EZB-Präsident erweitert den Begriff "Inflation" um einige Facetten


02.02.17 11:47
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Allmählich könnte Mario Draghi in Erklärungsnot geraten, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Seit nunmehr vier Jahren liege die Inflation im Euroraum weit unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB). Doch im Januar sei die Teuerungsrate überraschend stark im Euroraum auf 1,8% angestiegen. Damit sei das Ziel von Draghi, mit einer Politik des billigen Geldes die Inflation auf die Zielmarke von 2% zu bringen und so eine Deflation zu verhindern, in greifbare Nähe gerückt. Damit laufe der EZB-Präsident allerdings Gefahr, sein wichtigstes Argument zu verlieren, mit dem er die expansive Geldpolitik stets begründet habe.

Bislang jedoch lasse Draghi Signale vermissen, die etwa auf eine schrittweise Drosselung der Wertpapierkäufe (Tapering) hindeuten könnten. Im Gegenteil, man habe nicht einmal darüber diskutiert, habe Draghi auf der jüngsten EZB-Pressekonferenz, die noch vor der Bekanntgabe der Inflationszahlen stattgefunden habe - mit Blick auf einen schrittweisen Abschied von der Politik des billigen Geldes, gesagt. Stattdessen habe er vorsorglich schon mal den Begriff der Inflation erweitert. Denn nun müssten laut Draghi gleich vier Kriterien erfüllt sein, bevor die EZB Maßnahmen gegen die Teuerung ergreife. Die Inflationstrends in den einzelnen Ländern der Euro-Zone müssten sich angleichen. Die Teuerung dürfe nicht nur vorübergehend sein, sondern müsse sich nachhaltig manifestieren. Sie müsse selbsttragend sein und nicht allein das Ergebnis der ultralockeren Geldpolitik. Und schließlich müsse die Inflation übergreifend in der gesamten Euro-Zone ein bestimmtes Niveau überstiegen haben.

Natürlich sollte die Inflation nicht allein von dem statistischen Basiseffekt getragen sein, der im Januar wirksam geworden sei. Aber mit den Kriterien, die Draghi nun definiert habe, baue er eine Argumentationswand auf, die schwer zu umgehen sein werde und der EZB noch auf lange Zeit die Gründe für eine ultralockere Geldpolitik liefern könne.

Draghis erweiterte Definition der Teuerungsrate habe bei dem früheren EZB-Chefökonom Otmar Issing für ein gewisses Erstaunen gesorgt. Eine Preiskonvergenz zwischen den Ländern sei zwar erwünscht, gehöre aber keineswegs zum Inflationsziel der EZB, habe er gesagt. Überhaupt werde die EZB bei Bedarf immer argumentieren können, die Inflation sei nicht selbsttragend und nur auf die ultralockere Geldpolitik zurückzuführen. Da scheine am Ende einer gewissen Beliebigkeit in der Argumentation doch Tür und Tor geöffnet worden zu sein.

Indessen habe Bundesbankpräsident Jens Weidmann davor gewarnt, die Geldpolitik in der Eurozone länger als nötig expansiv ausgerichtet zu lassen. Die Notenbanken dürften nicht zum Gefangenen der Märkte oder der Finanzpolitik werden, habe Weidmann vor dem CDU-Wirtschaftsrat betont. Besonders die Staatsanleihenkäufe würden aber genau diese Gefahr mit sich bringen, weil dadurch die Grenze zwischen Geld- und Fiskalpolitik verwischt würde. "Die Krisenfeuerwehr muss darauf achten, dass der Löschwasserschaden nicht größer werde als der Brandschaden selbst", so der Bundesbankpräsident.

Weidmann interpretiere den Inflationssprung in Deutschland auf 1,9% (Januar) mit dem Anziehen der Energiepreise. Umgekehrt sei das Absinken der Teuerungsrate in den vergangenen Jahren insbesondere auf den Energiepreisverfall zurückzuführen. Dieser Effekt werde nun aus der Inflationsrate "herausgewaschen". Das Risiko einer Deflation sei nach Überzeugung von Weidmann daher schon in der Vergangenheit gering gewesen. Schenke man den Kapitalmarktexperten der BNP Paribas Glauben, dann werde die EZB die Exit-Debatte zumindest zur Jahresmitte eröffnen. "Die Worte hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube!"

D.T. - der Unberechenbare habe es früher als gedacht geschafft, das Land und die Weltgemeinschaft zu vereinen. Zumindest im Protest gegen ihn! Jens Weidmann habe wohl geahnt, was da aus Washington kommen würde. Bereits vergangene Woche habe der Bundesbankpräsident gesagt, die Europäische Union müsse der zunehmenden Tendenz zu Abschottung und Nationalismus klug begegnen - und "sich nicht der Logik von Handelskriegen ergeben". Die wolle der neue US-Präsident Donald Trump offenbar führen, wofür er neben Mexiko und China auch die Bundesrepublik als Gegner ausgemacht habe. Trumps Chef-Wirtschaftsberater Peter Navarro habe ausgerechnet den Deutschen via "Financial Times" vorgeworfen, den relativ niedrigen Eurokurs für Handelsvorteile auf Kosten der USA und seiner europäischen Partner zu nutzen. Außerdem bezeichne er Deutschland als eines der Haupthindernisse für ein Handelsabkommen zwischen der EU und den USA.

Eine Administration in Washington, die sich gerne "alternative Fakten" zu eigen mache, werde da wohl kaum wahrnehmen wollen, dass Deutschland immer dafür geworben habe, dass die EZB eine unabhängige Politik mache, wie es Kanzlerin Angela Merkel ausgedrückt habe. Deutsche Unternehmen hätten sich bemüht, mit wettbewerbsfähigen Produkten und fairem Wettbewerb auf dem Weltmarkt erfolgreich zu sein. Im Übrigen sei nicht der Euro schwach, sondern der US-Dollar stark. So argumentiere Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), im "Spiegel". Nicht nur der Euro, sondern viele andere Währungen weltweit hätten gegen den US-Dollar abgewertet, der in Erwartung höherer Zinsen und eines Konjunkturprogramms haussiere.

Trotz falscher Argumente gestehe Fratzscher aber der Argumentation aus Washington auch einen wahren Kern zu. So spiegele Deutschlands Leistungsbilanzüberschuss in Höhe von 270 Mrd. Euro oder fast 9% der deutschen Wirtschaftsleistung massive Ungleichgewichte und Probleme in der deutschen Wirtschaft wider. Das Problem sehe Fratzscher also nicht darin, dass Deutschland zu viel exportiere oder deutsche Exporteure "zu wettbewerbsfähig" seien.

Er sehe den Hauptgrund für die exzessiven Exportüberschüsse in einer privaten und öffentlichen Investitionsschwäche, weshalb Deutschland selbst den größten Schaden durch seine zu hohen Exportüberschüsse habe und am meisten von dessen Abbau profitieren würde. Anstatt also jährlich 9% der Wirtschaftsleistung zu exportieren und zu verleihen, sollte die Bundesrepublik einen Teil davon im Inland in bessere Verkehrsinfrastruktur, in den Aufbau einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur, in Bildung und Ausbildung sowie in Forschung und Entwicklung stecken. Davon würde Deutschland nicht nur kurzfristig, sondern langfristig profitieren und zwar durch ein stärkeres Wachstum sowie Wettbewerbsfähigkeit, bessere Einkommen und mehr Wohlstand.

Natürlich müsse die deutsche Politik die Drohung aus Washington ernst nehmen - was sie ja auch tue. Immerhin seien bis zu 1,6 Mio. Arbeitsplätze in Gefahr, sollten die Wirtschaftsbeziehungen zu den USA im Extremfall auf Null heruntergefahren werden, wie Clemens Fuest, Präsident des Münchner ifo-Instituts, es in einem Horrorszenario beschreibe. Um aber nun möglichst klug auf die Drohungen von Trump zu reagieren, gelte es, dass Europa als Binnenmarkt und Währungsunion zusammenstehe und Deutschland im Sinne von Fratzscher über die teilweise gerechtfertigte Kritik an den Exportüberschüssen zugunsten von Investitionen nachdenke. Dies könnten ja Wege sein, sich nicht der Logik von Handelskriegen zu ergeben - so, wie es Bundesbankpräsident Weidmann gemeint habe.

"Spare in der Zeit, so hast du in der Not." Dieses Sprichwort besage bekanntlich, dass man für schlechte Zeiten Geld zurücklegen sollte, solange es einem wirtschaftlich gut gehe. Normalerweise gelte das auch für Banken. Diese würden in Boomzeiten Rücklagen bilden, um für schlechtere Zeiten gewappnet zu sein. In einer solchen Aufschwung-Phase, in der die Banken eigentlich Reserven bilden sollten, befinde man sich momentan. Die Arbeitslosigkeit sei gering, die Bürger würden immer mehr konsumieren, die Unternehmen würden wachsen, die Kreditausfälle seien niedrig, wie es Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret im Interview mit dem "Tagesspiegel" ausgedrückt habe.

Doch beim Betrachten der Ertragskraft der Banken komme Dombret der Vergleich mit einer Ampel in den Sinn, die auf Dunkelgelb stehe. "Wir müssen aufpassen, dass sie nicht auf Rot umschlägt", sage er. In solch einer Phase wie der derzeitigen sollten nach seiner Überzeugung Banken in der Lage sein, wenigstens ihre Eigenkapitalkosten zu verdienen. Daher frage er sich, wann, wenn nicht jetzt die Banken Rücklagen für schlechtere Zeiten bilden sollten.

Als Hauptgrund für die missliche Lage habe der Bundesbanker die niedrigen Zinsen ausgemacht. Für die deutschen Banken, die 75% der Erträge aus der Zinsmarge schöpfen würden, würden immer mehr hochverzinste Kredite auslaufen, während die Institute neue Kredite nur zu sehr viel niedrigeren Zinsen ausreichen könnten. Parallel hätten die allermeisten Institute davor zurückgescheut, von den Sparern Negativzinsen zu verlangen. Wenn sie aber auf der einen Seite weniger einnehmen und auf der anderen Seite gleich viel ausgeben würden, dann schrumpfe das Ergebnis. "Auf Dauer könne das nicht gut gehen", schlussfolgere Dombret.

"Der Alptraum von 2015 kehrt zurück", habe die Athener Wirtschaftszeitung "Imerisia" getitelt. Gemeint gewesen sei das Hick-Hack der neu gewählten Syriza-Regierung unter Premierminister Alexis Tsipras, der in fünf Monaten sinnloser Konfrontationsstrategie gegen die internationalen Geldgeber das Land an den Rand des Bankrotts geführt habe. Um dies zu verhindern, habe er im Juli 2015 ein hartes Sparprogramm unterschreiben müssen.

Seitdem seien von Athen Reformen wie die Liberalisierung der Arbeitsgesetze, die Einschränkung der Gewerkschaftsrechte und die Öffnung des Energiemarktes vielfach verschleppt worden, weshalb die Verhandlungen mit den Gläubigern in der Sackgasse stecken würden. Die wiederum seien sich uneinig. So mache der Internationale Währungsfonds (IWF) seine weitere Beteiligung an dem Rettungsprogramm von einem Schuldenschnitt abhängig. Das wolle vor allem Wolfgang Schäuble nicht. Dennoch wolle der Bundesfinanzminister den IWF als Kontrolleur an Bord halten und sollte das nicht gelingen, werde er sich erneut für einen Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone aussprechen.

Wie gefährlich die Situation sei, gehe aus einem Bericht zur Schuldentragfähigkeit Griechenlands hervor, den der IWF am 6. Februar vorlegen wolle. Darin prognostiziere der Fonds bei Umsetzung der Reformen eine Schuldenexplosion. Daher brauche man eine "substanzielle Umschuldung", so der IWF, was ein anderes Wort für Schuldenschnitt darstelle.

Ein Schuldenschnitt aber komme für die Europartner nicht infrage, was die Prüfung des Reformprogramms und damit neue Hilfen verzögere. Bis Juli, wenn Athen für den Schuldendienst 7,4 Mrd. Euro aufbringen solle, müsse aber eine Lösung her. Dass Athen dieses Jahr wieder an den Kapitalmarkt zurückkehre, wie von Tsipras angekündigt, erscheine vor diesem Hintergrund sehr unwahrscheinlich. Das Gespenst des Grexit spuke wieder in Athen.

Abzulesen sei das auch an der jüngsten Entwicklung der Renditen für griechische Staatsanleihen. Diese seien seit Ende November des vergangenen Jahres beispielsweise bei einer Fälligkeit in 2023 von ca. 6,50% auf ca. 7,80% geklettert. Wie groß allerdings die Verunsicherung in puncto Athen sei, verdeutliche auch eine im Jahr 2014 begebene Anleihe (ISIN GR0110029312 / WKN A1ZL72), die am 17.07.2017 endfällig sei und mit über 9% rentiere.

Politiker und auch Notenbanker würden zwar die Problematik einer zu hohen Staatsverschuldung schon seit vielen Jahren kennen, aber oftmals zu gerne die Augen vor den harten Fakten verschließen. So sei es nicht verwunderlich, dass in der Phase der ultralockeren Geldpolitik in der Eurozone zu wenig zum Zwecke der Haushaltssanierung unternommen worden sei. Die dunklen Wolken über der Eurozone hätten sich also nie so richtig aufgelöst, sondern seien nur wegen anderer Probleme nicht mehr wahrgenommen worden.

So habe die Chefin der EZB-Bankenaufsicht, Daniele Nouy, erst kürzlich Italien und somit seinen Politikern bescheinigt, in den vergangenen drei Jahren zu wenig dafür getan zu haben, die notleidenden Kredite der italienischen Banken zu verringern. Das Gleiche gelte auch für das Haushaltsdefizit Italiens. Aber für solche Fälle habe man ja italienische Freunde in den wichtigen Schaltzentralen Europas, welche einen radikalen Umbau der Finanzierung von Euro-Staaten in Erwägung ziehen würden. So sei dem Weißbuch der EU-Kommission zu entnehmen, dass man zusammen mit Notenbankern Überlegungen anstelle, so genannte European Safe Bonds (ESB) einzuführen, um die Ansteckungsgefahr bei Banken- und Staatspleiten zu reduzieren.

Die deutsche Reaktion auf dieses Ansinnen habe allerdings nicht lange auf sich warten lassen und sei an Deutlichkeit kaum zu überbieten. Die Sprecherin des Finanzministeriums Friedericke von Tiesenhausen habe darauf hingewiesen, dass sich an der ablehnenden Haltung der Bundesregierung gegenüber Eurobonds nichts geändert habe. Besonders habe sie betont, dass es sich auch zukünftig bei der Eurozone nicht um eine Verschuldungsgemeinschaft handele. Außerdem sei ein neuer Name oder eine neue Verpackung nicht gleichbedeutend mit einem neuen Konzept.

In diesem Zusammenhang habe auch der Wissenschaftliche Beirat des Finanzministeriums in einem Brief an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vor der Einführung von Eurobonds durch die Hintertür gewarnt, da diese künstlich generierten Bonds als Sovereign Bond Backed Securities (SBBS) besonders anfällig für eine politische Einflussnahme sein dürften. Deutschland würde als privilegierter Partner den schwächeren Mitgliedern von Nutzen sein, seine Unabhängigkeit opfern und politisch erpressbar werden. Somit gelte auch weiterhin: Man solle den Anfängen wehren. Denn mitgefangen sei auch mitgehangen!

Der Software Riese Microsoft habe den europäischen Unternehmen gezeigt, wie spielend an den Kapitalmärkten Geld aufzunehmen sei. Am Montag habe das Unternehmen 17 Mrd. US-Dollar für allgemeine Geschäftszwecke eingesammelt. Die Nachfrage nach den sieben Bonds habe sich laut den Konsortialbanken auf ca. 37,3 Mrd. US-Dollar belaufen. Nach Aussage der Analysten sollten damit Investitionen und Aktienrückkäufe getätigt werden. Die drei-, fünf-, sieben-, zehn-, 20-, 30- sowie sogar 40-jährigen Anleihen seien mit Kupons in Höhe von 1,85% bis 4,50% ausgestattet.

Neben Microsoft habe der amerikanische Telekommunikations-Dienstleister AT&T ebenfalls mittels sechs Bonds mit unterschiedlichen Laufzeiten insgesamt 10 Mrd. US-Dollar refinanziert.

Im Euroraum habe es lediglich nennenswerte Neuemissionen von Sixt Leasing SE, Auchan Holding SA und Louis Dreyfus Company in einer Gesamthöhe von 1,25 Mrd. Euro gegeben.

Der Leasing-Ableger des Autovermieters Sixt habe einen 4-jährigen Bond (ISIN DE000A2DADR6 / WKN A2DADR) mit einer Laufzeit bis zum 03.02.2021 begeben und somit 250 Mio. Euro refinanziert. Die Sixt-Leasing SE zahle seinen Investoren jährlich 1,125% Zinsen und habe das Papier mit einer Mindeststückelung von 1.000 Euro sowie einer Make Whole Option zugunsten des Emittenten ausgestattet. Emittiert worden sei zu 99,099%, dies entspreche +188,50 Bps über der vergleichbaren Bundesanleihe.

Die Holding der französischen Warenhauskette Auchan habe 600 Mio. Euro frisches Geld am Kapitalmarkt eingesammelt. Die Anleihe (ISIN FR0013236312 / WKN A19CN3) habe einen jährlichen Kupon von 0,625% und sei am 07.02.2022 fällig. Begeben worden sei das Papier zu 99,971%, was einem Emissionsspread von +95,90 Bps über Mid Swap entsprochen habe.

Als dritter im Bunde habe Louis Dreyfus einen 5-jährigen Bond (ISIN XS1560991637 / WKN A19CWC) mit einem Emissionsvolumen von 400 Mio. Euro aufgelegt. Der französische, private Mischkonzern mit Sitz in Paris sei im Agrarbereich, Metall- und Energiesektor, Schiffbau sowie im Immobilienmarkt tätig und müsse für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt 4% Zinsen p.a. an die Investoren zahlen. Der Emissionspreis habe sich auf 99,445% belaufen, was einem Spread von +143,7 Bps über Bund gleichgekommen sei.

Sowohl Auchan als auch Louis Dreyfus hätten sich bei der Emission für eine Mindeststückelung von 100.000 Euro und eine Make Whole Option zugunsten des Emittenten entschieden. Aufgrund der Mindeststückelung würden hier eher institutionelle Investoren angesprochen.

Die nächsten Handelstage würden darüber entscheiden, ob sich die Angst vor steigenden Zinsen oder aber die Flucht in den vermeintlich sicheren Hafen am Rentenmarkt durchsetzen werde. Momentan sei weiterhin kein klarer Trend zu erkennen, aber die Tatsache, dass die Trump'sche Aktienhausse etwas an Schwung verliere, der US-Dollar schwach geredet werde und dennoch die Bonds nicht entsprechend profitieren könnten, spreche eine eindeutige Sprache. Es sei zwar noch zu früh, um auf einen starken Renditeanstieg zu setzen, aber die Spreads zwischen den einzelnen Märkten würden die Kurse in kleinen Schaukelbewegungen gen Süden tendieren lassen. Technische Gegenbewegungen seien zwar nicht auszuschließen, würden aber meist zur Absicherung von Altpositionen genutzt.

Zu unterschiedlich seien die Rahmenbedingungen der Notenbankpolitik dies- und jenseits des Atlantiks, als dass man diese vernachlässigen könnte, aber sicherlich werde die US-Geldpolitik die Marschrichtung vorgeben. Daran würden auch die Ankaufprogramme der EZB nur bedingt etwas ändern können.

Am gestrigen Abend sei die erste FED-Sitzung nach der Inauguration Donald Trumps zu Ende gegangen und es sei einstimmig beschlossen worden, die Leitzinsen nicht anzutasten. Bei der anschließenden Erklärung sei darüber hinaus auf ein positives Konjunkturbild verwiesen worden, allerdings ohne eine baldige Straffung der Notenbankpolitik zu signalisieren. Mit einer weiteren Zinserhöhung in den USA sei allerdings frühestens im März des Jahres zu rechnen.

Somit versuche man sich im Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) in der Zwischenzeit an den aktuellen charttechnischen Leitplanken zu orientieren, wobei sich der Bereich um 162% als Widerstand etabliert habe und Unterstützungslinien bei ca. 161,45% und 160,90% verlaufen würden. Aktuell notiere das Rentenbarometer bei 161,75%.

Zum dritten Mal in Folge habe am gestrigen Mittwoch die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland eine neue fünfjährige Bundesobligation (ISIN DE0001141752 / WKN 114175) mit einem Kupon von 0,0% im Tenderverfahren begeben können. Insgesamt seien den interessierten Investoren nominal 4 Mrd. Euro zum Kauf angeboten worden, die in der Summe von den eingereichten Kaufaufträgen übertroffen worden sei. Die Zuteilung sei bei einer Durchschnittsrendite von -0,28% erfolgt. Somit seien die Anleger weiterhin bereit, auf eine jährliche Verzinsung in den kommenden fünf Jahren zu verzichten und darüber hinaus weniger Geld bei der Rückzahlung zu erhalten als beim Kauf zu zahlen.

Doch in dieser Handelswoche seien auch Eurostaaten am Kapitalmarkt aktiv gewesen, denen solche Konditionen zwar gefallen würden, die aber nur davon träumen könnten. So hätten sich mittels diverser Anleihen neben Italien auch noch Frankreich (ISIN FR0013200813 / WKN A1VQ1A, 2026; ISIN FR0012993103 / WKN A1Z7JJ, 2031) und Spanien (ISIN ES00000128A0 / WKN A18W6G, 2019; ISIN ES00000127A2 / WKN A1ZXQ6, 2030; ISIN ES0000012932 / WKN A0DW8E, 2037) refinanziert und dabei ca. 20 Mrd. Euro eingesammelt.

In der Trump'schen Finanzwelt seien in dieser Woche "nur" Geldmarktpapiere im Volumen von 127 Mrd. US-Dollar mit Laufzeiten von vier Wochen sowie drei, sechs und zwölf Monaten aufgelegt worden und habe somit den Investoren eine kurze Verschnaufpause gegönnt, bevor in der kommenden Woche auch T-Notes wieder auf der Agenda stünden.

Ein "Währungskrieg" sei ein Wirtschaftskonflikt, bei dem Volkswirtschaften versuchen würden, ihre Währung abzuwerten und dadurch ihre jeweilige internationale Wettbewerbsfähigkeit auf Kosten der anderen Volkswirtschaften zu verbessern, so die Definition bei Wikipedia.

Die aktuelle Nachrichtenlange und insbesondere die Meldungen aus Übersee scheinen dieses Thema erneut zu entfachen, so die Analysten der Baader Bank. So würden sich die Vereinigten Staaten unmissverständlich äußern, dass sie nicht an einem starken US-Dollar interessiert seien und würden gleichzeitig anderen Volkswirtschaften vorwerfen, ihre Währung künstlich abzuwerten. Diese Aussagen hätten sofort Wirkung gezeigt und der Devisenmarkt habe entsprechend reagiert. In der Folge habe der Greenback auf breiter Front gegenüber den zehn anderen wichtigen Währungen verloren und die europäische Gemeinschaftswährung sei zeitweise bis auf 1,0812 US-Dollar gestiegen - ein neues Jahreshoch. Zur Stunde handle die Einheitswährung nach wie vor robust um die Marke von 1,0790 US-Dollar.

Wie in der Woche zuvor präsentiere sich das Pfund Sterling stark und sei zum US-Dollar in dem noch jungen Jahr 2017 auf eine neue Bestmarke von 1,2680 US-Dollar gestiegen. Im Vergleich zum Euro handle das Britische Pfund auf Vorwochenniveau bei Wechselkursen um 0,8515 GBP.

Dieser Tage wiedererstarkt zeige sich ebenfalls die Landeswährung Norwegens. So habe sich die Norwegische Krone (NOK) im Vergleich zum Euro stetig verbessert und in dieser Handelswoche ein neues 12-Monatshoch bei 8,8359 NOK markiert, nachdem sie noch zu Jahresbeginn um die Marke von 9,10 NOK gehandelt worden sei.

Ein so genannter "Währungskrieg" sorge für eine Belebung der Handelsaktivitäten bei Fremdwährungsanleihen und so hätten in dieser Berichtswoche Bonds denominiert auf US-Dollar, Türkische Lira, Südafrikanische Rand sowie Norwegische Kronen im Fokus der Privatanleger gestanden.

Disclaimer:

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (02.02.2017/alc/a/a)





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