Bundesanleihen profitieren von zunehmender Risikoaversion und nachlassenden Inflationssorgen


01.10.18 10:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die italienische Regierung bekam sehr schnell die Quittung für die Disziplinlosigkeit in ihrem Haushaltsentwurf, berichten die Analysten der Helaba.

Mit brutaler Konsequenz hätten Märkte den offensichtlichen Konfrontationskurs von Lega und Fünf-Sterne gegenüber der EU abgestraft. Der parteilose Finanzminister Tria habe die Umsetzung von teuren Wahlversprechen nicht verhindern können. Aus Enttäuschung über das geplante hohe Haushaltsdefizit von 2,4% hätten sich Anleger panisch von Aktien und Anleihen getrennt.

In der Konsequenz seien Gelder in sichere Anlagen umgeschichtet worden. Niedrigere Inflationszahlen in der Europa hätten die Bewegung verstärkt. Die Verbraucherpreise der Eurozone seien im September nach vorläufigen Berechnungen wie erwartet um 2,1% gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Die Kernteuerung (0,9%), ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise, sei jedoch überraschend gefallen und lasse keinen Inflationsdruck erkennen.

Bundesanleihen hätten von zunehmender Risikoaversion und nachlassenden Inflationssorgen profitiert. Ultralange Laufzeiten seien etwas ins Hintertreffen geraten. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Papieren habe sich auf 61 BP aus geweitet. 10-jährige Bonds aus Belgien (0,81%) und Frankreich (0,78%) hätten auf Bunds 1,8 bzw. 1,2 BP verloren.

Anleihen der EU-Peripherie hätten unter dem Eindruck des Kursrutsches in Italien gestanden. BTPs hätten schwere Verluste in einer Größenordnung von fast 40 BP verkraften müssen, die nur im ultralangen Segment mit einem Aufschlag von 25 BP etwas niedriger ausgefallen seien. Der Risikoabstand 10-jähriger spanischer (1,50%) und portugiesischer Bonds (1,87%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 5 bzw. 7 BP ausgeweitet, italienische Anleihen (3,14%) hätten 39 BP höher als Bunds rentiert.

Am US-Bondmarkt sei nichts von der Fluchtbewegung in Europa angekommen. Die Renditen seien trotz überwiegend schwächerer Konjunkturdaten gestiegen. Private Einkommen (0,3%) und Konsumausgaben (0,3%) hätten wie der PCE-Kerndeflator (0,1%/2%) im Rahmen der Erwartungen gelegen. Der Einkaufsmanagerindex für die Region Chicago (60,4 nach 63,6) und das endgültige Michigan-Sentiment (100,1 nach 100,8) seien zwar etwas schwächer ausgefallen, würden aber kaum Zweifel am weiteren Kur der Notenbank aufkommen lassen. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe sich auf 25 BP geweitet. In Fernost würden US-Treasuries angesichts freundlicher Notierungen der japanischen Aktienbörsen leicht nachgeben. Der PMI-Index für das Verarbeitende Gewerbe Chinas sei im September von 51,3 auf 50,8 gefallen. In Japan habe der Vergleichswert bei 52,5 Punkten stagniert. Der Tankan-Index im Verarbeitenden Gewerbe sei dagegen deutlich von 21 auf 19 Punkte gesunken. Die Börsen in China würden feiertagsbedingt bis zum 7. Oktober geschlossen bleiben.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (158,90) habe 43 Stellen zugelegt, Bobl (130,74) und Schatz (111,795) seien 19 bzw. 4,5 Ticks höher aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,47% gefallen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 99 BP ermäßigt. 10-jährige US-Treasuries würden 2 BP höher bei 3,07% rentieren. Der Euro verbillige sich auf 1,1595 Dollar, der Preis für das Barrel Öl steige auf 73,5 Dollar.

Die USA und Kanada hätten sich auf eine Neuauflage des Nafta-Abkommens mit Mexiko geeinigt. Als Teil des Vertrages würden keine Zölle auf Autos erhoben.

In der durch den Feiertag in Deutschland zweigeteilten Börsenwoche würden zunächst die Einkaufsmanager den Datenfluss dominieren. Zu Beginn würden die Umfragen im Verarbeitenden Gewerbe Spaniens (52,3) und Italiens (50) den Index für die Eurozone (53,3) finalisieren. Vergleichszahlen für Großbritannien (52,4 nach 52,8) würden mit Blick auf den nahenden Breit auf immer größeres Interesse treffen.

Neben der Arbeitslosenquote für die Eurozone (8,2%) würden dann am Nachmittag der ISM-Index für die Industrie (60,1 nach 61,3) in den Vereinigten Staaten sowie die dortigen PKW-Verkäufe (16,7 Mio.) veröffentlicht. Nach den Dienstleistern und Industrieaufträgen in Deutschlands und den USA warte dann mit dem US-Arbeitsmarktbericht das Datenhighlight am Freitag.

Am Primärmarkt starte die Woche am Dienstag mit der Aufstockung 5- und 10-jähriger österreichischer Staatsanleihen im Volumen von zusammen 1,3 Mrd. Euro. In der durch den Feiertag verkürzten Börsenwoche würden Spanien und Frankreich ihre Auftritte in der zweiten Hälfte planen. (01.10.2018/alc/a/a)