Bundesanleihen bleiben erste Wahl


07.12.18 09:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Im Oktober sind bei der Industrie in Deutschland mehr Aufträge (+0,3%) eingegangen als ursprünglich angenommen, berichten die Analysten der Helaba.

Im Jahresverlauf habe sich der Rückgang auf 2,7% statt der erwarteten 3,1% belaufen. Für die heute anstehenden Produktionszahlen seien dies nicht die schlechtesten Voraussetzungen.

An den internationalen Finanzmärkten sei die Stimmung aber angespannt geblieben. Die erneute Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China, angefacht durch die Verhaftung der Tochter des Huawei-Gründers Ren Zhengfei, habe die Verkaufswelle aus Asien auf die europäischen Aktienbörsen überschwappen lassen.

Öl ins Feuer goss zudem die OPEC, die sich angesichts einer Abkühlung der Weltkonjunktur über Förderkürzungen berieten und den Ölpreis deutlich nach unten drückte, so die Analysten der Helaba. Über allem würden Befürchtungen schweben, die Brexit-Abstimmung im britischen Unterhaus am kommenden Dienstag könne in einem Desaster enden. Heute gehe es auf dem CDU-Parteitag um die Nachfolge von Angela Merkel als Parteivorsitzende.

In dem von hoher Risikoaversion dominierten Umfeld seien Bundesanleihen erste Wahl geblieben. Die Verluste des Vortages seien angeführt von langen und ultralangen Laufzeiten mehr als wettgemacht und in satte Gewinne umgemünzt worden. Die Bundesbank habe ihre hohe Schlagzahl im Rahmen ihrer Ankaufprogramme beibehalten. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Papieren habe sich auf 64 BP verringert. 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,66%) hätten gegen vergleichbare Belgier (0,72%) trotz einer erfolgreichen Versteigerung von OATs mittlerer Laufzeiten knapp einen BP verloren. Dank lebhafter Nachfrage habe das angestrebte Volumen von 4 Mrd. Euro problemlos erreicht werden können.

Anleihen der EU-Peripherie hätten angeführt von italienischen BTPs gegen ihre Pendants aus den Kernländern deutlich an Boden verloren. Der Rückkauf von kurzlaufenden Floatern und Staatsanleihen bei gleichzeitiger Aufstockung 3-jähriger BTPs sei im Markt auf wenig Verständnis gestoßen. Zwischen Ankauf am Morgen und der Platzierung am Nachmittag hätten satte 20 BP gelegen. Der Renditeaufschlag 10-jähriger italienischer Staatsanleihen (3,20%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 20 auf 296,5 BP ausgeweitet. Spanische (1,46%) und portugiesische Bonds (1,805%) hätten bei feiertags bedingt ruhigem Geschäft 4 bzw. 5 BP gegen Bunds verloren.

Am US-Bondmarkt seien am Ende nur noch kurze Laufzeiten als sicherer Hafen gefragt gewesen. Längere Fälligkeiten würden nach dem beeindruckenden Renditerückgang der jüngsten Vergangenheit eine Verschnaufpause einlegen. Mit der Aufholjagd an den Aktienbörsen, die der Hoffnung auf Zurückhaltung der US-Notenbank mit weiteren Zinserhöhungen geschuldet gewesen sei, hätten Kursgewinne nicht gehalten werden können. 10-jährige Notes hätten im Tief 7 BP niedriger unter 2,825% rentiert.

Konjunkturdaten seien durchwachsen ausgefallen und hätten kaum eine Rolle gespielt. Der Stellenaufbau in der Privatwirtschaft (179K) habe die Erwartungen nur knapp verfehlt und dürfte die Prognosen für einen robusten Arbeitsmarktbericht nicht infrage stellen. Der ISM-Index für den Servicesektor (60,7 nach 60,3) steige entgegen der Erwartungen und untermauere das intakte Wachstumsszenario. Das Handelsbilanzdefizit sei im Oktober (-55,5 Mrd. USD) auf den höchsten Stand seit zehn Jahren gestiegen, die Auftragseingänge der Industrie (-2,1%) seien weniger stark gesunken.

Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries weite sich auf 40 BP aus. In Fernost würden US-Treasuries trotz überwiegend freundlicher Vorgaben von den asiatischen Aktienbörsen gut behauptet tendieren.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) (163,55) habe 70 Stellen zugelegt, Bobl- (132,54) und Schatz-Kontrakt (111,955) seien 24 bzw. 4 Ticks höher aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,24% gefallen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 86 BP ermäßigt. 10-jährige US-Treasuries würden einen BP höher bei 2,89% rentieren. Der Euro klettere auf 1,137 Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle auf 51,1 Dollar.

Die bessere Auftragslage lasse darauf hoffen, dass auch die Industrieproduktion in Deutschland im Oktober (0,3%/2,1%) wieder Fuß gefasst habe. Das Hauptaugenmerk liege aber auf dem US-Arbeitsmarktbericht.

Die Zahl der offenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft (200K), Arbeitslosenquote (3,7%) und durchschnittliche Stundenlöhne (0,3%/3,1%) dürften allerdings bei der allgemeinen Gemengelage kaum das Anlegerverhalten beeinflussen. Die Umfragen der University of Michigan zum Verbrauchervertrauen würden einen vorläufigen Blick auf die Stimmung in der Vorweihnachtszeit liefern.

Am Primärmarkt stünden heute keine Transaktionen staatlicher europäischer Schuldner auf der Agenda. Kommende Woche stocke einzig die Finanzagentur des Bundes 2-jährige Bundesschatzanweisungen um 3 Mrd. Euro auf. (07.12.2018/alc/a/a)