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Bundesrepublik Deutschland weiterhin mit Bestnote - Creditreform Rating bestätigt AAA mit stabilem Ausblick


19.04.21 11:00
Creditreform Rating AG

Neuss (www.anleihencheck.de) - Deutschlands AAA-Rating wird durch ein außergewöhnlich starkes makroökonomisches Leistungsprofil gestützt, das auf einer großen, diversifizierten und widerstandsfähigen Volkswirtschaft mit einem hohen Maß an Wettbewerbsfähigkeit sowie einem starken Arbeitsmarkt beruht, so die Creditreform Rating AG.

Hinzu komme das hohe Wohlstandsniveau Deutschlands, das sich in einem Pro-Kopf-BIP von USD 54.076 (KKP) widerspiegele, welches zu den höchsten in der EU zähle. Im Hinblick auf die mittelfristigen Aussichten sehe Creditreform Rating einige Herausforderungen in Bezug auf die Geschwindigkeit und Durchdringung der digitalen Transformation, insbesondere im Bereich Bildung und öffentliche Verwaltung. Auch der Übergang zur Elektromobilität im Automobilsektor sei mit Herausforderungen verbunden und könnte das mittelfristige Wachstum etwas beeinträchtigen, ebenso wie die erwartete ungünstige demografische Entwicklung.

Die Ratingagentur bewerte den außerordentlich starken institutionellen Rahmen nach wie vor als eine weitere wichtige Stärke des Landes, einschließlich der Vorteile aus der Integration in die EU und die Eurozone. Die Geldpolitik werde von der äußerst glaubwürdigen EZB bestimmt, die auch für die Aufsicht über die systemrelevanten Finanzinstitute zuständig sei. Trotz der Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Ausgang der bevorstehenden Bundestagswahl erwarte Creditreform Rating, dass eine neue deutsche Regierung konsensorientiert bleibe und durch ein hohes Maß an politischer Berechenbarkeit gekennzeichnet sein werde. Zudem würden die Analysten eine starke Fähigkeit und Bereitschaft sehen, strukturelle Herausforderungen anzugehen.

Creditreform Rating betrachte den stabilen Abwärtstrend der deutschen Staatsschuldenquote vor dem Ausbruch der Corona-Krise und den daraus resultierenden erheblichen fiskalischen Spielraum, der die Regierung in eine relativ gute Position zur Bekämpfung der Krise versetzt habe, sowie die bestehende Selbstverpflichtung zu einer mittelfristigen Haushaltskonsolidierung als wichtige Elemente, die Risiken bezüglich der Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen entgegenstünden.

Die derzeitige Ungewissheit über die Konstellation der nächsten Regierung ändere an dieser Einschätzung nichts Grundsätzliches, zumal die Schuldenbremse, welche die fiskalische Tragfähigkeit seit ihrer Einführung begünstigt habe, im Grundgesetz verankert sei. Während die sehr hohe Schuldentragfähigkeit weiterhin einen wichtigen Pfeiler zur Abmilderung fiskalischer Risiken darstelle, würden ein hohes Niveau öffentlicher Garantien sowie der aus der demographischen Entwicklung resultierende Ausgabendruck mittelfristig eine Herausforderung darstellen.

Da der relativ hohe Offenheitsgrad der deutschen Wirtschaft und deren tiefe Integration in globale Wertschöpfungsketten Deutschland im Allgemeinen anfällig gegenüber außenwirtschaftlichen Schocks machen würden, würden die Analysten von Creditreform Rating die beträchtlichen externen Puffer Deutschlands als risikobegrenzend ansehen. Dank seiner wettbewerbsfähigen, exportorientierten Wirtschaft weise Deutschland einen anhaltend hohen Leistungsbilanzüberschuss auf, der Deutschlands Position als großer Nettogläubiger gegenüber dem Ausland stütze.

Der Ratingausblick für die Bundesrepublik Deutschland sei stabil. Creditreform Rating sehe die aktuellen Abwärtsrisiken, insbesondere hinsichtlich der makroökonomischen Entwicklung und der fiskalischen Aussichten, durch die wirtschaftliche Diversifizierung und Widerstandsfähigkeit Deutschlands sowie durch die hohe Qualität der institutionellen Rahmenbedingungen kompensiert, neben den hervorgehobenen Faktoren, die die fiskalischen Nachhaltigkeitsrisiken mindern würden. Zudem werde betont, dass die Einschätzung und Interpretation der wirtschaftlichen Entwicklung weiterhin deutlich anspruchsvoller sei als unter normalen Umständen, ebenso wie die anderer Indikatoren, insbesondere aus dem fiskalischen Bereich.

Jedoch könnte Creditreform Rating das Rating oder den Ausblick herabsetzen, wenn es deutlich länger dauere, die Ausbreitung des Virus unter Kontrolle zu bringen, was zu stärkeren und langwierigeren negativen Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft führen dürfte, als zum jetzigen Zeitpunkt angenommen. So könnte eine negative Ratingaktion ausgelöst werden, wenn die Analysten zu dem Schluss kommen würden, dass sich das mittelfristige Potenzialwachstum wesentlich verschlechtere, was zudem bedeute, dass die fiskalische Unterstützung möglicherweise länger fortgesetzt werden müsse und die Mittel, die für die Beschleunigung und Intensivierung der digitalen und grünen Transformation der Wirtschaft vorgesehen seien, möglicherweise dadurch aufgebraucht würden.

Abwärtsdruck auf das Rating oder auf den Ausblick könnte auch entstehen, wenn es - angesichts der hohen Handelsoffenheit und Integration Deutschlands in globale Wertschöpfungsketten - zu einer verzögerten wirtschaftlichen Erholung in der EU und/oder zu einer erneuten Abschwächung der Weltwirtschaft käme, möglicherweise inmitten einer erneuten Virusinfektionswelle. Zudem könnte Creditreform Rating auch eine negative Ratingaktion in Betracht ziehen, wenn sich die öffentlichen Finanzen über einen längeren Zeitraum hinweg weiter verschlechtern würden, möglicherweise zusätzlich belastet durch sich materialisierende Eventualverbindlichkeiten. (19.04.2021/alc/n/a)