Deutsche Renten in Warteposition


11.05.18 12:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach der Niveauverschiebung zum Jahreswechsel tritt der deutsche Rentenmarkt mehr oder weniger auf der Stelle, so Ulf Krauss von der Helaba.

Das Gravitationszentrum für die Rendite 10-jährigen Bunds habe sich im Bereich von etwa 0,6% etabliert. Zuletzt sei wieder ein leichter Zug nach oben spürbar. Grund hierfür dürfte der jüngste Rohölpreisanstieg sein. Die destabilisierte Lage im Nahen Osten stelle eine Gefahr für die weltweite Ölversorgung dar. Der seit Mitte 2017 bestehende Aufwärtstrend bei den Ölnotierungen sei intakt. Bisher hätten die Inflationserwartungen im Euroraum aber darauf kaum reagiert, sodass der Abstand mittlerweile beträchtlich sei. Viel brauche es daher vermutlich nicht, um den Inflationserwartungen einen Schub zu verpassen. Die Euro-Teuerung sei im April zwar auf 1,2% zurückgefallen, dies sei aber lediglich eine temporäre Entwicklung. Der Rückgang der Kernrate auf 0,7%, der auf einen gebremsten Anstieg der Dienstleistungspreise zurückzuführen sei, sollte bereits im Mai wieder neutralisiert sein.

Die Rendite 10-jähriger US-Treasuries halte sich zuletzt im Bereich von 3%. In unserem Modell für 10-jährige Bundesanleihen ergibt sich in Kombination mit dem aktuellen EZB-Einlagensatz von -0,4%, eine abgeleitete Rendite von 0,6%, was nahe der aktuellen Notierung liegt, so die Analysten der Helaba. Zu berücksichtigen ist dabei ein renditesenkender Effekt des EZB-Kaufprogramms, den die Analysten der Helaba auf etwa 0,7 Prozentpunkte taxieren. Ein Anstieg der US-Rendite auf 3,2%, wie von den Analysten für die nächsten Quartale prognostiziert, dürfte das Renditeniveau hierzulande auf 0,8% anheben. Der mit 245 Basispunkten größte Abstand zwischen den zehnjährigen Staatsanleihen seit Ende der 1980er Jahre signalisiere kaum noch vorhandenen Spielraum für eine weitere Spreadausweitung. Dabei sei ebenfalls das insgesamt nun deutlich niedrigere Zinsniveau zu berücksichtigen. Vor rund dreißig Jahren hätten die Renditen bei rund 9% bzw. 6% gelegen.

Trotz nachlassender Konjunkturstimmung scheine die EZB am avisierten Ende des Kaufprogramms im Herbst festhalten zu wollen. Der belgische Notenbankchef Jan Smets, ein EZB-Mitglied aus dem Taubenlager, habe zuletzt betont, dass die Konjunktur robust genug für diesen Schritt wäre und die EZB bald bereit sei, den Schwerpunkt ihrer Kommunikation auf mögliche Zinserhöhungen zu verlagern. Die Zinserhöhungserwartungen bei den Anlegern seien trotz schwächerer Konjunkturdaten zuletzt relativ stabil gewesen. Gleichzeitig würden Stimmungsindikatoren wie das Put/Call-Verhältnis beim Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) auf eine gewisse Anspannung bei den Investoren hinweisen. (11.05.2018/alc/a/a)