EUR-Geldmarkt: Abwärtskorrektur der Erwartungen zum zukünftigen Leitzinspfad offenbar beendet


16.04.18 10:45
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Notenbanken treibt aktuell vor allem eine Sorge um: Welchen Schaden richtet die aggressive Handelspolitik der US-Administration unter Donald Trump mit Blick auf die weitere gesamtwirtschaftliche Entwicklung an, so Christian Lips von der Nord LB.

Zwar seien zuletzt insbesondere von chinesischer Seite Entspannungssignale gekommen, womit sich das Risiko eines echten Handelskrieges zumindest nicht weiter erhöht habe. Auf der anderen Seite dürfte die hohe Unsicherheit über den Fortgang des Handelskonflikts sicherlich zumindest für einen Teil der erhöhten Volatilität an den Märkten verantwortlich sein und somit auch der Abkühlung bei wichtigen Frühindikatoren Vorschub geleistet hätten. Vor allem in Europa und Deutschland hätten sich die Konjunkturerwartungen merklich abgekühlt. Im Berichtsmonat April sei zum dritten Mal in Folge das sentix Konjunkturklima für die Eurozone gesunken, was vor allem auf die erstmals seit Mitte 2016 wieder in den negativen Bereich abgetauchte Erwartungskomponente zurückzuführen sei.

Am morgigen Dienstag melde das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) seinerseits die April-Ergebnisse seiner Konjunkturumfrage unter rund 350 Finanzmarktexperten. Trotz der zuletzt leichten Entspannungssignale dürfte sich auch bei den ZEW-Konjunkturerwartungen aufgrund der aktuellen Unsicherheit ein weiterer Dämpfer eingestellt haben. Gemäß unserer Prognose sollten die ZEW-Erwartungen für die deutsche Konjunktur erstmals seit Mitte 2016 wieder leicht in den negativen Bereich rutschen, so die Analysten der Nord LB.

Auch beim Index für die Eurozone sei eine weitere Abwärtsbewegung in den einstelligen Bereich zu erwarten. Die aktuelle Lage sollte hingegen trotz des schwachen Starts ins Jahr 2018 von den Umfrageteilnehmern noch immer in ganz überwiegender Zahl als gut bezeichnet werden. Hier rechne man nur mit einem leichten Rückgang gegenüber dem Wert des Vormonats, der Teilindex sollte aber in der Nähe der 90-Punkte-Marke verharren. In der Tat sei das sich abzeichnende schwache erste Quartal - das reale BIP dürfte maximal um 0,4% Q/Q gewachsen sein - maßgeblich durch Sonderfaktoren (Grippewelle, Witterung, Ferieneffekt) beeinflusst worden. Auf- und Nachholeffekte sollten dann aber bereits im Frühjahr zu einer wieder höheren Wachstumsdynamik beitragen.

Die EZB werde auf ihrer Aprilsitzung in der kommenden Woche die gestiegenen Abwärtsrisiken für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung betonen. Bislang scheine im EZB-Rat noch die Haltung vorzuherrschen, wonach man durch die jüngsten Entwicklungen (Handelskonflikt USA-China sowie Eintrübung der Frühindikatoren) hindurchblicken könne. Auf der anderen Seite entstehe durch die nach wie vor nur mäßige Inflationsdynamik kein akuter Handlungsdruck, weshalb die Währungshüter an dem Szenario eines sehr vorsichtigen Ausstiegs aus der expansiven Geldpolitik festhalten würden.

Auch nach dem Ende der EAPP-Nettoankäufe werde es voraussichtlich bis Mitte 2019 dauern, bevor die Notenbank eine erste Zinserhöhung des Einlagesatzes vornehme. Diesbezüglich habe sich die EZB gar gezwungen gesehen, den Kernaussagen eines Reuters-Interviews von Ewald Nowotny, der einen recht zügigen Ausstieg aus dem negativen Einlagesatz in Aussicht gestellt habe, öffentlich zu widersprechen. Die Aussagen hätten Nowotnys demnach nicht die Ansicht des EZB-Rats widergespiegelt, so ein EZB-Sprecher - ein bemerkenswerter Vorgang. Allerdings wäre es auch nicht das erste Mal, dass Ewald Nowotny mit seinen Voraussagen bezüglich der zukünftigen europäischen Geldpolitik falsch liege.

Am EUR-Geldmarkt sei die Abwärtskorrektur der zuvor überschießenden Erwartungen zum zukünftigen Leitzinspfad offenbar beendet. Der Eonia 1Y1Y Forward notiere mit -0,1669% wieder etwas höher als in der Vorwoche, der Eonia 2Y1Y Forward habe ebenfalls leicht auf +0,212% angezogen. Die aktuellen Sätze würden weitgehend unverändert bleiben: Der EONIA liege leicht unter der Marke von -0,36%, der 3M-Euribor notiere aktuell bei -0,329%. (16.04.2018/alc/a/a)