Bundesanleihen: Konsolidierung beendet - Kursrückgang fortgesetzt


08.11.18 11:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die deutsche Industrieproduktion hat im September mit einem Anstieg von 0,2% und einer Jahresrate von 0,8% positiv überrascht, berichten die Analysten der Helaba.

Die Perspektiven für das 4. Quartal würden besser wenngleich die Bäume nicht in den Himmel wachsen.

Beherrschendes Thema sei jedoch das Wahlergebnis in den Vereinigten Staaten geblieben. Erleichterung, dass die Republikaner zumindest ihre Mehrheit im Senat hätten verteidigen können, habe die Aktienhändler euphorisiert. Dow Jones sowie S&P 500 seien nach dem von vielen erwarteten Wahlausgang über 2 Prozent auf den höchsten Stand seit einem Monat gestiegen und hätten die großen Finanzmärkte in ihren Bann gezogen.

Die Bondmärkte seien allerdings nach anfänglichen Freudensprüngen recht schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt. Spätestens nach dem FOMC-Meeting heute Abend dürfte allen klar werden, dass der Zinsanpassungsprozess angesichts guter Konjunkturprognosen, enger Arbeitsmärkte und steigender Löhne noch lange nicht abgeschlossen sei.

Mit dem Stimmungsumschwung am amerikanischen Rentenmarkt drehten auch hiesige Zinspapiere ins Minus, so die Analysten der Helaba. Bundesanleihen hätten ihre Konsolidierung beendet und den Kursrückgang fortgesetzt. Die Aufstockung der 10-jährigen Bund sei bei einem 1,41fachen Nachfrageüberhang allerdings noch geräuschlos verlaufen. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Papieren habe sich geringfügig auf 64 BP ausgeweitet. Die heute anstehenden Versteigerungen in Frankreich, Spanien und Irland hätten einige Zugeständnisse erfordert. Dennoch hätten 10-jährige Bonds aus Belgien (0,84%) und Frankreich (0,81%) ihren Abstand zu Bunds verteidigt.

Anleihen der EU-Peripherie seien zur Wochenmitte anfangs wieder besser gesucht gewesen. Andeutungen einzelner Notenbank-Gouverneure, die Banken bei Bedarf Liquidität in Form von zinsgünstigen Krediten (TLTRO) in Aussicht gestellt hätten, hätten die Risikobereitschaft erhöht. Die Hoffnung auf ein Einlenken der italienischen Regierung im Haushaltsstreit habe BTPs angeschoben. Der Risikoabstand 10-jähriger italienischer Staatsanleihen (3,33%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 8 BP ermäßigt. Spanische (1,60%) und portugiesische Bonds (1,92%) hätten sich nahezu im Gleichschritt mit Bunds bewegt.

Der Italiener Andrea Enria, bisher Leiter der Aussichtsbehörde EBA, sei zum Chef der EZB-Bankenaufsicht gewählt worden und habe sich gegen die irische Bankenexpertin Sharon Donnery durchgesetzt. Da müsse die Frage gestattet sein, ob da nicht der Bock zum Gärtner gemacht werde? Man dürfe gespannt sein, wie er auf Sonderregelungen der italienischen Regierung bei Bankenproblemen reagiere.

Am US-Bondmarkt habe die Erleichterung nach der Wahl nur kurz gehalten und sei zunehmenden Zinsängsten gewichen. Vor der Notenbanksitzung seien die Renditen über die gesamte Kurve kräftig angestiegen. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe sich auf 36 BP ermäßigt. In Fernost würden US-Treasuries trotz deutlicher Gewinne an den asiatischen Aktienbörsen gut behauptet tendieren. Die Auftragseingänge im japanischen Maschinenbau seien jedoch im September um 18,3% (-7% YoY) eingebrochen. In China seien Exporte (+15,6%) und Importe (+26,3%) im Oktober trotz höherer Zollschranken kräftig gestiegen.

US-Präsident Trump zeige direkt nach der Wahl sein wahres Gesicht und habe seinen ungeliebten Justizminister Sessions entlassen.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (159,31) habe 36 Stellen verloren, Bobl (131,12) und Schatz (111,90) seien 17 bzw. 3,5 Ticks niedriger aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,43% gestiegen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich geringfügig auf 103,5 BP ausgeweitet. 10-jährige US-Treasuries würden 4 BP niedriger bei 3,23% rentieren. Der Euro verbillige sich auf 1,143 Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle auf 61,8 Dollar.

Heute trete der geldpolitische Rat der US-Notenbank zu seiner turnusmäßigen Sitzung zusammen. Zinsschritte stünden nicht auf der Tagesordnung. Allerdings liefere die US-Wirtschaft derzeit keine Anzeichen, die eine Änderung der geldpolitischen Ausrichtung rechtfertigen würden.

Der robuste Arbeitsmarkt und zunehmender Lohndruck würden eine Zinsanhebung im Dezember wahrscheinlich machen. Weitere Schritte dürften im Laufe des kommenden Jahres folgen.

Einträge im Datenkalender seien vor diesem Hintergrund zu vernachlässigen. Neben der deutschen Außenhandelsstatistik (Handelsbilanz 20 Mrd. Euro; Exporte +0,4%; Importe +0,8%) für September stünden nur Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (213K) in den USA auf der Agenda.

Am Primärmarkt versteigere Frankreich heute OATs der Laufzeiten 2026, 2028, 2030 und 2041 im Volumen von 9 Mrd. Euro. Spanien emittiere einen neuen 3-jährigen Bond und stocke die 2023, 2037 und 2066 fälligen Papiere um insgesamt 3,5 bis 4,5 Mrd. Euro auf. Irland stocke 5- und 10-jährige Anleihen um zusammen 750 Mio. Euro auf. Bremen habe eine 20-jährige Anleihe im Volumen von 500 Mio. Euro bei Midswap +3 BP begeben. DNB Boligkreditt AS habe einen 5-jährigen norwegischen Covered Bond im Volumen von 1,75 Mrd. Euro bei Midswap +5 BP emittiert. Das Land NRW begebe in Kürze eine neue 10-jährige Benchmarkanleihe. (08.11.2018/alc/a/a)