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EZB: Keine neuen Maßnahmen zu erwarten


15.01.21 12:41
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der EZB-Rat wird wahrscheinlich angesichts der Lockdowns bei der anstehenden Sitzung am Donnerstag zwar einen besorgten Eindruck vermitteln, aber keine weitergehenden Maßnahmen beschließen, so die Analysten der Helaba.

Die Geldpolitik sei weitgehend ausgereizt, die Lage an den Finanzmärkten insgesamt relativ stabil. Allerdings dürfte die Inflation im Januar einen Sprung nach oben machen.

Nach den Entscheidungen in der Dezember-Sitzung sei es um die Geldpolitik etwas ruhiger geworden. Die Zinserwartungen im Euroraum seien stabil und lägen auf Höhe der aktuellen Geldmarktsätze. Die EZB habe am Jahresende weitere Liquidität bereit gestellt, um damit ein Gegengewicht zu den konjunkturellen Schäden der zweiten Infektionswelle zu schaffen. Nun scheine die Lage trotz verfügbarer Impfstoffe kritisch wie noch nie zu sein, sodass der EZB-Rat im Zuge der verlängerten Lockdowns weitere Maßnahmen erörtern werde. Allerdings dürfte sich in der Diskussion vermutlich letztlich herausstellen, dass die Mittel inzwischen weitgehend ausgereizt seien.

Zudem sei die Lage an den Finanzmärkten relativ stabil, was den Druck auf die Währungshüter überschaubar mache. Selbst der Euro-Dollar-Kurs habe zuletzt den Rückwärtsgang eingelegt. Auch das Krisenbarometer italienische Staatsanleihen habe bislang vergleichsweise moderat auf die jüngste Regierungskrise in Rom reagiert. Dennoch hätten die Kurskapriolen bei Bitcoin gezeigt, dass die Risiken spekulations-getriebener Blasen ernst zu nehmen seien. EZB-Chefin Lagarde habe sich für eine weltweite Regulierung der Kryptowährung ausgesprochen. Inwieweit der von den Notenbanken mitverursachte Anlagenotstand und die üppigen Liquiditätsbedingungen für das Entstehen von Blasen verantwortlich seien, bleibe eine offene Frage. Der eine oder andere im EZB-Rat dürfte aber angesichts dieser offenen Flanke eher für geldpolitische Zurückhaltung plädieren.

Für Zurückhaltung spreche ebenfalls der absehbare Sprung bei der Inflation zu Jahresbeginn - vor allem in Deutschland: Der Ölpreis habe den höchsten Stand seit Februar 2020 erreicht und zuletzt bei rund 55 US-Dollar pro Fass notiert. Hinzu kämen die neue CO2-Abgabe und die Erhöhung der Mehrwertsteuer. Auch die EZB gehe zwar von einer kurzfristig höheren Inflationsdynamik aus, sehe aber keinen nachhaltigen Inflationsanstieg. Mit einer Straffung der Geldpolitik - selbst wenn die Pandemie in diesem Jahr unter Kontrolle gebracht werde - rechne aber ohnehin niemand. Allerdings seien steigende Inflationsraten auch kein geeignetes Umfeld für zusätzliche Lockerungen.

EZB-Direktorin Isabel Schnabel habe jüngst erneut klargestellt, dass die Inflation nicht tot sei. Ziehe man die monetären Indikatoren in die Betrachtung mit ein - die Geldmengenaggregate würden alle mit einer zweistelligen Rate steigen - gebe es durchaus Gründe, das Thema Inflation ernst zu nehmen. Die Inflationserwartungen lägen zwar noch auf dem vergleichsweise niedrigen Niveau von rund 1,3%. Seit März habe sich jedoch ein klarer Aufwärtstrend herausgebildet. Somit sei wahrscheinlich, dass der EZB-Rat angesichts der Lockdowns zwar einen besorgten Eindruck vermitteln werde, aber keine weitergehenden Maßnahmen beschließen dürfte. (15.01.2021/alc/a/a)