Commerzbank verbucht operatives Ergebnis von minus 277 Mio. Euro in Q1 - Anleihenews


13.05.20 09:15
anleihencheck.de

Bad Marienberg (www.anleihencheck.de) - Die Commerzbank (ISIN DE000CBK1001/ WKN CBK100) hat im ersten Quartal 2020 infolge der Corona-Krise ein Operatives Ergebnis von minus 277 Millionen Euro verbucht, so das Unternehmen in einer aktuellen Pressemitteilung. Näheres entnehmen Sie bitte dem Wortlaut der folgenden Pressemeldung:

Hier wirkten sich temporäre Bewertungseffekte und eine aufgrund der Corona-Pandemie gebuchte höhere Risikovorsorge negativ aus. Im Kundengeschäft verzeichnete die Bank jedoch eine gute Entwicklung und steigerte damit ihren Zins- und Provisionsüberschuss im Vergleich zum Vorjahresquartal insgesamt um 10 %. Ohne die Corona-bedingten Belastungen von insgesamt 479 Millionen Euro hätte die Bank operativ einen Gewinn von 202 Millionen Euro erzielt. Die harte Kernkapitalquote blieb trotz der Corona-Effekte mit 13,2 % auf einem komfortablen Niveau und bildet eine gute Basis für die Bewältigung der Krise sowie für die weitere Umsetzung der Strategie. Hier hat die Bank weitere Fortschritte gemacht. Die Komplettübernahme der comdirect befindet sich auf der Zielgeraden, nachdem der verschmelzungsrechtliche Squeeze-out bei der comdirect-Hauptversammlung beschlossen wurde. Zudem schloss die Commerzbank mit der erfolgreichen Übertragung der letzten Handelsbücher und Systeme an die Société Générale den Verkauf des Geschäftsbereichs Equity Markets & Commodities (EMC) vor wenigen Tagen wirtschaftlich ab. Derweil hat die Bank entschieden, den Verkauf der polnischen mBank angesichts der aktuellen Marktverwerfungen und mit Blick auf die eigene starke Kapitalposition nicht weiter zu verfolgen.

Mit Ausbruch der Pandemie hat die Commerzbank zahlreiche Maßnahmen für einen stabilen und sicheren Geschäftsbetrieb sowie zur Unterstützung der Kunden ergriffen. Auf dem Höhepunkt des Corona-Lockdowns arbeiteten rund 80 % der Beschäftigten im Homeoffice beziehungsweise an Ausweichstandorten. Dennoch waren auch während des Lockdowns mehr als 80 % der Filialen besetzt und mehr als 200 große Standorte regulär geöffnet. Seit Anfang Mai öffnet die Bank Schritt für Schritt weitere Filialen. Zudem sind alle Selbstbedienungszonen offen. Insgesamt gingen mehr als 18.000 Finanzierungs- und Informationsanfragen von Firmen- und Unternehmerkunden in Bezug auf die Krise bei der Commerzbank ein. Die Bank führte mit Firmen- und Unternehmerkunden weit mehr als 20.000 Beratungsgespräche zu Corona-Finanzierungen und stellte ihnen seit Beginn der Krise bis Ende April rund 11 Milliarden Euro zusätzlicher Liquidität im In- und Ausland zur Verfügung. Außerdem genehmigte die Commerzbank bereits in den ersten sieben Wochen der Krise rund 2.500 KfW-Kreditanträge mit einem Volumen von knapp 4 Milliarden Euro. Bis Ende April stundete die Commerzbank mehr als 20.000 Kredite an Privat- und Firmenkunden mit einem Volumen von gut 2,5 Milliarden Euro. Zugleich erreichten die Nutzerzahlen bei den digitalen Angeboten Höchstwerte. Das Kundenwachstum lief dabei weiter - pro Woche gewann die Bank im ersten Quartal dieses Jahres durchschnittlich rund 10.000 neue Kunden vor allem über Onlinekanäle dazu.

"Wir befinden uns in einer historischen Ausnahmesituation. Die Corona-Pandemie stellt die Welt und unser Wirtschaftssystem auf eine Belastungsprobe, wie wir sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gesehen haben. Bei der Bewältigung dieser Krise kommt Banken eine Schlüsselrolle zu, indem sie Liquidität bereitstellen und ihren Kunden so durch diese schwere Zeit helfen. Dieser Verantwortung stellen wir uns und haben bereits rund 11 Milliarden Euro an zusätzlicher Liquidität bereitgestellt", sagte Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank. "Mit unserer starken Bilanz sowie unserer komfortablen Liquiditäts- und Kapitalposition sind wir gut aufgestellt, die deutsche Wirtschaft mit voller Kraft zu unterstützen."

Die Erträge im Konzern profitierten im ersten Quartal vom guten Kundengeschäft. Der Zinsüberschuss legte um gut 7 % zu, das Provisionsergebnis wuchs dank eines ausgezeichneten Wertpapierhandels um mehr als 14 %. Dem standen vor allem vorübergehend negative Bewertungseffekte auf Absicherungsgeschäfte für Kunden und für das eigene Geschäft in Höhe von 295 Millionen Euro gegenüber. Grund dafür war die hohe Marktvolatilität. Bei einer Stabilisierung der Märkte dürften sich die Bewertungen dieser Derivate wieder erholen. In Summe beliefen sich die Erträge im ersten Quartal 2020 auf 1.853 Millionen Euro (Q1 2019: 2.157 Millionen Euro).

Die Verwaltungsaufwendungen sanken auf 1.804 Millionen Euro (Q1 2019: 1.832 Millionen), wobei die operativen Kosten um 4 % auf 1.503 Millionen Euro reduziert werden konnten (Q1 2019: 1.567 Millionen Euro). Hier wirkten vor allem ein effektives Kostenmanagement und Fortschritte beim Stellenabbau. Per Ende März 2020 lag die Zahl der Vollzeitstellen im Konzern bei 39.800, das sind rund 1.200 weniger als ein Jahr zuvor. Für den weiteren Stellenabbau im Zuge der Strategie "Commerzbank 5.0" hat die Bank im April wie angekündigt ein neues Altersteilzeitprogramm gestartet. Auf der anderen Seite stiegen die Belastungen aus Pflichtbeiträgen im ersten Quartal auf 301 Millionen Euro (Q1 2019: 265 Millionen Euro). Grund dafür war die deutlich höhere europäische Bankenabgabe, die vollständig im ersten Quartal gebucht wurde.

Das Risikoergebnis vervierfachte sich getrieben von der Corona-Pandemie auf minus 326 Millionen Euro (Q1 2019: minus 78 Millionen Euro). Davon sind 185 Millionen Euro auf die Krise zurückzuführen. Neben tatsächlichen Verlusten von 74 Millionen Euro infolge der Pandemie zeigen sich hier vor allem zusätzliche Buchungen in Höhe von 111 Millionen Euro für derzeit erwartete künftige Ausfälle. Dies berücksichtigt die derzeit absehbaren Belastungen ebenso wie die umfangreichen staatlichen Hilfsprogramme. Insgesamt erwies sich das Kreditbuch dank des massiven Risikoabbaus in den vergangenen Jahren mit einer Quote der Problemkredite von weiterhin niedrigen 0,8 % als gesund.

Das Operative Ergebnis lag bei minus 277 Millionen Euro (Q1 2019: 246 Millionen Euro). Die Corona-Effekte im Risikoergebnis und bei den Wertberichtigungen schlugen zusammen mit 479 Millionen Euro negativ zu Buche. Das Vorsteuerergebnis belief sich auf minus 233 Millionen Euro (Q1 2019: 227 Millionen Euro). Es beinhaltet einen Sondererlös aus dem EMC-Verkauf. Das den Commerzbank-Aktionären zurechenbare Konzernergebnis betrug minus 295 Millionen Euro (Q1 2019: 122 Millionen Euro).

Die harte Kernkapitalquote (Common-Equity-Tier-1-Quote/CET-1-Quote) lag per Ende März trotz gestiegener risikogewichteter Aktiva auch aufgrund der Kreditnachfrage im Firmenkundensegment bei starken 13,2 % (Ende Dezember 2019: 13,4 %; März 2019: 12,7 %). Die Leverage Ratio lag bei 4,7 % (März 2019: 4,5 %) und damit klar über den Anforderungen. Die Liquiditätsdeckungsquote (Liquidity Coverage Ratio/LCR) von 130 % per Ende März übertraf ebenfalls alle regulatorischen Anforderungen deutlich und belegt die komfortable Liquiditätsposition der Bank.

"Dank der sehr weitreichenden Maßnahmen der Bundesregierung rechnen wir damit, dass deutsche Unternehmen, die einen Großteil unseres Geschäfts ausmachen, vergleichsweise gut durch die Krise kommen werden", sagte Bettina Orlopp, Finanzvorständin der Commerzbank. "Wir haben ein gesundes Kreditbuch und der Anteil gefährdeter Kredite liegt seit Jahren unter dem deutschen und europäischen Durchschnitt. So können wir auch weitere Auswirkungen der Pandemie abfedern. Zugleich werden wir unser Kostenmanagement in diesem Jahr intensivieren. Denn Kosteneffizienz und leistungsfähige digitale Strukturen sind gerade in diesen Zeiten essenziell."

Entwicklung der Segmente

Das Segment Privat- und Unternehmerkunden (PUK) verzeichnete im operativen Geschäft ein ausgezeichnetes Quartal in allen Konzernbereichen. Die Erträge stiegen um 10 % auf 1.317 Millionen Euro (Q1 2019: 1.201 Millionen Euro). Dazu trug insbesondere der starke Wertpapierhandel bei, der den Provisionsüberschuss um 25 % steigen ließ. Zudem gewann das Segment trotz der Corona-Einschränkungen in Deutschland netto 142.000 Kunden hinzu, vor allem durch Onlineabschlüsse. Das Volumen der Baufinanzierungen konnte um 7 % auf 82,2 Milliarden Euro gesteigert werden. Im Ratenkreditgeschäft stieg das Volumen auf 3,8 Milliarden Euro (Ende 2019: 3,7 Milliarden Euro).

Das Risikoergebnis des Segments PUK erhöhte sich auf minus 160 Millionen Euro (Q1 2019: minus 52 Millionen Euro). Davon entfielen 83 Millionen Euro auf die mBank. In Summe kompensierten die Ertragszuwächse das höhere Risikoergebnis, so dass das Operative Ergebnis auf 150 Millionen Euro (Q1 2019: 153 Millionen Euro) stabil blieb. Ohne die Corona-Effekte von insgesamt 62 Millionen Euro hätte das Operative Ergebnis des Segments bei 212 Millionen Euro gelegen.

Das Segment Firmenkunden konnte im ersten Quartal dieses Jahres trotz der Pandemie die Erträge im direkten Kundengeschäft im Vergleich zum Vorjahresquartal und zum vierten Quartal 2019 weitgehend stabil halten. Das Kreditvolumen mit Firmenkunden stieg im Quartalsdurchschnitt wegen des höheren Finanzierungsbedarfs auf 89 Milliarden Euro. Aufgrund der volatilen Märkte führte die Bewertung von Absicherungsinstrumenten für Kunden zu vorübergehend negativen Ergebniseffekten. Insgesamt erzielte das Segment im ersten Quartal Erträge von 747 Millionen Euro (Q1 2019: 860 Millionen Euro).

Das Risikoergebnis im Firmenkundensegment erhöhte sich auf minus 166 Millionen Euro (Q1 2019: minus 28 Millionen Euro). Davon sind 122 Millionen Euro auf Corona-Folgen zurückzuführen - 61 Millionen Euro auf tatsächliche Corona-bedingte Ausfälle und weitere 62 Millionen Euro für künftig erwartete Ausfälle. In Summe lag das Operative Ergebnis des Segments bei minus 114 Millionen Euro (Q1 2019: 119 Millionen Euro). Ohne die Corona-Belastungen beim Risikoergebnis und bei den Bewertungseffekten von zusammen 201 Millionen Euro hätte das Segment einen Operativen Gewinn von 86 Millionen Euro erzielt.

Im Bereich Sonstige und Konsolidierung verbuchte die Bank im ersten Quartal ein Operatives Ergebnis von minus 313 Millionen Euro (Q1 2019: minus 19 Millionen Euro). Grund sind auch hier temporäre Effekte bei der Bewertung langfristiger Absicherungsgeschäfte für Zins- und Währungsrisiken im März, die im April zum Teil wieder ausgeglichen wurden.

Ausblick

Die Commerzbank wird auch in Zeiten von Corona an der Seite ihrer Kunden stehen. Die Bank wird ihr Geschäftsmodell weiterentwickeln und dabei auch die Erfahrungen aus der Krise berücksichtigen. Ein konkreter Ausblick ist angesichts der Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie schwierig. Unter der Annahme, dass die Wirtschaft nach einem rund zweimonatigen Lockdown Schritt für Schritt wieder hochfährt und es zu keinem zweiten Lockdown kommt, erwartet die Bank, dass sie die Erträge im Kundengeschäft ohne den Einfluss von Sonder- und Bewertungseffekten im Geschäftsjahr 2020 weitgehend stabil halten kann. Dank des intensivierten Kostenmanagements strebt die Bank eine Kostenbasis auf dem Niveau des Geschäftsjahres 2019 an, nun aber inklusive der IT-Investitionen von bis zu 0,2 Milliarden Euro im Rahmen von "Commerzbank 5.0". Beim Risikoergebnis erwartet die Commerzbank Belastungen zwischen 1,0 Milliarden und 1,4 Milliarden Euro. Angesichts der Reduktion der regulatorischen Mindestkapitalanforderungen um 55 Basispunkte passt die Bank ihr Ziel für die harte Kernkapitalquote von mindestens 12,75 % auf mindestens 12,5 % zum Jahresende an. Dies gibt der Bank mit Blick auf die aktuelle Kernkapitalquote von 13,2 % Spielräume, um zusätzliche Geschäftschancen zu nutzen. (13.05.2020/alc/n/a)





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