EZB: Erste Zinserhöhung wohl erst im Oktober 2019, FED steht vor weiterer Anhebung des Leitzinses


31.08.18 12:45
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Im August gab es keine geldpolitische Sitzung des EZB-Rats, so die Analysten von Postbank Research.

Zudem hätten sich die Vertreter der EZB angesichts der Sommerferien mit Äußerungen zur Geldpolitik stark zurückgehalten. Es gebe somit nichts Neues zu berichten. Damit sei weiterhin davon auszugehen, dass die Netto-Ankäufe von Anleihen ab Oktober von derzeit monatlich 30 Mrd. auf 15 Mrd. Euro gekürzt würden und dass die EZB diese Ende 2018 auslaufen lassen werde. Die Leitzinsen sollten noch mindestens über den Sommer 2019 auf ihren derzeitigen Niveaus bleiben. Mit einer ersten Zinsanhebung sei also nicht vor September 2019 zu rechnen. Die Analysten würden inzwischen davon ausgehen, dass dieser Schritt auf der EZB-Ratssitzung im Oktober 2019 vollzogen werde - dies werde zugleich die letzte geldpolitische Sitzung unter dem Vorsitz des amtierenden EZB-Präsidenten Mario Draghi sein.

Auch seitens der FED gebe es keine neuen Beschlüsse oder auch nur Verlautbarungen, die auf eine Änderung des geldpolitischen Kurses schließen lassen würden. Für die größte Aufregung habe noch der US-Präsident Donald Trump gesorgt. Dieser habe die US-Geldpolitik angesichts von sieben Leitzinserhöhungen seit Ende 2015 als nicht förderlich für die US-Wirtschaft kritisiert. Die Kritik habe sich dabei aber nicht gegen das FOMC als Entscheidungsorgan, sondern vielmehr auf den aktuellen FED-Vorsitzenden Jerome Powell gerichtet - der wiederum von Trump in dieses Amt gehievt worden sei und zudem in seiner aktuellen Rolle bisher lediglich die letzten beiden Zinsschritte 'zu verantworten' habe.

Eine solche Einmischung der Politik in die Belange der Notenbank werde eigentlich als Tabubruch angesehen. Powell hätte im Rahmen der jährlichen und regelmäßig stark beachteten Notenbankkonferenz in Jackson Hole die Möglichkeit gehabt, auf die Äußerungen Trumps zu reagieren. Er habe dies aber offenkundig nicht für notwendig gehalten und dementsprechend darauf verzichtet. Dafür habe er aber signalisiert, dass die FED aller Voraussicht nach an ihrem bisherigen Kurs sukzessiver, moderater Zinserhöhungen festhalten werde.

Zugleich habe er aber auch klar zu verstehen gegeben, dass die FED, falls nötig, jederzeit bereit wäre, auf eine unerwartete Beschleunigung der Inflation einerseits oder aber auf eine deutliche konjunkturelle Abschwächung andererseits mit den ihr zur Verfügung stehenden geldpolitischen Mitteln zu reagieren. Dies sei letztlich aber auch nur eine Standardaussage. Die Analysten würden jedenfalls bei ihrer Einschätzung bleiben, dass die FED ihren Leitzins auf der kommenden Sitzung im September von derzeit 1,75 bis 2,00% um 25 Basispunkte anheben werde und dass die FED Funds Target Rate in einem Jahr bei 2,75 bis 3,00% liegen sollte. (Ausgabe September 2018) (31.08.2018/alc/a/a)