche Rolle spielen. Vor diesem Hintergrund möge so manches Ratsmitglied der EZB, die dieser Tage ihr 20-jähriges Bestehen feiere, lieber auf Zeit spielen wollen, anstatt möglicherweise vorschnell eine Entscheidung zu treffen.

Immerhin, nachdem es Draghi noch im April vermieden habe, überhaupt über das Vorgehen der EZB zu diskutieren, könne es durchaus als Fortschritt gewertet werden, auch wenn eventuell noch keine Entscheidung getroffen werde, die Debatte über das Ende des QE-Programms aber formell eröffnet werde.

Seit Jahren würden sich die Geister an der Frage scheiden, wann und wie das Programm der quantitativen Lockerung (oder QE von englisch quantitative easing) endlich beendet werde. Der jetzige Umfang von monatlich 30 Mrd. Euro ist noch bis September beschlossen und was anschließend passiert, wird uns in Kürze mitgeteilt werden, so die Analysten der Baader Bank.

Na, wenn er das sage… Ausgerechnet Bundesbankpräsident Jens Weidmann, der an den Märkten großes Vertrauen genieße, schließe eine erweiterte Gemeinschaftshaftung in der Währungsunion nicht grundsätzlich aus. Die in Deutschland sehr skeptisch gesehene gemeinsame europäische Einlagensicherung könne einen Beitrag zu einem stabileren Finanzsystem leisten, da dann das Risiko einer Panik sinken würde. "Und auch hier liefert die gemeinsame Verantwortung für die Aufsicht gute Argumente für eine gemeinsame Haftung", so der Bundesbankchef. Aber Weidmann wäre nicht Weidmann, würde er diesen erstmals von ihm lancierten Vorstoß nicht an Bedingungen knüpfen.

Vor der Einrichtung einer gemeinsamen Einlagensicherung müssten die Risiken abgebaut werden, die in nationaler Verantwortung entstanden seien, habe er gefordert. Außerdem müsse der Einfluss der nationalen Politik auf die Bankbilanzen zurückgedrängt werden. Zu den Altrisiken zähle Weidmann dabei nicht nur die immer noch hohen Bestände an faulen Krediten, sondern auch den hohen Anteil an Staatsanleihen in den Bankbilanzen. Weidmann habe kritisiert, dass Letztere regulatorisch immer noch in ungerechtfertigtem Ausmaß privilegiert würden. Vor der Schaffung einer Einlagensicherung müssten die daraus resultierenden staatlichen Ausfallrisiken in den Bankbilanzen ebenso verringert werden wie die notleidenden Kredite.

Setze Weidmann damit solch hohe Hürden, dass sie manche Länder wie Italien kaum würden überspringen können? Sei damit sein Plädoyer für eine Gemeinschaftshaftung unter bestimmten Bedingungen eine Chimäre? Nein, er mache nur die Verantwortlichkeiten klar, welche die Verursacher von Schulden und Wackelkrediten übernehmen müssten, um ihnen gleichzeitig ein Angebot für eine erstrebenswerte Zusammenarbeit zu machen, die eben nur nach bestimmten Regeln funktionieren könne. Damit sekundiere Weidmann auch indirekt Angela Merkel in ihrem zögerlichen Bemühen, Emmanuel Macron endlich auf seine europapolitischen Vorschläge zu antworten. Ohnehin habe der Bundesbankpräsident die Regierungen in Paris und Berlin zum Schulterschluss auf dem Weg zu Reformen der Euro-Zone aufgefordert.

Inzwischen plädiere die Kanzlerin unter anderem für die Schaffung eines Europäischen Währungsfonds (EWF), der über ähnliche Instrumente wie der Internationale Währungsfonds (IWF) verfügen solle. So sei zu erwarten, dass sich die europäischen Staats- und Regierungschefs auf ihrem Gipfel Ende Juni im Kern auf einen EWF verständigen würden. Der Eurorettungsfonds ESM, der in der Schuldenkrise gegründet worden sei, solle in diesem Zuge zum Währungsfonds ausgebaut werden.

Nach dem Vorbild des 1945 gegründeten Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington möchten die Eurostaaten eine eigene Krisenfeuerwehr schaffen - eine Idee, die übrigens vom früheren Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble stamme. Der EWF könnte mit Kreditlinien und Garantien Euro-Staaten in der Not helfen. Der Bundestag solle sein Mitspracherecht behalten, falls der Euro-Rettungsfonds ESM zu einem Europäischen Währungsfonds umgebaut werde. Denkbar wäre demnach beispielsweise, dass der EWF im Fall eines harten Brexit Irland mit einer Finanzspritze unterstütze.

Aber stehe mit der Idee eines EWF nicht wieder das Geld der Steuerzahler im Feuer? Wenn aus dem Rettungsfonds ESM künftig der Europäische Währungsfonds werde, gehe es um viel Geld. Der ESM habe bei seiner Gründung ein Ausleihvolumen von 500 Mrd. Euro zur Verfügung gehabt, wovon aktuell 380 Mrd. Euro ungenutzt seien. Die Euroländer würden beim ESM nicht nur mit Garantien haften, sondern hätten ihm auch Bargeld zur Verfügung gestellt - im Fall von Deutschland seien das 22 Mrd. Euro gewesen. Ob mit der Schaffung des EWF neues Geld aufgebracht werden müsse, hänge davon ab, wie strikt die Regeln des künftigen Währungsfonds seien. Und wie streng sie eingehalten würden.

In Zeiten wie diesen, in denen Italien sich zum größten Sorgenkind für die Europäische Union entwickelt hat, wagen wir einen Blick auf andere Länder, die etwas in den Schatten der öffentlichen Aufmerksamkeit geraten sind, so die Analysten der Baader Bank. Da sei etwa Spanien, wo die zersplitterte Parteienlandschaft und Misstrauensvoten nicht gerade für Stabilität sprächen. Doch die Entmachtung von Regierungschef Mariano Rajoy habe nicht, wie vielfach befürchtet, zu Neuwahlen geführt. Vielmehr gelang es seinem Nachfolger Pedro Sánchez von den Sozialdemokraten ein konstruktives Programm auszuhandeln, so die Analysten der Baader Bank. Freilich dürfte der Vielparteienkompromiss noch so manche Bewährungsprobe bestehen müssen. Doch hätten die Spanier gezeigt, dass es auch andere Wege gebe, als sich in Neuwahlen zu flüchten.

Gute Nachrichten kämen auch aus Griechenland, wo das BIP im ersten Quartal 2018 um 0,8% habe zulegen können. Dies sei zweimal so viel wie der Durchschnitt der Eurozone. Und die Wirtschaft von Hellas wachse nun bereits seit fünf Quartalen - insbesondere getrieben vom Export und mit steigender Tendenz. Klar, mit einer Staatsverschuldung von 180% des BIPs habe Hellas einen weiten Weg vor sich. Aber die ersten Schritte seien gemacht. Natürlich gehe es für Athen auch darum, im August wieder auf eigenen Beinen am Kapitalmarkt stehen zu können. Dann laufe das europäische Rettungsprogramm aus, und das Land müsse sich wieder Geld aus eigener Kraft besorgen.

Auch die Nachrichten zu den Vorbereitungen auf den Brexit seien etwas in den Hintergrund geraten. Aber etwas Bewegung gebe es dennoch. Offenbar müsse auch die britische Regierung sich eingestehen, dass die Situation für Nordirland nicht ganz einfach sei. So erwäge Brexit-Minister David Davis laut "The Sun" für das Land einen Doppelstatus, wodurch Nordirland sowohl zur EU als auch weiter zum Vereinigten Königreich gehören solle. Außerdem solle eine 16 Kilometer breite Pufferzone an der 500 Kilometer langen Grenze zwischen Nordirland und der zur EU gehörenden Republik Irland Kontrollposten überflüssig machen. Diesen Vorschlag könne man durchaus kreativ nennen in den seit März kaum vorangekommenen Verhandlungen über den Brexit, der für März kommenden Jahres anstehe. Ob die Umsetzung der Idee dazu führen werde, dass viele Firmen ihren Sitz nach Nordirland verlagern würden, sei nicht ausgeschlossen.

Verbinde man normalerweise mit dem Begriff "3er" in der Autobranche immer die Marke BMW, so habe sich in dieser Woche allerdings die Volkswagen (VW)-Finanzsparte einen "3er" auf die Fahne geschrieben. Jedoch bedeute das in diesem Fall, dass man drei Anleihen aufgelegt habe, um insgesamt 2 Mrd. Euro zu refinanzieren. Alle drei Tranchen seien mit einer Mindeststückelung von 100.000 Euro aufgelegt worden und die Nachfrage der zumeist institutionellen Investoren habe das Angebot um das 2,5Fache überstiegen.

Die erste Tranche (ISIN XS1830992563 / WKN A1X3P4) über 600 Mio. Euro sei zu pari begeben worden, am 08.12.2021 endfällig und werde als Floater mit 3-Monats-Euribor +70 verzinst. Wer als Investor an vorher fest definierten Zinszahlungen interessiert sei, habe sich für ein Engagement bei der zweiten Tranche (ISIN XS1830992480 / WKN A1X3P3) entschieden. Bei gleichem Volumen und ähnlicher Fälligkeit (08.09.2021) sei hierbei ein jährlicher Kupon von 0,625% festgeschrieben worden. Bei einem Emissionspreis von 99,904% habe das einem Aufschlag von +60 Bps über Mid Swap entsprochen. Die dritte Anleihe (ISIN XS1830986326 / WKN A1X3P5) im Volumen von 800 Mio. Euro sei erst am 10.06.2024 fällig und mit einem jährlichen Kupon von 1,25% ausgestattet. Der Emissionsspread habe sich hierbei auf +90 Bps über Mid Swap belaufen, was einem Pricing bei 99,233% entsprochen habe.

Doch nicht nur die Volkswagen Bank GmbH sei im Primärmarkt für Corporate Bonds aktiv geworden, sondern auch die französische Supermarktkette Carrefour habe mittels einer fünfjährigen Anleihe (ISIN FR0013342128 / WKN A191Y3) 500 Mio. Euro eingesammelt. Die mit einer Make Whole Option ausgestattete Anleihe verfüge über einen festen, jährlichen Kupon von 0,875% und sei bei 99,33% begeben worden (+70 Bps über Mid Swap).

Schon wieder seien drei Monate vergangen und die rechnerischen Veränderungen bei dem Kontraktwechsel von Juni auf September könnten nicht unterschiedlicher sein. So werde sich mancher Marktteilnehmer verwundert die Augen reiben, wenn er zum ersten Mal den neuen Buxl-Kontrakt wahrnehme. Der Aufschlag von ca. 6,10 Prozentpunkten (PP) sei dem zugrunde liegenden Kupon und der neu zu beliefernden Anleihe (ISIN DE0001102432 / WKN 110243) geschuldet. Bei dem Euro-Bund-Future falle die Anpassung Neu gegenüber Alt mit ca. -0,06 PP fast nicht ins Gewicht, beim Bobl-Future belaufe sie sich auf ca. -0,51 PP und der neue Euro-Schatz-Future werde ca. 0,075 PP tiefer gehandelt.

Habe in der vergangenen Woche die Flucht in den sicheren Hafen die Notierungen der Bundesanleihen in die Höhe schnellen lassen, so mache sich jetzt trotz der weiterhin unklaren europäischen Lage die Angst vor dem Ende der Anleihekaufprogramme in der Eurozone und die eigentlich nicht mehr zu vermeidende US-Zinsanhebung bemerkbar. Übertreibungsphasen hätten wie politische Krisen immer nur eine begrenzte Lebensdauer, aber die Dynamik der jetzigen Entwicklung beim Sorgenbarometer seit dem 15. Mai - fast 7 Punkte hoch innerhalb von zehn Börsentagen und anschließend wieder über 5 Punkte innerhalb von sieben Tagen runter - übersteige schon das normale Bewegungsmuster an den Rentenmärkten. Es sei also kein Wunder, dass Rentenhändler unter Drehschwindel leiden würden und sich wie Alexander Gerst im Weltraum fühlen würden.

Dennoch lohne sich insbesondere in den Phasen des Roll-Overs immer wieder ein Blick auf die der Charttechnik zugrunde liegenden Unterstützungs- und Widerstandslinien. Eine erste Unterstützung sei im Bereich von ca. 159,40% zu erwarten und sollte diese Linie nachhaltig unterschritten werden, so sei eine Korrektur bis auf 157,53% (Tief vom 17.05.) nicht auszuschließen. Ob ein Wiederaufflammen der verschiedenen europäischen Krisenherde die Kapitalströme nochmals in Bundesanleihen lenken könne, dürfe zumindest nach dem Strohfeuer der vergangenen Woche bezweifelt werden. Auch scheine sich bei den Marktteilnehmern immer mehr die Meinung herauszubilden, dass Deutschland alleine nicht alle Rechnungen in Europa begleichen könne und somit irgendwann auch an seine Grenzen stoßen werde. Sollte sich dieser Eindruck verfestigen, so werde Deutschland massiv unter Tauschoperationen "Raus aus Bunds und rein in US-Notes" leiden. Dennoch sei nach dem Absturz der vergangenen Tage eine technische Erholung bis in die Nähe der psychologischen Marke bei 161% nicht auszuschließen.

Gestartet sei der Euro-Bund-Future am Donnerstagmorgen bei 160,00% und notiere aktuell bei 159,62% (07.06.2018), was einer Rendite für 10-jährige Bundesanleihen von 0,498% entspreche.

In dieser Handelswoche habe die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland anscheinend nicht genug bekommen können. Gleich in drei Altemissionen habe sie interessierten Anlegern Material zur Verfügung gestellt. Jedoch habe es sich bei den Aufstockungen der beiden inflationsindexierten Anleihen nur um "Peanuts" gehandelt. So sei der Linker mit Fälligkeit 2030 (ISIN DE0001030559 / WKN 103055) um 500 Mio. Euro auf insgesamt 11 Mrd. Euro und der mit 2046 (ISIN DE0001030575 / WKN 103057) um lediglich 250 Mio. Euro auf nunmehr 7,5 Mrd. Euro aufgestockt worden. Die Zuteilung sei bei einer realen Durchschnittsrendite von -0,91% (ISIN DE0001030559 / WKN 103055) und -0,61% (ISIN DE0001030575 / WKN 103057) erfolgt. In beiden Gattungen habe die Nachfrage das zur Verfügung gestellte Material überstiegen.

Zusätzlich sei am letzten Mittwoch noch das Emissionsvolumen der aktuellen fünfjährigen Bundesobligation Serie 177 (114177) um 2 Mrd. Euro auf 16 Mrd. Euro erhöht worden. Hierbei seien ca. 1,6 Mrd. Euro bei einer Durchschnittsrendite von -0,19% zugeteilt und die restlichen ca. 400 Mio. Euro zur Marktpflege umgebucht worden. In der Eurozone seien aber auch Österreich mit zwei Anleihen (ISIN AT0000A1PE50 / WKN A188ES, 2023; ISIN AT0000A1ZGE4 / WKN A19VB0, 2028), Spanien mit drei alten Gattungen (ISIN ES00000128X2 / WKN A19JJJ, 2021; ISIN ES0000012B62 / WKN A1908W, 2023; ISIN ES0000012B39 / WKN A19VKR, 2028) und einem neuen Linker sowie Frankreich mit vier Altemissionen (ISIN FR0013341682 / WKN A1911P, 2028; ISIN FR0000571218 / WKN 230567, 2029; ISIN FR0012993103 / WKN A1Z7JJ, 2031; ISIN FR0013154044 / WKN A18Z4K, 2036) aktiv gewesen.

In den USA seien zum Wochenstart lediglich Geldmarkttitel im Volumen von 125 Mrd. USD zum Kauf angeboten worden und erst in der kommenden Woche würden zusätzlich noch Bonds mit einer Laufzeit von drei, zehn und 30 Jahren offeriert.

Vorfreude sei die schönste Freude. In genau einer Woche beginne die Fußball-WM in Russland und lasse schon jetzt die Herzen aller Freunde des runden Leders höher schlagen. Jedoch stünden in der kommenden Woche auch einige wichtige Termine rund um das Thema Notenbankpolitik auf der Agenda.

So würden schon jetzt die Notenbanksitzungen der Federal Reserve (FED) und der EZB ihre Schatten vorauswerfen und unter anderem habe die Gemeinschaftswährung in diesem Zusammenhang von Spekulationen rund um das QE-Programm profitieren können. Zur Wochenmitte sei somit der Euro bis auf 1,1796 USD gestiegen und habe seine seit Wochen anhaltende Talfahrt vorerst stoppen können. In der Vorwoche habe die Einheitswährung noch mit 1,1510 USD auf einem 11-Monats-Tief notiert. Die kommenden Tage stünden daher ganz im Zeichen der Notenbanken und des "G6+1"-Treffens in Kanada. Im Vorfeld dieser Top-Ereignisse für das Börsengeschehen habe die gemeinsame Währung am Mittwochmorgen sogar bei 1,1830 USD gehandelt und somit die nächste Hürde genommen.

Der Mexikanische Peso (MXN) befinde sich aufgrund der aktuellen schwierigen NAFTA-Verhandlungen unter Druck. So sei die Währung Mexikos im Vergleich zum US-Dollar auf ein 15-Monats-Tief gefallen. Der US-Dollar habe damit zeitweise bei 20,4872 MXN gehandelt. Der Euro könne die Schwäche der mexikanischen Landeswährung ebenfalls für sich nutzen und sei sogar auf ein neues Allzeithoch bei 24,0906 MXN gestiegen.

In dieser Berichtswoche seien vornehmlich Bonds lautend auf US-Dollar, Norwegische Kronen und Mexikanische Peso nachgefragt worden. Darüber hinaus hätten auch Währungsanleihen auf Südafrikanische Rand, Türkische Lira und Brasilianische Real im Fokus der Privatanleger gestanden.

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (08.06.2018/alc/a/a)





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