Bundesanleihen mit kleinen Kursgewinnen


30.07.18 09:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das vorläufige Bruttoinlandsprodukt des 2. Quartals Frankreichs bestätigt, dass angesichts des verhaltenen Wachstums die EZB nicht in Zugzwang kommt, berichten die Analysten der Helaba.

Etwas größere Sorgen würden da schon die deutlich höheren Preise für nach Deutschland eingeführte Waren bereiten, die gegenüber dem Vorjahr um 4,8% teurer geworden seien.

In den Vereinigten Staaten hätten dagegen die Wachstumszahlen für den gleichen Zeitraum im Rahmen der optimistischen Vorhersagen gelegen. Getragen worden sei der starke Aufschwung vom privaten Konsum, der im 2. Quartal um 4% zugelegt habe. Der Preisindex bei 3% lasse zudem die Vermutung zu, dass die US-Notenbank die Zinsen in diesem Jahr noch zwei Mal anhebe.

An den Finanzmärkten habe die gute Stimmung der Vortage ins Wochenende gerettet werden können. Erleichterung über die Entspannung im Handelsstreit mit den USA habe Anleger aber dennoch nicht zu Sorglosigkeit verführt. Staatsanleihen bester Bonität seien gut unterstützt geblieben.

Bundesanleihen hätten begleitet von sehr dünnen Umsätzen innerhalb sehr enger Spannen gehandelt und die Börsenwoche mit kleinen Kursgewinnen beendet. Vor den Notenbanksitzungen in den USA und Japan hätten sich die meisten Anleger bedeckt gehalten. Der Zinsabstand zwischen 10- und 30-jährigen Bundesanleihen habe bei 66 BP verharrt. Das französische Schatzamt kündige an, am kommenden Donnerstag Anleihen mit Fälligkeiten 04/2029, 05/2031 und 05/2036 um 5,5 bis 6,5 Mrd. Euro aufzustocken. 10-jährige Bonds aus Belgien (0,70%) und Frankreich (0,70%) hätten ihren Abstand zu Bunds gehalten.

Anleihen der EU-Peripherie hätten zum Wochenschluss ein uneinheitliches Bild geboten. BTPs hätten verschnupft auf Pläne vom Gründer der 5-Sterne-Bewegung Grillo zum Ausstieg aus der Euro-Zone reagiert. SPGBs hätten kleinere Kursgewinne wieder abgegeben, nachdem die Sozialisten von Ministerpräsident Sanchez eine Abstimmung über die Reduzierung des Haushaltsdefizits im Parlament verloren hätten. Nur PGBs hätten sich in unverändert robuster Verfassung gezeigt. Der Risikoabstand 10-jähriger spanischer (1,37%) und italienischer Bonds (2,74%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 1 bzw. 4 BP ausgeweitet, der portugiesischer Anleihen (1,71%) habe sich um 2 BP verringert.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen trotz erfreulicher Konjunkturdaten leicht gestiegen. Der BIP-Anstieg im 2. Quartal habe allerdings nicht ganz die Erwartungen erfüllt. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe sich geringfügig um einen BP auf 25 BP ausgeweitet. In Fernost würden Treasuries trotz überwiegend schwächerer Vorgaben von den asiatischen Aktienbörsen etwas nachgeben. In Japan beginne die 2-tägige Sitzung der Bank of Japan, Spekulationen über eine Anpassung der Geldpolitik würden sich hartnäckig halten.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (162,13) habe 14 Stellen zugelegt, Bobl (131,86) und Schatz (111,96) seien 4 bzw. einen halben Tick höher aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,40% gefallen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 100 BP verringert. 10-jährige US-Treasuries würden 2 BP niedriger bei 2,96% rentieren. Der Euro stehe unverändert bei 1,165 Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle auf 68,9 Dollar.

Der Datenkalender sei in dieser Woche prall gefüllt und halte für jeden Geschmack etwas bereit. Neben den Stimmungsberichten der Einkaufsmanager des Verarbeitenden Gewerbes und aus dem Dienstleistungssektor dies- und jenseits des Atlantiks sei in erster Linie der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag zu nennen. Preisdaten für die Eurozone würden Datenkranz abrunden. Heute gehe es beschaulich mit dem Wirtschaftsvertrauen der Eurozone (112 nach 112,3) und ersten Verbraucherpreisen aus den Bundesländern los. Für Deutschland werde ein monatlicher Anstieg von 0,4% sowie eine Jahresrate von 2,1% erwartet. Schwebende Hausverkäufe in den USA (0,4%) würden den ersten Handelstag der Woche beschließen.

Am Mittwoch tage der geldpolitische Rat der US-Notenbank. Nach sieben Zinsschritten in Folge stelle sich für viele Marktbeobachter die Frage, wo die Notenbank den neutralen Zins sehe. Die hohen Wachstumszahlen des 2. Quartals würden sich sicherlich nicht fortschreiben lassen, Neutralität könnte aber dennoch im Bereich 3% liegen. Die nächsten Zinserhöhungen im September und Dezember scheinen mit Blick auf Arbeitsmarkt und Inflationsentwicklung ausgemacht, danach werden Prognosen schwieriger, so die Analysten der Helaba.

Mit der Bank of England stehe eine zweite Notenbank unter Zugzwang. Trotz aller den Brexit-Diskussionen geschuldeter Unsicherheiten scheine eine Erhöhung des Leitzinses um 25 BP beschlossene Sache.

Zu guter Letzt würden sich auch in Japan hartnäckig Spekulationen halten, die Bank of Japan könne ihren ultralockeren geldpolitischen Pfad am Dienstag verlassen und das Renditeziel für 10-jährige JGBs von nahe 0% anheben. Inflationsraten, die das selbst gesteckte 2%-Ziel weit verfehlen würden, würden jedoch gegen einen solchen Schritt sprechen.

Am Primärmarkt begebe Italien heute neue 10-jährige BTPs im Volumen von 3 bis 4 Mrd. Euro und stocke die im März 2023 fällige Staatsanleihe um 1,5 bis 2 Mrd. Euro auf. Zur Wochenmitte stocke die Finanzagentur des Bundes die 10-jährige Bundesanleihe um 3 Mrd. Euro auf. Die zweite Wochenhälfte sei für Frankreich und Spanien reserviert. (30.07.2018/alc/a/a)