Bundesanleihen setzen Kursrückgang fort - US-Bondrenditen steigen weiter


02.08.18 11:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der geldpolitische Rat der US-Notenbank (FOMC) hat wie erwartet die Leitzinsen nicht angerührt, berichten die Analysten der Helaba.

Auch die begleitenden Kommentare seien kaum verändert worden. Die nächsten Zinserhöhungen im September und Dezember würden mit Blick auf starkes Wachstum, robusten Arbeitsmarkt sowie Inflation im Zielgebiet das Basisszenario bleiben. Wie schon im Juni kommuniziert, dürfte die FED auch bei einer leichten Konjunkturabkühlung und einem weiteren Anstieg der Inflation nicht von ihrem Pfad gradueller Zinserhöhungen abweichen.

Unterdessen erhöhe US-Präsident Trump im Handelskrieg mit China den Druck. Er habe seinen Handelsbeauftragten Lighthizer angewiesen, die Erhöhung der geplanten Zölle auf chinesische Waren im Wert von 200 Mrd. USD zu prüfen.

Die Bank of Japan habe dagegen Problem, die Märkte nach der Ankündigung einer flexibleren Geldpolitik wieder einzufangen. Masayoshi Amamiya habe klargestellt, dass die Notenbank umgehend einem plötzlichen Renditeanstieg mit Käufen von Staatsanleihen entgegensteuern werde.

Hierzulande war die Stimmung bei den Einkaufsmanagern der Industrie Spaniens und Italiens im Juli schlechter als erwartet, so die Analysten der Helaba. Obwohl auch die Werte aus Deutschland nach unten revidiert worden seien, hätten die vorläufigen Umfragen für die Eurozone aber bestätigt werden können. Nach einer deutlichen Korrektur scheine sich der Index im Expansionsbereich zu stabilisieren, neue Wachstumsimpulse seien aber bisher nicht auszumachen.

Die US-Notenbank vor der Brust und die Bank of Japan im Nacken - keine guten Voraussetzungen für die Akteure an den Finanzmärkten. Trotz schwindender Risikobereitschaft angesichts der Eskalation im Handelskonflikt habe sich allerdings auch die Nachfrage nach Anleihen höchster Bonität in Grenzen gehalten.

Der Ausverkauf japanischer Staatsanleihen sei nicht spurlos an den hiesigen Bondmärkten vorübergegangen. Das zusätzliche Angebot neuer Anleihen habe zusätzlich belastet. Bundesanleihen hätten ihren Kursrückgang fortgesetzt. Die Aufstockung der 10-jährigen Bundesanleihe sei jedoch angesichts höherer Renditen bei einem 1,8fachen Nachfrageüberhang problemlos verlaufen. Nach kurzen und mittleren Titeln am Vortag hätten jetzt langlaufende Titel die Verliererlisten angeführt. Der Zinsabstand zwischen 10- und 30-jährigen Bundesanleihen habe bei 65 BP verharrt. 10-jährige Bonds aus Belgien (0,78%) und Frankreich (0,77%) hätten gegen Bunds gut einen BP verloren.

Zur Wochenmitte sei es mit der Herrlichkeit an den Rentenmärkten der EU-Peripherie schon wieder vorbei gewesen. Ohne Unterstützung aus den Heimatländern hätten Anleihen noch schwächer als Schuldverschreibungen der Kernländer tendiert. Der Risikoabstand 10-jähriger spanischer (1,45%), portugiesischer (1,77%) und italienischer Bonds (2,78%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 1,5 bis 2 BP ausgeweitet.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen trotz durchwachsender Konjunkturdaten weiter gestiegen. Der überraschend kräftige Beschäftigungsaufbau in der Privatwirtschaft (219K) eröffne dem US-Arbeitsmarktbericht positives Überraschungspotenzial. Der ISM-Index des Verarbeitenden Gewerbes habe sich dagegen stärker als erwartet auf 58,1 Punkte abgeschwächt. Auch die PKW-Absatzzahlen (16,68 Mio.) hätten nicht an die Prognosen herangereicht. Trotzdem habe sich die Wahrscheinlichkeit weitere Zinserhöhungen nach der Notenbanksitzung mit Verweis auf das starke Wachstum nochmals erhöht. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe sich um 1,5 BP auf 25,5 BP ausgeweitet. Erstmals seit dem 13. Juni habe die Rendite 10-jähriger Notes wieder die Renditemarke von 3% erreicht, sie aber im ersten Anlauf nicht knacken können. In Fernost würden Treasuries angesichts schwacher Vorgaben von den asiatischen Aktienbörsen wieder etwas Boden gutmachen.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (161,03) habe 56 Stellen verloren, Bobl (131,45) und Schatz (111,865) seien 17 bzw. 4 Ticks niedriger aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,48% gestiegen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 103 BP ausgeweitet. 10-jährige US-Treasuries würden 2 BP höher bei 2,99% rentieren. Der Euro verbillige sich auf 1,165 Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle auf 67 Dollar.

Mit der Bank of England rücke heute die letzte Notenbank in dieser Woche in den Fokus der Marktteilnehmer. Trotz aller Brexit-Sorgen sowie einer schwächelnden Industrie scheine eine Erhöhung des Leitzinses um 25 BP auf dann 0,75% beschlossene Sache und nur als Anpassung einer immer noch sehr expansiven Geldpolitik zu verstehen.

Datenseitig werde es vorübergehend etwas ruhiger. Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (215K) und Auftragseingänge bei der US-Industrie (0,7%) dürften aber im Vorfeld des US- Arbeitsmarktberichtes nur am Rande interessieren.

Am Primärmarkt biete Frankreich Anleihen mit Fälligkeiten 04/2029, 05/2031 und 05/2036 im Volumen von 5,5 bis 6,5 Mrd. Euro an. Spanien stocke Staatstitel fällig 01/2021, 07/2023 und 07/2028 um 3,5 bis 4,5 Mrd. Euro auf. Zusätzlich sollten Linker mit einer Laufzeit bis November 2030 über knapp 1 Mrd. Euro begeben werden. Die Weltbank habe eine 16-jährige Anleihe im Volumen von 750 Mio. Euro bei Midswap -14 BP begeben. Das Land Niedersachsen stocke in Kürze eine im Oktober 2025 fällige Schatzanweisung auf. (02.08.2018/alc/a/a)