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Bankanleihen: Primärmarktausblick bleibt getrübt


15.01.21 12:53
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die hohe Liquidität bei Banken sorgte im Schlussquartal 2020 erneut für relativ geringe EUR Benchmark-Emissionen, so die Analysten der Helaba.

Die expansive Geldpolitik und höhere Kundeneinlagen dürften die Emissionstätigkeit auch 2021 belasten. Trotz steigender Fälligkeiten würden die Analysten sowohl für Senior Unsecured als auch für Covered Bonds Primärmarktvolumina in etwa auf Vorjahresniveau erwarten.

Die Emissionstätigkeit bei EUR Benchmark-Bankanleihen habe sich im vierten Quartal 2020 auf rund 27 Mrd. EUR belaufen. Damit sei das Schlussquartal ähnlich schwach gewesen wie das von Corona-Krise und Sommerpause belastete dritte Quartal 2020.

Bei Senior Unsecured Anleihen mit fixem Kupon sei das Emissionsvolumen im vierten Quartal 2020 zwar um 15% gegenüber dem Vorquartal auf 12,4 Mrd. Euro gestiegen. Damit habe es aber zu den sechs schwächsten Quartalen der letzten zehn Jahre gehört. Im Gesamtjahr 2020 habe das Volumen immerhin rund 90 Mrd. Euro erreicht und somit das Fälligkeitsvolumen um 15 Mrd. Euro übertroffen. Dem fulminanten Jahresauftakt sei ein jäher Einbruch gefolgt, verursacht durch die bald einsetzende Corona-Krise und die TLTRO-Programme der EZB. Vor allem der TLTRO-III.4 Langfristtender der EZB mit einem Zuteilungsvolumen von 1,3 Bio. Euro habe das Jahr bestimmt.

Bei Covered Bonds- und Pfandbrief-Emissionen sei das Primärmarktvolumen im Schlussquartal 2020 mit 13,4 Mrd. Euro nur 6% höher gewesen als im schwachen dritten Quartal. Im Gesamtjahr 2020 sei es 31% gegenüber Vorjahr auf rund 94 Mrd. Euro abgesackt. Immerhin habe die United Overseas Bank mit ihren Covered Bonds aus Singapur im vierten Quartal ein wenig die Vielfalt des Länderangebots bereichert. Seien es 2019 Emittenten aus sieben Ländern gewesen, die knapp 75% des Primärmarktvolumens ausgemacht hätten, so sei der gleiche Emissionsanteil 2020 nur noch aus fünf Ländern gekommen.

Für 2021 würden die Analysten bei Senior-Emissionen ein gegenüber 2020 unverändertes Volumen von rund 90 Mrd. Euro erwarten. Steigende Fälligkeiten und die einsetzende Erholung nach der Krise würden stützen. Letztere könnte allerdings holprig verlaufen - der durch die Krise verursachte Schaden in den Kreditbüchern der Häuser werde erst sichtbar werden, wenn die staatlichen Stützungsmaßnahmen auslaufen würden. Negative Rating-Migrationen und die ab 2022 geltenden MREL-Anforderungen würden aber wohl weitere Non-preferred Emissionen nach sich ziehen. Die hohe Liquidität in Form von Kundeneinlagen und EZB-Mitteln spreche jedoch gegen ein deutliches Anziehen am Primärmarkt.

Bei Covered Bonds würden die Analysten für 2021 erwarten, dass das Primärmarktvolumen trotz höherer Fälligkeiten von rund 134 Mrd. Euro aufgrund zahlreicher Vorfinanzierungen und der günstigen EZB-Refinanzierungsalternative nicht weit vom Vorjahreswert entfernt liegen werde. Weiterwachsen dürfte jedoch das kleine Segment der Green und Social Covered Bonds, das 2020 durch das geringere Gesamtangebot einen Anteil von 9% eingenommen habe (Vorjahr: 5%). (15.01.2021/alc/a/a)