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Bundesanleihen unter Druck


17.09.21 12:53
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Seit Anfang August, als die Kapitalmarktzinsen auf breiter Front wieder zu steigen begannen, legte die Rendite 10-jähriger Bunds per Saldo stärker zu als ihr US-Pendant, so Ulf Krauss von der Helaba.

Vor dem Hintergrund, dass die US-Notenbank wohl schneller als die EZB von ihrem extrem expansiven Kurs abweichen werde, sei dies eine ungewöhnliche Entwicklung. Auch gegenüber italienischen Staatsanleihen sei zuletzt eine Einengung der Renditedifferenzen festzustellen gewesen. Eine Erklärung könnte die ungewisse politische Lage im Vorfeld der deutschen Parlamentswahlen sein. Die Aussicht, dass sich Koalitionen bilden könnten, die ausgabenfreudiger ans politische Werk gehen würden als andere, scheine einige ausländische Investoren zu Gewinnmitnahmen zu bewegen, was die Kurse zuletzt unter Druck gesetzt habe.

Dies stelle allerdings keine grundsätzliche Neubewertung dar, wie die CDS der deutschen Staatsanleihen mit unveränderten Kreditausfallprämien anzeigen würden. Viele Länderprämien würden auf dem niedrigsten Stand seit der Euro-Staatsschuldenkrise, obwohl das Thema Verschuldung durch die explodierenden Ausgaben zur Bewältigung der Pandemie wieder ganz oben auf der Agenda stehe - oder eben doch nicht?

Die Notenbanken würden mit ihren Kaufprogrammen das Problem entschärfen. Inzwischen sei der Anteil der EZB am Volumen der umlaufenden Euro-Staatsanleihen auf über 36% geklettert. Vor Ausbruch der Pandemie habe der Quotient noch bei rund 25% gelegen. In Kombination mit den negativen Leitzinsen würden sich für die Euro-Staaten geradezu paradiesische Zustände ergeben. Infolge der Negativzinsen habe beispielsweise der Bund von Januar bis August durch seine Emissionen über 4 Mrd. Euro vereinnahmt. Ändere sich an diesen Bedingungen nichts Wesentliches, wofür die jüngsten Erklärungen von EZB-Verantwortlichen sprächen, so werde sich auch die Lage an der Schuldenfront nicht zuspitzen. Gleichwohl gebe es diese stabilen Verhältnisse nicht zum Nulltarif. Seien es bislang vor allem die Sparer gewesen, die unter diesen Umständen gelitten hätten, so würden durch die steigende Inflation inzwischen auch andere Bevölkerungsgruppen indirekt zur Kasse gebeten. Auch für die Eurostaaten und ihre Kommunen sehe die Bilanz nicht mehr ganz so rosig aus. Durch die deutlich steigenden Preise, insbesondere im Bausektor, würden auch für sie die Vorteile des billigen Geldes schrumpfen. (17.09.2021/alc/a/a)