Bundesanleihen leiden unter modertaten Gewinnmitnahmen - US-Bondrenditen steigen wieder


10.07.18 09:43
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Regierungskrise in Großbritannien spitzt sich weiter zu, berichten die Analysten der Helaba.

Nachfolger des jetzt auch zurückgetretenen Außenministers Boris Johnson werde der bisherige Gesundheitsminister Hunt. Im Streit um die Brexit-Politik von Premierministerin May habe Johnson in einem Brief geschrieben, der Traum vom Brexit sterbe gerade und die Chance auf Wiedererlangung der Demokratie sei vertan. Es bleibe abzuwarten, ob sich Theresa May gegen die Hardliner in ihrer Partei durchsetzen könne. Im Herbst sollte das Abkommen über den EU-Austritt stehen, allein der Glaube fehle.

In den USA habe Donald Trump den Konservativen Brett Kavanaugh als Richter am Obersten Gerichtshof vorgeschlagen. Sollte der Senat zustimmen, verschiebe sich das politische Kräfteverhältnis weiter nach rechts.

Trotz latenter Sorgen über eine Eskalation im Handelskonflikt mit den USA hätten Anleger an den internationalen Aktienmärkten ihre Bedenken zur Seite geschoben. Unverändert positive Wachstumsaussichten bei nur moderatem Preisdruck würden ein gutes Investitionsklima schaffen. Zudem sei das Twitter-Account des US-Präsidenten zum Wochenstart stumm geblieben. Mit seinem Besuch in London bzw. seiner Teilnahme am Nato-Gipfel dürfte es sich dabei allerdings nur um eine kleine Verschnaufpause handeln.

Trotz zunehmender Risikobereitschaft hätten sich die Kursabschläge bei qualitativ hochwertigen Zinspapieren in Grenzen gehalten. Bundesanleihen hätten zum Wochenstart unter modertaten Gewinnmitnahmen gelitten. Betroffen gewesen seien überwiegend lange und ultralange Fälligkeiten. Die Zinsstruktur zwischen 10- und 30-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 72 BP ausgeweitet. Umsätze seien weiter Mangelware geblieben. 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,63%) und Belgien (0,67%) hätten gegen Bunds knapp einen BP aufgeholt.

Anleihen der EU-Peripherie hätten mit wachsendem Risikoappetit Boden gutgemacht. Der Risikoabstand 10-jähriger italienischer (2,66%) und portugiesischer Anleihen (1,76%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 7 bzw. 5 BP ermäßigt, spanische Bonds (1,29%) hätten 3 BP gutgemacht.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen zum Wochenauftakt mit nachlassender Risikoaversion wieder gestiegen. Der Renditeabstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe sich geringfügig auf 21 BP ausgeweitet. In Fernost würden US-Treasuries angesichts überwiegend freundlicher Vorgaben von den asiatischen Aktienbörsen knapp behauptet tendieren. Die chinesischen Verbraucherpreise seien im Juni wie erwartet um 1,9% gegenüber dem Vorjahr gestiegen, die Erzeugerpreise hätten mit einem Anstieg von 4,7% deutlich über den Prognosen gelegen.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (162,55) habe 23 Stellen verloren, Bobl (132,10) und Schatz (112,045) seien 8 bzw. 2 Ticks niedriger aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,30% gestiegen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe bei 95 BP verharrt. 10-jährige US-Treasuries würden 2 BP höher bei 2,86% rentieren. Der Euro verbillige sich auf 1,174 Dollar, der Preis für das Barrel Öl steige auf 74,3 Dollar.

Produktionszahlen aus Frankreich (0,6%/0,5%) und Italien (0,8%/2,7%) würden weitere Einzelheiten für den Gesamtüberblick in der Eurozone liefern. Auch Vergleichszahlen aus Großbritannien (0,5%/1,9%) würden positives Überraschungspotenzial bergen. Die ZEW-Umfrage dürfte indes angesichts der Verschärfung des Handelskonflikts und der Regierungskrise in Deutschland eher enttäuschen. Lagebeurteilung (78,2 nach 80,6) und Erwartungshaltung (-18,5 nach -16,1) sollten gleichermaßen niedriger ausfallen.

Am Primärmarkt stocke die Finanzagentur des Bundes zwei Bund-Linker mit Fälligkeiten 2030 und 2046 um insgesamt 750 Mio. Euro auf. Die Niederlande würden eine 10-jährige Anleihe im Volumen von 2,5 Mrd. Euro verkaufen. Das amerikanische Schatzamt biete 3-jährige Notes im Volumen von 33 Mrd. US-Dollar an. Zur Wochenmitte gebe es dann eine neue 10-jährige Bundesanleihe im Volumen von 4 Mrd. Euro. Portugal stocke 10- und 16-jährige PGBs um insgesamt 1 Mrd. Euro auf. Die KfW habe eine 15-jährige Anleihe um 1 Mrd. Euro bei Midswap -17 BP aufgestockt. Hypo Vorarlberg habe das Mandat für einen 8-jährigen österreichischen Covered Bond im Volumen von 500 Mio. Euro vergeben. Die Bayerische Landesbank habe unter anderen die Helaba mit der Begebung eines 9-jährigen Öffentlichen Pfandbriefs mandatiert. Der EFSF stocke die im Februar fällige Anleihe auf und emittiere eine neue 35-jährige Benchmarkanleihe. (10.07.2018/alc/a/a)