Bundesanleihen: Nachfrage hochgehalten


03.12.18 10:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Verbraucherpreise in der Eurozone sind im November auf 2% gesunken, berichten die Analysten der Helaba.

Auch der Rückgang der Kernrate auf 1,0% lasse keinen Inflationsdruck erkennen. Die deutlich gestiegenen Importpreise in Deutschland würden jedoch eine andere Sprache sprechen.

Vor dem Wochenende habe angesichts ungelöster Fragen im Zollstreit zwischen den USA und China Vorsicht das Anlegerverhalten dominiert. Beim G20-Gipfel in Buenos Aires hätten sich US-Präsident Trump und sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping aber fast schon überraschend angenähert. Die Volksrepublik werde Zölle auf US-Autos senken und Einfuhren aus den USA erhöhen, Amerika dafür vorerst auf weitere Erhöhungen verzichten. Der Waffenstillstand sei zunächst auf 90 Tage ausgelegt, in denen weitere Konzessionen verhandelt werden sollten.

Am Dienstag seien dann die Chefs der großen deutschen Autobauer ins Weise Haus geladen, um ihrerseits die Einführung von Strafzöllen zu verhindern. BMW und Daimler hätten bereits angekündigt, Teile der Produktion in die USA zu verlegen.

Die italienische Regierung habe angekündigt, die geplante Sozial- und Rentenreform um einige Monate verschieben zu wollen, um so dem Korrekturbedarf der EU gerecht zu werden und ein Defizitverfahren abzuwenden. Angesichts der schrumpfenden Wirtschaft im 3. Quartal und kaum einzuhaltender Wachstumsversprechen wundere die neue Kompromissbereitschaft nicht.

Die Entspannung an einigen Fronten sowie die Aussicht auf einen etwas weniger steilen Zinserhöhungspfad in den USA dürfte zum Wochenauftakt mit erhöhter Risikobereitschaft einhergehen und die Aktienmärkte befeuern.

Die unsichere Lage und hohe Nervosität hätten auch zum Wochenschluss die Nachfrage nach Bundesanleihen hochgehalten. Hinzu hätten sich intensive Aktivitäten der Bundesbank gesellt, die im Vorlauf auf das nahende Jahresende ihre Ankaufsbemühungen verstärkt habe. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Papieren habe sich auf 68 BP ausgeweitet. 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,68%) und Belgien (0,75%) hätten ihren Abstand zu Bunds gehalten.

Anleihen der EU-Peripherie hätten mit schwindender Risikobereitschaft moderate Gewinnmitnahmen verkraften müssen. Der Renditeaufschlag 10-jähriger italienischer Staatsanleihen (3,21%) weite sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 3 BP auf 290 BP aus. Spanische (1,50%) und portugiesische Bonds (1,82%) hätten geringfügig gegen Bunds verloren.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen zum Wochenschluss trotz zunehmender Risikoneigung und guter Stimmung in der Industrie weiter leicht gefallen. Der Einkaufsmanagerindex für die Region Chicago (66,4 nach 58,4) sei überraschend deutlich gestiegen und liefere gute Vorgaben für den heutigen ISM-Index. Heute in Fernost würden US-Treasuries nach dem Waffenstillstand im Handelsstreit und daraus resultierender freundlicher Vorgaben von den asiatischen Aktienbörsen deutlich nachgeben. Betroffen seien überwiegend kurze und mittlere Laufzeiten. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries verringere sich um 3 auf 45 BP. An Nyse und NASDAQ finde am Mittwoch, den 05.12. zum Andenken an den verstorbenen EX-Präsidenten George H.W. Bush kein Handel statt. In China habe sich der Caixin-PMI-Index für das Verarbeitende Gewerbe (50,2) knapp im Expansionsbereich gehalten. In Japan sei der PMI-Index für die Industrie im November von 51,8 auf 52,2 Punkte gestiegen.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) (161,48) habe 19 Stellen zugelegt, Bobl- (131,93) und Schatz-Kontrakt (112) seien 5 Ticks höher bzw. unverändert aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,31% gefallen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 91 BP verringert. 10-jährige US-Treasuries würden 2 BP höher bei 3,04% rentieren. Der Euro verbillige sich auf 1,136 Dollar, der Preis für das Barrel Öl steige auf 53,5 Dollar.

In dieser Börsenwoche würden zunächst Stimmungsindikatoren dies- und jenseits des Atlantiks den Datenkalender dominieren. Den Auftakt würden die Einkaufsmanager des Verarbeitenden Gewerbes aus Spanien (51,5) und Italien (49) machen, die in die Gesamtbetrachtung für die Eurozone (51,5) einfließen würden. Vergleichszahlen aus Großbritannien (52 nach 51,1) sowie der vergleichbare ISM-Index (58 nach 57,7) und PKW-Absatzzahlen in den Vereinigten Staaten (17,1 Mio.) würden den Datenkranz komplettieren. Einkaufsmanager aus dem Dienstleistungssektor sowie Auftragseingänge der Industrie in Deutschland und den USA würden die Wartezeit auf den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag verkürzen. Wirtschaftsdaten dürften künftig noch genauer unter die Lupe genommen werden, da die US-Notenbank den künftigen geldpolitischen Kurs auf Sicht steuern werde. Anzeichen für einen Konjunktureinbruch seien allerdings nicht zu erwarten.

Am Primärmarkt stehe die kommende Woche ganz im Zeichen des Angebotes aus Spanien (4,8 Mrd. Euro 10/2021, 07/2023 und 07/2028) und Frankreich (6 Mrd. Euro 05/2025, 04/2026 und 11/2026). (03.12.2018/alc/a/a)