Deutsche Staatsanleihen: Gewinnmitnahmen lassen Kursaufschläge abschmelzen


11.06.18 11:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Industrieproduktion Deutschlands (-1%) ist im April stärker als erwartet gefallen, berichten die Analysten der Helaba.

Obwohl das Baugewerbe auf vollen Touren laufe, dürfte das Wirtschaftswachstum im 2. Quartal enttäuschen. In Frankreich zeichne sich ein ähnliches Bild ab.

Zum Wochenschluss habe die Risikoneigung an den internationalen Finanzmärkten spürbar abgenommen. Wie sich nach dem G7-Gipfel zeige, seien die Sorgen nicht ganz unbegründet gewesen. Wieder einmal habe der US-Präsident für einen Eklat gesorgt und seine Zustimmung zu einer gemeinsamen Erklärung nach seiner verfrühten Abreise zurückgezogen. Er habe sich beleidigt gezeigt, dass andere Handelspartner auf die Strafzölle mit ähnlichen Abgaben ihrerseits reagieren würden. Die Welt halte vor dem morgigen Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber den Atem an.

Außer Aktien hätten auch festverzinsliche Papiere minderer Qualität unter der Zurückhaltung der Anleger gelitten. Im Umkehrschluss seien frei werdende Gelder im sicheren Hafen hochwertiger Staatsanleihen geparkt worden.

Die Renditen deutscher Staatsanleihen seien am Ende einer außerordentlich bewegten Woche wieder gesunken, am Ende hätten Gewinnmitnahmen aber auch hier die Kursaufschläge abschmelzen lassen. Die hohe Volatilität sei ein Spiegelbild eines geringer Volumina und fehlender Markttiefe. Die Zinsstruktur zwischen 10- und 30-jährigen Bundesanleihen habe bei 69 BP verharrt. 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,87%) und Belgien (0,89%) hätten auf Bunds 3 bzw. 5 BP verloren.

Anleihen der EU-Peripherie hätten wieder einmal angeführt von BTPs unter zunehmender Risikoaversion gelitten. Die anderen Mittelmeeranrainer könnten sich dem Druck aus Italien nicht entziehen. Der italienische FM Tria habe sich zum Euro bekannt und Investitionen sowie Strukturreformen statt Erhöhung der Schulden angekündigt. Der Risikoaufschlag 10-jähriger italienischer (3,11%), spanischer (1,45%) und portugiesischer Bonds (2,01%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen dennoch um 21, 5 bzw. 6 BP ausgeweitet.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen infolge der Stimmungsaufhellung an den Aktienbörsen leicht gestiegen. Betroffen gewesen seien überwiegend längere Laufzeiten, das kurze Ende habe sich kaum bewegt. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe bei 31 BP verharrt. In Fernost würden US-Treasuries angesichts überwiegend positiver Vorgaben von den Aktienbörsen etwas leichter tendieren. Das überraschend kräftige Auftragsplus im japanischen Maschinenbau im April (10,6%/9,6%) habe für gute Stimmung an den Aktienbörsen gesorgt, vor dem Treffen von Trump mit Kim Jong Un in Singapur und den Notenbanksitzungen sei jedoch Zurückhaltung angesagt gewesen. In China seien die Verbraucherpreise im Mai unverändert um 1,8% gegenüber dem Vorjahr gestiegen, die Erzeugerpreise hätten mit 4,1% deutlich höher gelegen.

Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)- (160,31) und Bobl-Kontrakt (131,40) hätten 12 bzw. 10 Stellen zugelegt, der Schatz (112,045) sei 4,5 Ticks höher aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,45% gefallen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 110 BP ausgeweitet, 10-jährige US-Treasuries würden 3 BP höher bei 2,96% rentieren. Der Euro verharre bei 1,18 US-Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle auf 65,6 US-Dollar.

In dieser Woche würden die Sitzungen von US-Notenbank und EZB die Datenveröffentlichungen in den Hintergrund drängen. Dennoch dürften gerade Preisdaten der Vereinigten Staaten wichtige Entscheidungshilfen. Die FED sollte angesichts zunehmender Inflationserwartungen und guter Konjunkturperspektiven kaum zögern, ihren strafferen geldpolitischen Kurs fortzusetzen und die Zinsen erneut erhöhen.

In der Eurozone stelle sich das Bild etwas differenzierter dar. Neben der konjunkturellen Abkühlung müsse zu aller erst die Krise nach der Regierungsbildung in Italien ins Kalkül gezogen werden. Obwohl viele Ratsmitglieder den Beginn von Diskussionen über ein Ende der Anleihekäufe ankündigten und sich die Rhetorik im Vorfeld merklich verschärft habe, sei Mario Draghi gut beraten, seine Worte in der Pressekonferenz mit Bedacht zu wählen. Eine Änderung der Leitzinsen stehe eh nicht zur Debatte.

Am Primärmarkt würden die Niederlande eine 6-jährige DSL um 2,5 Mrd. Euro aufstocken, Finnland biete einen 16-jährigen Bond im Volumen von 1 Mrd. Euro an. Die Finanzagentur des Bundes sei mit einer Aufstockung der 10-jährigen Bundesanleihe um 2 Mrd. Euro am Start, Italien komplettiere den Emissionskalender. Das amerikanische Schatzamt versteigere heute 3- und 10- jährige Notes im Volumen von 32 bzw. 22 Mrd. USD. Morgen würden dann 30-jährige Bonds im Volumen von 14 Mrd. USD folgen.

Die DG Hyp habe 9-jährige Hypothekenpfandbriefe im Volumen von 500 Mio. Euro bei Midswap -7 BP begeben. Die EIB habe eine im September 2021 fällige Anleihe um 600 Mio. Euro bei Midswap -30 BP aufgestockt. (11.06.2018/alc/a/a)