Bundesanleihen: Die an der Eurex gehandelten Volumina nehmen spürbar ab


06.12.18 10:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Ohne US-Investoren, die wegen der Trauerfeierlichkeiten für Ex-Präsident Bush nicht handelten, legten die internationalen Finanzmärkte eine kurze Verschnaufpause ein, berichten die Analysten der Helaba.

Da aber schlechte Nahrichten nicht abreißen würden und sich zu den bekannten Themen Brexit und Italien jetzt auch noch die Eskalation der Gewalt in Frankreich hinzugeselle, würden risikobehaftete Anlagen in der Defensive bleiben. Zunehmende Rezessionssorgen, die sich an der inversen Renditestruktur des US-Rentenmarktes festmachen würden, seien ebenfalls nicht außer Acht zu lassen. Der Konjunkturbericht der US-Notenbank ("Beige Book") habe wenige Hinweise enthalten, die eine langsamere Gangart der FED rechtfertigen würden. Die Wirtschaft wachse in den meisten Distrikten noch "mäßig bis moderat", der Arbeitsmarkt bleibe angespannt und Preiserhöhungen würden sich infolge höherer Zölle ausweiten. Die nächste Notenbanksitzung finde am 19. Dezember statt.

Überraschend sei der Einkaufsmanagerindex des Dienstleistungssektors Italiens (50,3 nach 49,2) im November wieder in den Expansionsbereich zurückgekehrt. In Spanien (54) habe das Vormonatsniveau verteidigt werden können. In der Eurozone (53,4) sei der Trend seit Beginn des Jahres aber weiter nach unten gerichtet. Die Stimmung bei den Einkaufsmanagern im Dienstleistungssektor Großbritanniens habe sich im November nachhaltig eingetrübt. Aus Sorge vor einem ungeordneten Austritt aus der EU sei der Index auf 50,4 Punkte gefallen und liege damit nur noch knapp auf Wachstumskurs.

Leichte Entspannungsansätze nach dem Autogipfel in Washington oder im Handelsstreit zwischen den USA und China würden angesichts fehlender zählbarer Erfolge relativ schnell verpuffen. Der DAX habe seine Talfahrt fortgesetzt und erneut über 1 Prozent abgegeben. In Fernost nehme der Ausverkauf nochmals Fahrt auf. Die Aktienkurse in Japan und Hongkong würden über 2 Prozent verlieren. In Kanada sei die Finanzchefin von Huawei auf Ersuchen der USA verhaftet worden. Ihr würden Verstöße im Zusammenhang mit dem Embargo gegen den Iran vorgeworfen, tatsächlich dürfte der Wettbewerb im Technologiesektor im Vordergrund stehen.

Nach dem jüngsten Renditerückgang hätten Bundesanleihen zur Wochenmitte eine Verschnaufpause eingelegt. Die an der EUREX gehandelten Volumina hätten spürbar abgenommen, seien aber immer noch von dem heute anstehenden Wechsel in den März-Kontrakt dominiert worden. Die Bundesbank fahre dagegen kurz vor dem Jahreswechsel mit ihren Ankaufprogrammen unter Volldampf. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Papieren verharre bei 65 BP. 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,67%) und Belgien (0,74%) hätten trotz der heute anstehenden OAT-Auktionen knapp einen BP aufgeholt.

Anleihen der EU-Peripherie hätten zur Wochenmitte trotz unverändert hoher Risikoaversion Boden gegen ihre Pendants aus den Kernländern gutmachen können. Die Versteigerung spanischer Bonos habe noch einige Zugeständnisse erfordert, dann letzten Endes knapp 3 Mrd. Euro in die Staatskasse gespült. 3- und 10-jährige Papiere seien bevorzugt worden. Der Renditeaufschlag 10-jähriger italienischer Staatsanleihen (3,055%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 11 auf 278 BP ermäßigt. Spanische (1,45%) und portugiesische Bonds (1,79%) hätten gegen Bunds nach Beendigung der Auktionen 4 BP aufgeholt.

Am US-Bondmarkt habe wegen des Trauertages für Ex-Präsident Bush kein Handel stattgefunden. In Fernost würden US-Treasuries angesichts sehr schwacher Vorgaben von den asiatischen Aktienbörsen weiter freundlich tendieren. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries weite sich geringfügig auf 38,5 BP aus.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) (162,85) habe 11 Stellen verloren, Bobl- (132,30) und Schatz-Kontrakt (111,915) seien 5 bzw. 1,5 Ticks niedriger aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,28% gestiegen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 88 BP ausgeweitet. 10-jährige US-Treasuries würden 3 BP niedriger bei 2,88% rentieren. Der Euro klettere auf 1,135Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle auf 52,3 Dollar.

In den Vereinigten Staaten sei die Veröffentlichung von Wirtschaftsdaten wegen des Trauertages auf heute verschoben worden. Der ADP-Beschäftigungsreport (195K) liefere eine letzte Indikation für den Arbeitsmarktbericht am Freitag. Der ISM-Index für den Servicesektor (59 nach 60,3) sollte zudem kaum Anlass zur Sorge bieten. Regulär stünden heute die Erstanträge zur Arbeitslosenhilfe (225k), das Handelsbilanzdefizit im Oktober (-55 Mrd. USD) sowie Auftragseingänge der Industrie (-2%) auf dem Programm. Industrieaufträge in Deutschland (-0,4%/-3,1%) würden den Datenkranz abrunden.

Am Primärmarkt stocke Frankreich OATs mit Fälligkeiten Mai 2025, April und November 2026 um bis zu 4 Mrd. Euro auf. Die Emissionen seien das letzte Angebot in diesem Jahr. Kommende Woche stehe nur noch die Aufstockung 2-jähriger Bundesschatzanweisungen um 3 Mrd. Euro auf der Agenda. (06.12.2018/alc/a/a)