Bundesanleihen geben anfängliche Gewinne schnell wieder ab


01.08.18 09:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Preisdruck in der Eurozone nimmt langsam zu, berichten die Analysten der Helaba.

Die Inflationsprognose für Juli habe mit einer Jahresbasis von 2,1% die Erwartungen übertroffen, auch ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise sei die Rate von 0,9% im Vormonat auf jetzt 1,1% gestiegen. Das BIP im 2. Quartal (0,3%/2,1%) signalisiere dagegen abnehmende Dynamik und enttäusche die Märkte.

Nachdem die Entspannung in Fernost nur kurz gehalten habe, seien jetzt die Augen auf das FOMC gerichtet. Heute tage der geldpolitische Rat der US-Notenbank. Nach sieben Zinsschritten in Folge stelle sich für viele Marktbeobachter die Frage, wo die Notenbank den neutralen Zins sehe. Die hohen Wachstumszahlen des 2. Quartals würden sich sicherlich nicht fortschreiben lassen, Neutralität könnte aber dennoch im Bereich 3% liegen. Die nächsten Zinserhöhungen im September und Dezember scheinen mit Blick auf Arbeitsmarkt und Inflationsentwicklung ausgemacht, danach werden Prognosen schwieriger, so die Analysten der Helaba.

Die der japanischen Notenbank geschuldete Erholung am deutschen Rentenmarkt sei nicht nachhaltig gewesen. Bundesanleihen hätten anfängliche Gewinne recht schnell wieder abgegeben. Eine flexiblere Ausgestaltung der Geldpolitik der Bank of Japan könnte doch als erstes Indiz für einen bevorstehenden Kurswechsel gesehen werden. Kürzere Laufzeiten seien stärker unter Druck geraten, ultralange Laufzeiten seien besser gesucht gewesen. Der Zinsabstand zwischen 10- und 30-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 65 BP ermäßigt. 10-jährige Bonds aus Belgien (0,75%) und Frankreich (0,74%) hätten knapp einen BP gegen Bunds gutgemacht.

Anleihen der EU-Peripherie hätten sich besser als ihre Pendants aus den Kernländern gehalten. Im Fokus hätten besonders BTPs gestanden, die nach überstandenen Auktionen von dem Überhang aus Fälligkeiten und Tilgungen (29 Mrd. Euro) profitiert hätten. Der Risikoabstand 10-jähriger spanischer (1,39%), portugiesischer (1,72%) und italienischer Bonds (2,71%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 2, 3 bzw. 6 BP ermäßigt.

Am US-Bondmarkt würden Staatsanleihen die Kursgewinne des Vortages wieder abgeben und ihren Renditeanstieg nach überwiegend positiven Konjunkturdaten fortsetzen. Private Einkommen (0,4%), Konsumausgaben (0,4%) sowie der Preisindikator für Konsumausgaben (0,1%/2,2%; Kernrate 0,1%/1,9%) hätten nur wenig von den Prognosen abgewichen. Dagegen werde die Stimmung bei den Einkaufsmanagern in der Region Chicago (65,5 nach 64,1) ungeachtet der Eskalation im Handelsstreit mit China immer besser und liefere eine Steilvorlage für den ISM-Index des Verarbeitenden Gewerbes. Das Verbrauchervertrauen des Conference Board (127,4 nach 127,1) dokumentiere die ungebrochene Konsumbereitschaft. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries ermäßige sich geringfügig um einen halben BP auf 24 BP. In Fernost würden Treasuries angesichts der freundlichen Entwicklung am japanischen Rentenmarkt weiter nachgeben. Die Entscheidung der BoJ, ihre Geldpolitik künftig flexibler gestalten zu wollen, lasse die Renditen für Staatsbond kräftig steigen.

In China belaste neben einem schwächeren Caixin-PMI für das Verarbeitende Gewerbe (50,8 nach 51) die Drohung von Donald Trump, die Strafzölle auf chinesische Waren im Volumen von 200 Mrd. USD von den geplanten 10 auf 25 Prozent erhöhen zu können.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (161,59) habe 2 Stellen verloren, Bobl (131,62) und Schatz (111,905) seien 7 bzw. 3 Ticks niedriger aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei bei 0,44% geblieben, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 101 BP verringert. 10-jährige US-Treasuries würden 3 BP höher bei 2,97% rentieren. Der Euro verbillige sich auf 1,168 Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle auf 68,4 Dollar.

Während Anleger auf den Ausgang der US-Notenbanksitzung warten würden, könnten Stimmungsbilder der Einkaufsmanager aus der Industrie Spaniens (53 nach 53,4) und Italiens (53 nach 53,3) die Zeit verkürzen. Die endgültigen Umfragewerte für die Eurozone (55,1) dürften sie kaum beeinträchtigen. Vergleichszahlen aus Großbritannien (54,3 nach 54,4) sowie der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe der USA (59,2 nach 60,2) würden diesen Themenblock abrunden.

Der ADP-Report (186K) liefere eine letzte Indikation für den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag. Die PKW-Absatzzahlen (17,05 Mio.) in den Vereinigten Staaten würden den Datenkranz komplettieren.

Am Primärmarkt stocke die Finanzagentur des Bundes die 10-jährige Bundesanleihe um 3 Mrd. Euro auf. Frankreich werde am Donnerstag Anleihen mit Fälligkeiten 04/2029, 05/2031 und 05/2036 um 5,5 bis 6,5 Mrd. Euro anbieten. Spanien emittiere Anleihen mit Laufzeiten 01/2021, 07/2023 und 07/2028 im Volumen von 3,5 bis 4,5 Mrd. Euro. Die im März 2023 fällige Anleihe der EIB sei um 500 Mio. Euro bei Midswap -27 BP aufgestockt worden. (01.08.2018/alc/a/a)