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BIZ-Jahresbericht: Zentralbanken wirken stabilisierend in der Krise


30.06.20 14:00
anleihencheck.de

Bad Marienberg (www.anleihencheck.de) - Die Deutsche Bundesbank hat eine Pressemitteilung veröffentlicht:

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sieht die Notenbanken in einer zentralen Rolle bei der Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie: "Die Reaktion der Zentralbanken war schnell und energisch und verhinderte dank der Stabilisierung des Finanzsystems und der Aufrechterhaltung der Kreditvergabe, dass Unternehmen und private Haushalte durch einen Finanzkollaps noch stärker belastet werden", sagte Agustín Carstens, Generaldirektor der BIZ, bei der Vorstellung des Berichts. Mit den lebenserhaltenden Maßnahmen in der ersten Phase sollten nun die Grundlagen für einen schnellen Aufschwung geschaffen werden. Trotz dieser Maßnahmen könne jedoch die Unsicherheit die Gesamtnachfrage das Tempo der Erholung bremsen.

Größerer wirtschaftlicher Einbruch als bei der Finanzkrise 2008

Der Stopp der globalen Wirtschaft sei außergewöhnlich abrupt geschehen, heißt es in dem Bericht der BIZ. Der wirtschaftliche Einbruch sei steiler als bei der Weltwirtschaftskrise 1929 und weitreichender als bei der Finanzkrise 2008 gewesen. Viele Volkswirtschaften seien um 25 bis 40 Prozent in einem Quartal eingebrochen und die Arbeitslosenquoten seien innerhalb weniger Monate in die Höhe geschossen. Anders als bei der Finanzkrise 2008 habe sich die gegenwärtige Krise auf alle Länder der Welt ausgebreitet und sei nicht vom Finanzsektor ausgegangen. Vielmehr handele es sich um eine von der Politik ausgelöste Rezession. Bedingt durch den Gesundheitsnotstand und um Leben zu retten, sei durch die Lockdown-Maßnahmen der Politik die wirtschaftliche Aktivität heruntergefahren worden. Nichtfinanzielle Unternehmen seien als erstes von der Krise erfasst worden und hätten die volle Last des Schlags abfangen müssen. "Die Realwirtschaft hat einen immensen Schaden erlitten", schreiben die BIZ-Fachleute im Jahresbericht.

Antwort der Notenbanken

"Die Zentralbanken spielten zusammen mit den Finanz- und Aufsichtsbehörden bei der konzertierten Reaktion auf die Covid-19-Krise eine zentrale Rolle", heißt es im Bericht. Die anfänglichen Zinssenkungen hätten aber einen nur "begrenzt" lindernden Effekt gehabt. "Der Effekt war viel größer, als die Zentralbanken damit begonnen haben, dringend benötigte Liquidität bereitzustellen und beschädigte Finanzmarktsegmente zu adressieren", schreiben die BIZ-Fachleute.

Ein wichtiger Teil der Maßnahmen der Zentralbanken ist nach Auffassung der BIZ die Nutzung bankenaufsichtlicher Werkzeuge gewesen. Um die Vergabe von Bankkrediten an Haushalte und Unternehmen aufrechtzuhalten, seien Kapital- oder Liquiditätsanforderungen temporär gesenkt worden und Banken dazu ermutigt worden, Kapitalpolster frei zu nutzen. "In einer bemerkenswerten Entwicklung trug die Aufsichtspolitik entscheidend dazu bei, die Kreditvergabe an die Wirtschaft aufrechtzuerhalten und Banken am Schuldenabbau zu hindern", sagte Claudio Borio, Leiter der Währungs- und Wirtschaftsabteilung der BIZ. Nachdem sichergestellt sei, dass Unternehmen genug Zahlungsmittel hätten, um ihre Betriebe weiterzuführen, müsse im nächsten Stadium der Krise der Fokus auf ihrer Solvenz, also der langfristigen Lebensfähigkeit liegen. "Umschuldungen werden erforderlich sein, wenn Ressourcen von schrumpfenden zu wachsenden Sektoren gelenkt werden", so die BIZ.

Notenbanken nicht alleine der Motor für Wachstum

Dem Bericht zufolge wird die Stärke der Erholung von der weiteren Entwicklung der Pandemie und vom Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens von deren Nachwehen abhängen. Nach Ansicht von Carstens liegen einige Herausforderungen außerhalb des Mandat der Notenbanken: "Geldpolitik allein kann nicht der Wachstumsmotor sein. Primär gilt es sicherzustellen, dass die Fiskalpolitik dank rechtzeitiger Konsolidierung auf einem langfristig tragfähigen Pfad bleibt." (30.06.2020/alc/n/a)