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Bank of Japan: Warten auf bessere Zeiten


21.01.21 12:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Bank of Japan hat abermals keine Veränderungen an ihrer geldpolitischen Ausrichtung vorgenommen, so Tobias Basse von der NORD/LB.

Damit würden der traditionelle Leitzins und die Zielrendite von Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren auch weiterhin auf dem inzwischen bewährten Niveau bleiben. Die Überprüfung des Rahmenwerkes der gelpolitischen Prozesse der Notenbank rücke nun allerdings immer stärker in den Fokus. Diese werde im März abgeschlossen sein.

Einige Beobachter hätten bereits heute technische Anpassungen beim Prozess der Steuerung der Zinsstrukturkurve durch die Bank of Japan erwartet. Der Notenbankchef Haruhiko Kuroda habe nun allerdings betont, dass es an dieser Stelle wohl zumindest keinen grundsätzlichen Änderungsbedarf geben würde. Bei den perspektivisch doch noch möglichen technischen Anpassungen des Vorgehens der Notenbank nach dem Review würde es im Bedarfsfall seiner Auffassung nach vor allem um eine Erhöhung der Effizienz des Ansatzes gehen. Wenn man überhaupt Handlungsbedarf sehen sollte, dürfte also vor allem versucht werden, unerwünschte Nebenwirkungen noch stärker zu vermeiden. Kuroda habe beispielsweise darauf verwiesen, dass das sehr niedrige Niveau der Renditen am ganz langen Ende der japanischen Zinsstrukturkurve ein Problem für die Lebensversicherer des Landes darstellen würde. Bei der Überprüfung gehe es zudem auch um andere Fragen - beispielweise würden die Auswirkungen der extrem expansiven Geldpolitik auf die japanische Volkswirtschaft untersucht.

Kuroda habe weiterhin zu Protokoll gegeben, dass man sehr sorgfältig auf die Wirtschaftspolitik in den USA zu blicken haben werde. Er habe zudem betont, dass sich das globale ökonomische Umfeld zu bessern beginne. Die Bank of Japan blicke daher nun etwas zuversichtlicher in die Zukunft. Vor allem bei den Industrieunternehmen habe es weltweit unerwartet erfreuliche Entwicklungen gegeben. Der zuletzt zu beobachtende Anstieg der Aktienkurse in vielen Ländern reflektiere seiner Auffassung nach auch die verbesserten ökonomischen Aussichten. Größere Deflationsgefahren in Japan sehe Kuroda am aktuellen Rand nicht. Dennoch wäre es noch viel zu früh, um bereits über eine Straffung der geldpolitischen Ausrichtung in Tokio nachzudenken.

Goushi Kataoka habe sich erwartungsgemäß für niedrigere Leitzinsen ausgesprochen, um die nach seiner Einschätzung weiterhin vorhandenen Deflationsgefahren effektiver zu bekämpfen, Kataoka bleibe noch ein einsamer Rufer nach einer noch expansiveren Ausrichtung der Geldpolitik in Tokio. Mit der durch den Regierungschef Yoshihide Suga inzwischen vorgenommenen Nominierung von Asahi Noguschi für das Führungsgremium der Bank of Japan könnte sich dies ändern. Der Professor für Volkswirtschaftslehre gelte als großer Anhänger einer expansiven geldpolitischen Ausrichtung. Er habe sich beispielsweise schon in 2019 eher positiv zu den MMT-Ideen geäußert. Allerdings sei er auch dafür bekannt, voll hinter der aktuellen Strategie Haruhiko Kurodas zu stehen. Insofern sollte man wohl keine zu deutlichen kritischen Anmerkungen vom "Neuen" erwarten.

Die Bank of Japan bleibe auf Kurs. Man blicke etwas optimistischer in die Zukunft und warte auf die Ergebnisse der Überprüfung des Rahmens der japanischen Geldpolitik. Größere Deflationsgefahren scheine die Mehrheit der Entscheidungsträger nicht zu sehen. Goushi Kataoka sehe dies allerdings anders. Man werde nun abwarten müssen, wie sich der "Neue" Asahi Noguschi in dieser Fragestellung positionieren werde. Dieser gelte zwar grundsätzlich als Anhänger einer sehr expansiven geldpolitischen Ausrichtung, scheine aber auch ein Unterstützer der bisherigen Strategie von Notenbankchef Haruhiko Kuroda zu sein. (21.01.2021/alc/a/a)