Bank of England erhöht Leitzins - FED behält Richtung bei


06.08.18 09:00
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Bank of England (BoE) hat am Donnerstag wie von zahlreichen Marktteilnehmern erwartet den Leitzins um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent erhöht, so die Experten von Union Investment.

Nicht erwartet worden sei hingegen, dass der Zinsbeschluss im geldpolitischen Komitee einstimmig beschlossen worden sei. Der Zinsschritt sei nach November 2017 die zweite Erhöhung gewesen, nachdem im Rahmen der Brexit-Entscheidung zunächst eine Senkung auf den historischen Tiefstand von 0,25 Prozent vorgenommen worden sei. Im Vordergrund der Überlegungen der britischen Notenbanker habe die Inflationsentwicklung gestanden. Um diese auf den Zielwert von zwei Prozent heranzuführen, sei der Zinsschritt als notwendig erachtet worden.

Die wirtschaftliche Entwicklung rechtfertige eine Erhöhung jedenfalls nicht, zumal die Risiken hinsichtlich des Brexit zuletzt eher gestiegen seien denn sich vermindert hätten. Die Wachstums- und Inflationsprognosen für 2019 seien gleichzeitig um jeweils 0,1 auf 1,8 beziehungsweise 2,2 Prozent nach oben angepasst worden. Teils sei die Entscheidung auch angesichts der hohen Erwartungshaltung als symbolischer Akt gewertet worden. Immerhin habe die Bank of England im Falle einer abwärts gerichteten Konjunkturentwicklung wieder etwas Spielraum, um auf einen möglichen Abschwung zu reagieren. Die Erwartung der Marktteilnehmer sehe wohl noch eine weitere Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte vor. Diese dürfte aber nicht so bald erfolgen, zumal die kritische Phase des Brexit noch bevorstehe und eine Erhöhung daher erst in Richtung 2020 gesehen werde. Die BoE differenziere sich damit deutlich vom Kurs der US-Notenbank FED.

Am britischen Rentenmarkt seien die Auswirkungen überschaubar gewesen. Nach einem kurzfristigen Renditeanstieg um sieben Basispunkte auf 1,4 Prozent seien zehnjährige britische Gilts am Freitag wieder auf das Ausgangsniveau zurückgekehrt. Das Britische Pfund habe kurzzeitig heftig geschwankt und zum Euro sogar etwas abgewertet. Am Freitagmittag habe die Valuta aber ebenfalls per Saldo kaum verändert notiert.

Die US-Notenbank habe auf der Sitzung am Mittwoch ihre Ausrichtung beibehalten. Mit der Hochstufung der Beschreibung der aktuellen Wirtschaftslage auf "stark" werde der auf Zinserhöhung ausgerichtete geldpolitische Kurs bestätigt. Weitere graduelle Anhebungen des Leitsatzes dürften - der nächste Schritt steht im September an - zunächst erfolgen. Die FED sollte damit auch angesichts des politischen Drucks seitens Präsident Trump, der die Zinspolitik der FED moniere, ein klares Signal hinsichtlich ihrer Unabhängigkeit senden und daher ihre Marschroute beibehalten.

Am US-Rentenmarkt sei die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Treasuries zwischenzeitlich bis auf 3,01 Prozent geklettert. Am Freitagmittag vor den wichtigen US-Arbeitsmarktdaten hätten die Papiere aber wieder unterhalb der Dreiprozentmarke notiert. Zinskurvenseitig habe es kaum Veränderungen gegeben.

Italienische Staatsanleihen seien im Verlauf der Woche unter Druck geraten. Die dortigen Haushaltsverhandlungen würden derzeit keinen guten Ausgang versprechen - sehe sich Finanzminister Tria massiven finanziellen Forderungen der beiden Koalitionspartner Fünf-Sterne und Lega Nord ausgesetzt. Die Rendite im Zehnjahresbereich sei in der Spitze um 35 Basispunkte auf 3,1 Prozent angestiegen. Die Risikoprämien gegenüber Bundesanleihen hätten sich letztlich um 20 Basispunkte ausgeweitet. Die italienische Zinskurve habe wieder flacher tendiert, da sich Zweijahrespapiere um über 40 Basispunkte und damit deutlich ausgeweitet hätten. Auch in Spanien hätten sich die Renditen leicht erhöht. Deutsche Bundesanleihen hätten im Zuge der US-Entwicklung kurzzeitig die Renditemarke von 50 Basispunkten erreicht. Dort habe aber größeres Kaufinteresse eingesetzt und die Renditen seien wieder etwas zurückgefallen. Der europäische Staatsanleihemarkt (iBoxx Euro Sovereign) habe angesichts der Entwicklung in der Berichtswoche Verluste ausgewiesen. (Ausgabe vom 03.08.2018) (06.08.2018/alc/a/a)