Bundesanleihen nachhaltig unter Druck


31.07.18 11:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Im Vorfeld der Notenbanksitzungen in Japan, Großbritannien und den USA war bei Anlegern Zurückhaltung angesagt, berichten die Analysten der Helaba.

Hartnäckige Gerüchte, die Bank of Japan werde nach ihrer Sitzung die ultralockere Geldpolitik anpassen, hätten sich jedoch nicht bestätigt. Die lasse den Leitzins unverändert bei -0,1% und verspreche, dass die Leitzinsen über "einen längeren Zeitraum" sehr niedrig bleiben würden. Nach Entspannung in Fernost seien jetzt die Augen auf das FOMC und die Bank of England gerichtet.

Ganz entspannt könne auch die EZB Verbraucherpreise für Juli aus Deutschland und Spanien bewerten. Unveränderte harmonisierte Jahresteuerungen von 2,3% bzw. 2,1% würden in der Eurozone bisher keinen zusätzlichen Preisdruck erkennen lassen. Nur die höheren Lohnabschlüsse könnten sich demnächst negativ auswirken.

Bundesanleihen seien nach freundlichem Start doch nachhaltiger unter Druck geraten. Die Tauschoperation eines größeren Blocks Bund-Future in BTP-Kontrakte zum Zeitpunkt der Auktion in Italien habe den Knoten gelöst. Die Umsätze an der Terminbörse hätten spürbar zugenommen. In der Kasse sei die Zentralbank im Rahmen ihrer Kaufprogramme in Erscheinung getreten. Der Zinsabstand zwischen 10- und 30-jährigen Bundesanleihen habe bei 66 BP verharrt. 10-jährige Bonds aus Belgien (0,75%) und Frankreich (0,74%) hätten nur geringfüge gegen Bunds verloren.

Anleihen der EU-Peripherie seien zum Wochenstart nahezu im Gleichschritt mit ihren Pendants aus den Kernländern gelaufen. Die Versteigerung neuer 10-jähriger BTPs im Volumen von 4 Mrd. Euro sowie die Aufstockung der im März 2023 fälligen Staatsanleihe um 2 Mrd. Euro habe nach anfänglichen Zugeständnissen den Markt vor keine Probleme gestellt. Die Nachfrage habe jedoch im Verlauf wieder nachgelassen.

PGBs hätten kleinere Gewinnmitnahmen verkraften müssen. Von der Absage der für Mitte August geplanten Auktionen spanischer Bonos habe sich der Markt unbeeindruckt gezeigt. Der Risikoabstand 10-jähriger spanischer (1,42%), portugiesischer (1,76%) und italienischer Bonds (2,78%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 1 bis 2 BP ausgeweitet.

Am US-Bondmarkt hätten sich die Renditen trotz schlechter Stimmung im Technologiesektor nur wenig bewegt. In Fernost würden Treasuries dagegen nach der Entscheidung der Bank of Japan, an ihrer ultralockeren Geldpolitik festzuhalten, deutlich zulegen. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries ermäßige sich geringfügig um einen halben BP auf 24,5 BP.

Die Ankündigung, bis zu 56% mehr auf den Topix basierte ETFs kaufen zu wollen, habe nur kurz beflügelt. An den asiatischen Aktienbörsen mache sich nach schwachen Konjunktur- und Stimmungsindikatoren schnell wieder Ernüchterung breit. Die Industrieproduktion Japans (-2,1%/-1,2%) habe im Juni auf ganzer Linie enttäuscht. Die Stimmung bei den Einkaufsmanagern im Verarbeitenden Gewerbe Chinas (51,2 nach 51,5) habe sich im Juli weiter eingetrübt. Im Dienstleistungssektor (54,9 nach 55) sei der Rückgang noch stärker als erwartet ausgefallen.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (161,61) habe 52 Stellen verloren, Bobl (131,69) und Schatz (111,935) seien 17 bzw. 2,5 Ticks niedriger aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,44% gestiegen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 102,5 BP geweitet. 10-jährige US-Treasuries würden 2 BP niedriger bei 2,94% rentieren. Der Euro klettere auf 1,171 Dollar, der Preis für das Barrel Öl steige auf 69,8 Dollar.

Nach den Vorgaben einzelner Volkswirtschaften falle es schwer, für die Eurozone zusätzlichen Preisdruck auszumachen. Die Schätzungen der Verbraucherpreise im Juli lägen stabil bei 2%, nur in der Kernteuerung (1%) zeichne sich ein leichter Anstieg ab. Gleichzeit würden erste Prognosen für das Wachstum im 2. Quartal (0,2%) veröffentlicht. Eine leichte Abschwächung gegenüber dem Vorjahr (2,2%) sollte nicht wirklich überraschen. Die Anzahl der Arbeitslosen in Deutschland sollte im Juli um knapp 50,000 auf rund 2,32 Mio. Menschen gestiegen sein.

In den USA stünden private Einkommen (0,4%) und Konsumausgaben (0,4%) sowie der Preisindikator für Konsumausgaben (0,1%/2,3%; Kernrate 0,1%/2%) im Mittelpunkt des Interesses.

Der Einkaufsmanagerindex für die Region Chicago (61,8 nach 64,1) liefere einen Vorgeschmack auf den ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe am Mittwoch. Das Verbrauchervertrauen des Conference Board (126,5 nach 126,4) runde den Datenkranz ab.

Am Primärmarkt seien heute keine Transaktionen staatlicher europäischer Schuldner geplant. Zur Wochenmitte stocke die Finanzagentur des Bundes die 10-jährige Bundesanleihe um 3 Mrd. Euro auf. Frankreich werde am kommenden Donnerstag Anleihen mit Fälligkeiten 04/2029, 05/2031 und 05/2036 um 5,5 bis 6,5 Mrd. Euro anbieten. Spanien emittiere Anleihen mit Laufzeiten 01/2021, 07/2023 und 07/2028 im Volumen von 3,5 bis 4,5 Mrd. Euro. Die wieder anzulegenden Fälligkeiten und Tilgungen italienischer und spanischer Staatsanleihen sollten die Platzierung erheblich erleichtern. (31.07.2018/alc/a/a)