Bundesanleihen unter erheblichem Druck


15.05.18 10:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Eskalation der Gewalt im Gaza-Streifen infolge der Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem mahnt die Anleger zur Zurückhaltung, berichten die Analysten der Helaba.

Ein Sorgenvoller Blick sei auch gen Italien gegangen, wo sich die Bildung einer Euro-kritischen Regierungskoalition zwischen Fünf Sterne und Lega Nord abzeichne. Der DAX habe die Marke von 13.000 Punkten nicht halten können, die Abschläge hätten sich jedoch in Grenzen gehalten. Allerdings sei das Sicherheitsbedürfnis nicht stark genug gewesen, dem Renditeanstieg Einhalt zu gebieten. Der außergewöhnlich hohe Lohnabschluss im Baugewerbe habe Inflationsängste geschürt, der französische Notenbankchef Villeroy de Galhau habe mit seiner Erwartung, die EZB werde Zinserhöhungen "zügig" nach Ende der Anleihekäufe einleiten, noch mehr Öl ins Feuer gegossen.

Bundesanleihen seien infolge dessen unter erheblichen Druck geraten und hätten am Ende deutliche Abschläge verkraften müssen. Umsätze hätten überwiegend an der Terminbörse stattgefunden und seien von größeren Verkaufsblöcken in Bund-Futures angeführt worden. In der Kasse sei es verhältnismäßig ruhig geblieben. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Bundestiteln habe sich auf 67 BP ermäßigt. 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,83%) und Belgien (0,86%) hätten ihren Abstand zu Bunds gehalten.

Anleihen aus der EU-Peripherie hätten sich im Gleichschritt mit ihren Pendants aus den Kernländern bewegt. Der Risikoaufschlag 10-jähriger spanischer (1,32%), italienischer (1,92%) und portugiesischer Bonds (1,69%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen nur geringfügig verändert.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen ebenfalls gestiegen. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe bei 27 BP verharrt. In Fernost würden US-Treasuries trotz überwiegend negativer Vorgaben von den asiatischen Aktienbörsen weiter nachgeben.

Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)- (158,27) und Bobl-Kontrakt (130,82) hätten 65 bzw. 25 Stellen verloren, der Schatz (111,88) sei 3,5 Ticks niedriger aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,61% gestiegen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich um 3 auf 117 BP ausgeweitet. 10-jährige US-Treasuries würden 6 BP höher bei 3,02% rentieren. Der Euro verbillige sich auf 1,192 US-Dollar, der Preis für das Barrel Öl steige unverdrossen weiter auf 71 US-Dollar.

Heute warte ein prall gefüllter Datenkalender auf die Marktteilnehmer. Vorläufige Wachstumszahlen des ersten Quartals aus Deutschland (0,4%/2,4%) und der Eurozone (0,4%/2,5%) stünden dabei an erster Stelle. Die Verlangsamung des Wachstumstempos dürfte mit einer schwächeren ZEW-Umfrage einhergehen. Lagebeurteilung (85,2 nach 87,9) und Erwartungshaltung (-8,2) sollten mehr oder weniger deutlich unter den Vormonatswerten liegen. Produktionszahlen des Euroraums im März (0,7%/3,7%), die endgültigen Verbraucherpreise Frankreichs im April (0,1%/1,8%) sowie die Arbeitslosenquote Großbritanniens für März (4,2%) runden hierzulande den Datenkranz ab, so die Analysten der Helaba.

Der Anstieg bei den Einzelhandelsumsätzen (0,3%; ex Autos 0,5%) in den Vereinigten Staaten sei dagegen größtenteils auf höhere Benzinpreise zurückzuführen und gebe nur wenig Aufschluss über das Konsumverhalten. Der Empire State Index (15 nach 15,8) liefere ein erstes Stimmungsbild des laufenden Monats aus dem Verarbeitenden Gewerbe im Distrikt New York. Der NAHB Wohnungsmarkt-Index (70) komplettiere die Datenflut.

Am Primärmarkt stocke die Finanzagentur des Bundes die 10-jährige Bundesanleihe am Mittwoch um 2 Mrd. Euro auf. Eine neue 8-jährige BTP Italia befinde sich im Bietungsprozess für Privatkunden, 7 Mrd. Euro sollten zusammengetragen werden. Frankreich sei in der zweiten Wochenhälfte mit 3- und 5-jährigen OATs sowie mehreren OAT-Linkern über insgesamt 8,5 Mrd. Euro aktiv. Gleichzeitig begebe Spanien eine neue 5-jährige Anleihe und stocke 8- sowie 10-jährige SPGBs um zusammen bis zu 5,3 Mrd. Euro auf. Der ESM habe eine 15-jährige Benchmarkanleihe angekündigt, die in Kürze begeben werde. (15.05.2018/alc/a/a)