Bundesanleihen konnten von Stimmungseintrübung auf dem Parkett nicht profitieren


05.11.18 12:15
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Beim EBA-Stresstest haben deutsche Banken vergleichsweise gut abgeschnitten, so die Analysten der Helaba.

Nur bei Nord LB und der Deutschen Bank seien Kernkapitalquoten wie erwartet signifikant zurückgegangen. Sorgenkinder würden mit Blick auf hohe Bestände heimischer Staatsanleihen und ausfallgefährdete Darlehen italienische Banken bleiben. Am schlechtesten habe jedoch die britische Großbank Barclays abgeschnitten.

Die Stimmung bei den Einkaufsmanagern des Verarbeitenden Gewerbes in Spanien (51,8 nach 51,4) habe sich überraschend aufgehellt, in Italien (49,2 nach 50) habe die konjunkturelle Dynamik im Oktober allerdings weiter abgenommen. Der Rutsch in den Kontraktionsbereich verschlechtere zusehends die Position der italienischen Regierung bei den Verhandlungen mit der EU-Kommission im Haushaltsstreit.

Überlagert worden seien die Daten aber von der Aussicht auf eine Einigung im Handelsstreit zwischen China und den USA. Rechtzeitig vor den Zwischenwahlen habe der US-Präsident seine Mitarbeiter beauftragt, einen entsprechenden Entwurf für das Treffen mit dem chinesischen Staatschef Ende des Monats vorzubereiten. Allerdings sei die gute Laune an den Aktienmärkten zunehmenden Zinsängsten zum Opfer gefallen. Der robuste US-Arbeitsmarktbericht lasse keinen Zweifel an weiteren Zinsschritten der Notenbank aufkommen. Auch die jetzt in Kraft getretenen Strafmaßnahmen der USA gegen den Iran würden Anlegern nicht schmecken. Sanktionen könnten auch deutsche Unternehmen bei Verstößen den Zugang zum US-Finanzsystem abschneiden.

Bei dieser Gemengelage wundere es nicht, dass die Gewinne an den Aktienmärkten im Verlauf abgeschmolzen seien. Während der DAX einen kleinen Gewinn ins Ziel gerettet habe, habe der Dow Jones im Minus geschlossen. Abschläge würden heute in Asien deutlich kräftiger ausfallen.

Bundesanleihen seien mit Fortdauer der freundlichen Stimmung an den Aktienbörsen weiter ins Hintertreffen geraten und hätten auch nicht von der Stimmungseintrübung auf dem Parkett profitieren können. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Papieren habe sich geringfügig auf 64 BP ausgeweitet. 10-jährige Bonds aus Belgien (0,81%) und Frankreich (0,78%) hätten ihren Abstand zu Bunds gehalten. Negativ sei die Ankündigung des hohen Emissionsvolumens von 9 Mrd. Euro französischer Staatsanleihen ins Gewicht gefallen, das u. a. der Aufstockung der im April 2041 fälligen OAT geschuldet sei.

Anleihen der EU-Peripherie hätten sich aufgrund der Nachfrage nach italienischen Staatstiteln besser gehalten als ihre Pendants aus den Kernländern. Umsätze seien in einem von hoher Nervosität geprägten Handel überschaubar geblieben. Die Ankündigung des spanischen Tresoro, in dieser Woche Anleihen der Fälligkeiten 2021, 2023, 2037 und 2066 aufzustocken, habe die Gewinne aufgezehrt. Der Risikoabstand 10-jähriger italienischer Anleihen (3,32%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 810 BP ermäßigt. Spanische (1,56%) und portugiesische Bonds (1,86%) hätten gegen Bunds nur wenig aufgeholt.

Die Renditen für US-Staatsanleihen seien angesichts des erwartet robusten Arbeitsmarktberichtes weiter gestiegen. Die Zahl der offenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft (250K) habe die Prognosen übertroffen, die Arbeitslosenquote verharre auf dem tiefsten Stand seit 48 Jahren bei 3,7%. Der Lohnanstieg um 0,2% gegenüber September zusammen mit dem starken Schub in der Jahresrate (3,1% nach 2,8%) halte die US-Notenbank auf Kurs.

Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries weite sich auf 42 BP aus. In Fernost würden US-Treasuries angesichts schwacher Vorgaben von den asiatischen Aktienbörsen gut behauptet tendieren. US-Wirtschaftsberater Kudlow habe Erwartungen an das Treffen zwischen Trump und Xi Jinping gedämpft.

In Japan sei der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe im Oktober deutlich von 50,2 auf 52,4 Punkte gestiegen.

Der Bund-Kontrakt (ISIN: DE0009652644, WKN: 965264) (159,54) habe 49 Stellen verloren, Bobl (131,25) und Schatz (111,945) seien 14 bzw. 5 Ticks niedriger aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,43% gestiegen, der Renditeabstand zwischen 2-und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 104,5 BP ausgeweitet.10-jährige US-Treasuries würden 4 BP höher bei 3,21% rentieren. Der Euro verbillige sich auf 1,139 Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle auf 62,8 Dollar.

Am Dienstag würden die Zwischenwahlen zum US-Kongress stattfinden. Die Chancen für die Demokraten stünden ganz gut, eine Mehrheit in der Repräsentantenhaus zu stellen. Allerdings müssten sie im Senat mehr Sitze verteidigen als die Republikaner. Die Aussichten für eine Mehrheit seien hier deutlich schlechter einzuschätzen, zumal Donald Trump mit der Stimmungsmache in Handelsstreit erfolgreich Wahlkampf betreibe.

Am Donnerstag trete der geldpolitische Rat der US-Notenbank zu seiner turnusmäßigen Sitzung zusammen. Trotz des Korrekturmodus an den Aktienmärkten liefere die US-Wirtschaft keine Anzeichen, die eine Änderung der geldpolitischen Ausrichtung rechtfertigen würden. Der robuste Arbeitsmarkt und zunehmender Lohndruck würden zudem nach der erwarteten Zinserhöhung im Dezember weitere Schritte im Laufe des kommenden Jahres erwarten lassen.

Zum Wochenauftakt stünden der Einkaufsmanagerindex des Servicesektors Großbritanniens (53,4 nach 53,9) sowie der ISM-Index im Dienstleistungssektor (59,4 nach 61,6) der Vereinigten Staaten zur Veröffentlichung an. Im Verlauf richte sich das Augenmerk auf Auftragseingänge und Produktionszahlen.

Am Primärmarkt stocke die Finanzagentur des Bundes zur Wochenmitte die 10-jährige Bundesanleihe um 3 Mrd. Euro auf. Frankreich (9 Mrd. Euro) mit überwiegend langen und ultralangen Laufzeiten (2026, 2028, 2030 und 2041) sowie Spanien (2021,2023, 2037 und 2066 über 4 Mrd. Euro) seien in der zweiten Wochenhälfte am Zug. Das amerikanische Schatzamt versteigere in der kommenden Woche 3-, 10- und 30-jähriger Treasuries im Volumen von 37, 27 bzw. 19 Mrd. USD. (05.11.2018/alc/a/a)