Bundesanleihen: Unerwartete Abschwächung des deutschen Wirtschaftswachstums verunsichert Anleger nicht


18.05.18 13:30
Börse Stuttgart

Stuttgart (www.anleihencheck.de) - Die Kurse deutscher Bundesanleihen sind zu Beginn der Woche eingebrochen, so die Börse Stuttgart.

Vor allem Vorgaben aus den USA hätten auf die Kurse gedrückt. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future sei am Dienstag bis auf ein Tagestief von 157,61 Prozentpunkten gesunken, habe jedoch am Mittwoch zu einer leichten Gegenbewegung angesetzt. Die unerwartete Abschwächung des deutschen Wirtschaftswachstums habe die Anleger nicht verunsichern können.

Laut einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen. Im vierten Quartal 2017 habe sich die Wirtschaftsleistung noch um 0,6 Prozent erhöht, im dritten Quartal um 0,7 Prozent. Damit habe die deutsche Wirtschaft zum Jahresbeginn zwar an Schwung verloren, dennoch sei das BIP zum 15. Mal in Folge gegenüber dem Vorquartal gestiegen. Deutschland befinde sich damit in der längsten Aufschwungphase seit 1991.

Für Beunruhigung sorge hingegen der Blick in die Türkei: Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan habe für Aufsehen durch die Ankündigung gesorgt, die Notenbank im Falle eines Wahlsiegs im kommenden Monat stärker unter seine Fittiche nehmen zu wollen. Damit wolle er bezwecken, dass sie seiner vielfach geäußerten Forderung niedrigerer Zinsen folge. Die türkischen Finanzmärkte seien nach diesen Aussagen am Dienstag unter Druck geraten. Die schon seit März angeschlagene Türkische Lira sei sowohl zum Euro als auch zum Dollar auf ein Rekordtief gefallen.

Außerdem sei die Rendite türkischer Staatspapiere mit zehnjähriger Laufzeit auf einen Rekordwert von 14,29 Prozent gestiegen. Hintergrund sei die hohe Inflationsrate in der Türkei: Im April sei diese auf knapp 11 Prozent angestiegen. Erdogan wolle trotz steigender Inflation verhindern, dass die Zinsen angehoben würden. Damit setze er jedoch eine Spirale in Gang: Wenn die Zinsen nicht angehoben würden, werde auch die Inflation weiter ansteigen und die Abwertung der Lira beschleunigt. Die US-Ratingagentur S&P habe Anfang Mai die Bewertung der türkischen Kreditwürdigkeit auf "BB-" gesenkt - unter anderem aufgrund der hohen Inflation. (Ausgabe 19 vom 18.05.2018) (18.05.2018/alc/a/a)