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Die Bank of Japan und das Klima


28.07.21 11:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Bank of Japan spielt weiterhin auf Zeit, so Tobias Basse von der NORD/LB.

Die Notenbanker in Tokio hätten jüngst den traditionellen Leitzins und die Zielrendite von Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren auf dem inzwischen "bewährten" Niveau belassen. Diese Nachrichten hätten wohl niemanden überrascht. Goushi Kataoka habe zudem wieder eine Senkung der Leitzinsen zur Stützung japanischen Wirtschaft gefordert - man fühle sich spätestens an dieser Stelle an Bill Murray und den Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" erinnert. Die Bank of Japan habe die Wachstumsprojektion für das Fiskaljahr 2021 nun zwar reduziert, blicke dafür aber inzwischen etwas optimistischer auf 2022.

Zentralbankchef Haruhiko Kuroda habe anlässlich der Pressekonferenz nach der Notenbanksitzung betont, dass die Erholung der Ökonomie des Landes anhalten würde. In diesem Kontext habe er auf die Nachfrage aus dem Ausland und die zunehmende Zahl an geimpften Personen verwiesen. Die Unsicherheit bezüglich der weiteren Entwicklungen bleibe seiner Auffassung nach allerdings noch immer sehr groß. Entsprechend wäre die Notenbank in Tokio bei Bedarf auch weiterhin bereit, zügig neue Maßnahmen zur Unterstützung der japanischen Wirtschaft zu ergreifen.

Zudem habe die Zentralbank den Märkten zusätzliche Informationen zu ihrem neuen Programm zur Finanzierung von Maßnahmen gegen den Klimawandel geliefert. In diesem Kontext habe man abermals die ökonomischen Risiken betont, die der Klimawandel in Japan auslösen könne. In der Tat plane die Bank of Japan nun verstärkt Greenbonds ausländischer Staaten und Institutionen zu erwerben.

Die Olympischen Sommerspiele in Tokio würden mit Blick auf die Wachstumsprognosen für Japan von einer große nun doch eher zu einer kleineren Unbekannten. Das Land kämpfe zwar noch immer mit der seit einiger Zeit wieder zu beobachtenden Verschärfung der Coronavirus-Krise, die Spiele würden aber stattfinden. Im Olympischen Dorf in Tokio seien inzwischen bereits die ersten Infektionsfälle gemeldet worden. In diesem Umfeld sähen sich die Verantwortlichen natürlich dazu gezwungen, die Wettbewerbe nur unter scharfen Auflagen zu erlauben. Folglich könnten die positiven ökonomischen Effekte der Spiele in der Vergangenheit nicht genutzt werden, um Rückschlüsse auf die Impulse von Tokio 2021 zu ziehen. Wirtschaftlich betrachtet sei damit - wie bereits angemerkt - eine große Unsicherheit (das Stattfinden) inzwischen durch eine kleinere (die Stärke des Impulses) abgelöst worden. (Ausgabe August 2021) (28.07.2021/alc/a/a)