Bundesanleihen zollen dem US-Renditeanstieg Tribut und setzen den Kursrückgang fort


05.10.18 11:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Anleger an den internationalen Finanzmärkten mussten sich nach dem rasanten Renditeanstieg am US-Bondmarkt zur Wochenmitte erst einmal neu sortieren, berichten die Analysten der Helaba.

Zinsängste hätten Dividendentitel belastet und Erholungsversuche schon im Keim erstickt. Im Vorfeld des US-Arbeitsmarktberichts, die ausgesprochen positiven Konjunkturaussichten von Notenbankchef Powell im Hinterkopf, seien Positionen zunächst einmal glattgestellt worden. Während sich der Euro knapp oberhalb von 1,15 Dollar stabilisiert habe, hätten sich die Bondmärkte nach dem Ausverkauf kaum erholen können.

Bundesanleihen würden dem Renditeanstieg in den USA Tribut zollen und hätten den Kursrückgang fortgesetzt. Anfangsverluste hätten jedoch im Handelsverlauf teilweise wieder aufgeholt werden können. 0,55 Prozent Rendite für 10-jährige Papiere habe einem ersten Angriff stand gehalten. Gerüchte, wonach die EZB bei Wiederanlage der Staatsanleihen aus ihrem Kaufprogramm längere Laufzeiten bevorzugen werde, hätten nur wenig geholfen. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Papieren habe sich um einen auf 60 BP verringert. 10-jährige Bonds aus Belgien (0,89%) und Frankreich (0,87%) hätten gegen vergleichbare deutsche Staatsanleihen knapp einen halben BP aufgeholt. Die Aufstockung französischer OATs sei problemlos verlaufen und habe mit 8,8 Mrd. Euro knapp den geplanten Höchstbetrag von 9 Mrd. Euro erreicht.

Anleihen der EU-Peripherie hätten sich angesichts der Kompromissbereitschaft der italienischen Regierung im Haushaltsstreit in stabiler Verfassung gezeigt. Die Renditen seien nicht so stark wie in den Kernländern gestiegen. Allerdings würden sich Investoren angesichts latenter Sorgen über eine drohende Herabstufung Italiens durch S&P bzw. Moody's Ende des Monats weitestgehend bedeckt halten. Für die Versteigerung neuer 3-jähriger SPGBs sowie die Aufstockung der im Juli 2028 bzw. Januar 2029 fälligen Papiere seien keine weiteren Zugeständnisse notwendig gewesen. Die anvisierten 5,5 Mrd. Euro hätten mühelos eingesammelt werden können. Der Risikoabstand 10-jähriger spanischer (1,56%) und portugiesischer Bonds (1,90%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 4 bzw. 5 BP ermäßigt, italienische Anleihen (3,32%) hätten 6 BP aufgeholt.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen nicht weiter gestiegen. Trotz guter Wirtschaftsdaten hätten Aktiennotierungen nachgegeben, Anleihekurse aber nur stabilisieren können. Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (207K) und Industrieaufträge im August (2,1%) würden sich mit den Konjunkturprognosen von US-Notenbankchef Powell decken. Nach dem Kursrutsch vom Vortag hätten Shorteindeckungen überwogen. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe sich auf 30 BP ausgeweitet. In Fernost würden US-Treasuries trotz schwacher Vorgaben von den asiatischen Aktienmärkten nur knapp behauptet tendieren.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (158,05) habe 35 Stellen verloren, Bobl (130,45) und Schatz (111,75) seien 10 bzw. 1,5 Ticks niedriger aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,53% gestiegen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 105 BP ausgeweitet. 10-jährige US-Treasuries würden 2 BP niedriger bei 3,19% rentieren. Der Euro klettere auf 1,151 Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle auf 74,8 Dollar.

Zum Wochenschluss richte sich die Aufmerksamkeit auf den US-Arbeitsmarktbericht. Aufgrund der bisherigen Vorgaben sei die Erwartungshaltung schon recht hoch und könne schwerlich überboten werden. Erwartet werde ein Anstieg der offenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft von 184.000, ein Rückgang der Arbeitslosenquote auf 3,8% sowie eine Zunahme der durchschnittlichen Stundenlöhne um 0,3% (2,8% YoY). Das US-Handelsbilanzdefizit (-53,5 Mrd. USD) sowie die Auftragseingänge bei der heimischen Industrie (0,8%/-3%) würden den Datenkranz abrunden.

Am Primärmarkt seien heute keine Transaktionen staatlicher europäischer Schuldner geplant. Am kommenden Dienstag würden die Niederlande die im Januar 2047 fällige DSL um 1 Mrd. Euro aufstocken. Zur Wochenmitte biete die Finanzagentur des Bundes 3 Mrd. Euro der 10-jährigen Bundesanleihe an. Italien mit BTPs im Volumen von etwa 7 Mrd. Euro und möglicherweise auch Portugal mit etwas über einer Mrd. Euro nähmen den Markt ebenfalls in Anspruch. Das amerikanische Schatzamt versteigere 3-, 10- und 30-jährige Staatsanleihen. (05.10.2018/alc/a/a)