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Deutschland: Beinahe Verdoppelung der Schuldaufnahme


30.11.20 11:51
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Mit den endgültigen Ergebnissen der Einkaufsmanagerindices stehen in der kommenden Woche die letzten relevanten Konjunkturumfragen für den Monat November an; die vorläufigen Resultate weisen auf einen klaren Rückgang der Indikatoren für Spanien und Italien hin, wobei dieser im Dienstleistungsbereich weitaus deutlicher ausfallen sollte, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Schnellschätzung für der Inflationsrate im November werde wohl einen anhaltend geringen Preisdruck anzeigen. Die Gesamtrate dürfte weiter im negativen Bereich verharren, die Kernrate würden die Analysten der RBI unverändert knapp über der 0%-Marke erwarten.

Des Weiteren von Interesse seien Arbeitsmarktdaten. Die Arbeitslosenquote werde in der Eurozone nach Meinung der Analysten der RBI weiter nach oben driften. Die Analysten der RBI würden damit rechnen, dass sich der Aufwärtstrend noch viele Monate fortsetze. Zum ersten würden die aktuellen Restriktionen zu Jobverlusten führen - vor allem im Dienstleistungssektor. Zum zweiten sei der bislang vergleichsweise moderate Anstieg auch dem Umstand geschuldet, dass eine bedeutende Zahl an freigesetzten Arbeitnehmern zunächst nicht auf aktive Jobsuche gewesen sei. Diese unfreiwillig Arbeitslosen scheinen in der ILO Definition nicht auf, so die Analysten der RBI. Früher oder später würden sich aber jene, bei denen sich die Hoffnung auf eine Rückkehr auf den alten Arbeitsplatz/in die angestammte Branche zerschlagen habe, aktiv um Alternativen bemühen und somit von der Arbeitslosenstatistik erfasst werden.

In der abgelaufenen Woche habe der deutsche Budgetausschuss nach langer Diskussion der Erhöhung der Schuldaufnahme für das Jahr 2021 von zuvor geplanten EUR 96 auf knapp EUR 180 Mrd. zugestimmt. Damit sollten umfangreiche Finanzhilfen zur Abfederung der Corona-Krise anhaltend sichergestellt werden. Trotz der beinahe Verdoppelung der Schuldaufnahme drohe bei den Renditen von deutschen Staatsanleihen jedoch kein massiver Renditeanstieg. Nach Meinung der Analysten der RBI werde die EZB das Anleihekaufprogramm PEPP bis Ende 2021 verlängern und dabei um rund EUR 480 bis 600 Mrd. erhöhen. Unserer Schätzung zufolge belaufen sich somit die Netto-Staatsanleihekäufe der EZB im kommenden Jahr auf rund EUR 1.000 Mrd. - davon entfallen ca. EUR 250 Mrd. auf deutsche Staatsanleihen, so die Analysten der RBI. Die Analysten der RBI würden daher im kommenden Jahr trotz vermehrter Schuldaufnahmen, Konjunkturaufschwung und höherer Inflation(serwartungen) nur einen moderaten Renditeanstieg bei deutschen Anleihen erwarten. (Ausgabe vom 27.11.2020) (30.11.2020/alc/a/a)