Australien: Lowe spricht von konstanten und von höheren Leitzinsen


28.08.18 11:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Der australische Notenbankchef Lowe vollzog in den vergangenen Wochen einen gewissen Zick-Zack-Kurs: In der halbjährlichen Parlamentsanhörung stellte er konstante Leitzinsen "für einige Zeit" in Aussicht, so die Analysten der Nord LB.

Es werde dauern, bis Vollbeschäftigung erreicht und die Inflationsrate nachhaltig im Zielkorridor sei. Die Reserve Bank of Australia werde solange abwarten, bis erkennbar sei, dass diese Bedingungen erfüllt seien. Die Handelskonflikte dürften seiner Meinung nach die weltweite Konjunktur nicht aus der Bahn werfen. Auf dem australischen Immobilienmarkt sehe er dagegen zuletzt eine willkommene Entschleunigung, was den Sektor auf eine fundamental gesehen solidere Basis stelle. Bei einem Vortrag in Canberra habe er angemerkt, dass der nächste Zinsschritt mit hoher Wahrscheinlichkeit eher nach oben als nach unten gerichtet sei. Man müsse sich jedenfalls auf einen Hike in der Zukunft einstellen. Andererseits sollten sich seiner Meinung nach die Immobilienbesitzer auch auf die Möglichkeit nicht stetig steigender Immobilienpreise einstellen.

Positive Meldungen würden vom Arbeitsmarkt kommen - die Arbeitslosenquote liege mit 5,3% auf dem niedrigsten Stand seit 2012. Derweil springe die Inflationsrate zwar über die Marke von 2,0%, bleibe aber mit 2,1% Y/Y moderat. Die wenig veränderten Unternehmensumfragen würden eine Fortsetzung des Wirtschaftswachstums erwarten lassen, ohne dass es aber zu einer Beschleunigung kommen dürfte. Insofern würden die Analysten weder auf der RBA-Zinssitzung am 4. September - noch in absehbarer Zukunft - mit einer Anpassung der Leitzinsen rechnen.

Das gleichzeitige Abwarten der RBA und die langsame Normalisierung der US-Geldpolitik würden bereits seit Beginn des Jahres auf den Australischen Dollar drücken. Aber auch die fundamentalen Risiken seien für die australische Volkswirtschaft nicht weniger geworden. So seien zuletzt aus der wichtigsten Exportdestination Australiens - China - weniger positive Konjunktursignale gekommen. Zudem könnten die von den USA vorangetriebenen Zollstreitigkeiten die globalen Verunsicherungen noch weiter vergrößern und die Handelsströme abebben lassen, was das rohstoffexportierende "Down Under" frühzeitig zu spüren bekommen würde. Dies gelte es zu beobachten.

Während sich der Australische Dollar trotz beider Belastungsfaktoren lange Zeit bei 0,74 USD habe halten können, hätten die Turbulenzen um die Türkische Lira in den vergangenen Wochen für ein Abtauchen bis knapp über 0,72 USD gesorgt. Die Analysten würden in den kommenden Monaten mit einem sukzessiven Abflauen der Krise und mit einer Stabilisierung des Australischen Dollar in Richtung 0,75 USD rechnen. (Ausgabe vom 24.08.2018) (28.08.2018/alc/a/a)