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Deutschland: Von Normalität noch entfernt


26.11.21 12:01
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die deutsche Inflationsrate nähert sich nun ihrem Höhepunkt in diesem Jahr, so die Analysten der Helaba.

Im November dürfte sie in nationaler Berechnungsweise auf rund 5% gestiegen sein. Für die harmonisierte Rate erwarte die Deutsche Bundesbank aufgrund der Gewichtsanpassung der Pauschalreisen sogar einen Wert von fast 6%. Erst im Januar sei mit dem Wegfall der Mehrwertsteuerverzerrung eine Entlastung zu erwarten. Zuletzt seien Benzin und Heizöl leicht gesunken, auch weil Brent aktuell unter 80 US-Dollar pro Barrel gefallen sei. Dies dürfte sich allerdings in den Novemberzahlen noch nicht niederschlagen. Vielmehr würden sich im Weihnachtsgeschäft die Verfügbarkeitsprobleme bei einer ganzen Reihe von Konsumgütern durch Preissteigerungen bemerkbar machen. Dass die Unternehmen ihre Preise kräftig erhöhen würden, würden die deutschen Erzeugerpreise zeigen, die im November um 18,4% gestiegen seien. Auch in der Eurozone müsse nun mit einem ähnlichen Schub der Produzentenpreise von rund 20% gerechnet werden. Die Verbraucherpreisinflation dürfte im Währungsraum 4,2% betragen.

Dass der Inflationsdruck im nächsten Jahr hoch bleibe, würden die Kernraten zeigen. Auch außerhalb von Nahrungsmitteln und Energie habe sich einiges an Preisdruck aufgebaut. In der Eurozone hätten diese bereinigten Maße das Inflationsziel von 2% erreicht, Deutschland liege deutlich darüber. Nur ein Teil des Anstiegs dürfte Anfang nächsten Jahres verschwinden, denn die Lieferprobleme der Industrie würden sich im Verlauf von 2022 nur allmählich verkleinern. Auch müsse mit Nachholeffekten bei Tarif- und Effektivlöhnen sowie Belastungen durch die Klimapolitik gerechnet werden.

Der deutsche Arbeitsmarkt verlasse das Corona-Tal. Die Beschäftigung sei in den vergangenen Monaten gestiegen und die Arbeitslosigkeit gesunken. Kurzarbeit dürfte aufgrund der neuen Corona-Restriktionen allerdings zum Jahresende wieder etwas stärker in Anspruch genommen werden.

Im November werde die Arbeitslosigkeit mit schätzungsweise saisonbereinigt 25 Tausend etwas weniger stark zurückgehen als in den Vormonaten. Die Rate läge dann bei 5,3%, unbereinigt sogar bei 5,1%. Auch die Beschäftigung dürfte im Oktober nur noch wenig zugenommen haben. Die stärksten Zuwächse seien zuletzt in den Bereichen Information und Kommunikation, in der Baubranche sowie im Gastgewerbe festzustellen. Es stehe zu befürchten, dass gerade Letzteres wieder besonders unter den Corona-Maßnahmen leiden werde. Trotz des Stellenaufbaus in den vergangenen Monaten liege die Beschäftigung im Gastgewerbe noch um 30 Tausend unter dem Vorjahresstand. Weitere Zuwächse dürften es in den Gesundheits- und Pflegeberufen geben. Allein sie würden 5,2 Millionen Menschen beschäftigen. Auch im öffentlichen Dienst werde eingestellt. Das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland habe die Beschäftigung schon seit 2019 reduziert. Mittlerweile zeichne sich hier immerhin eine Stabilisierung ab. (26.11.2021/alc/a/a)