Anleihenmarkt: Die Qual der Wahl


11.05.17 12:45
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Die Steine, die bekennenden Europäern beim Wahlsieg Emmanuel Macrons vom Herzen gefallen sind, waren riesengroß, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Der Euro und das Haus der Europäischen Union (EU) seien mit dem Einzug des unabhängigen Kandidaten in den Elysée-Palast fürs Erste gerettet. Aber es sei doch eben nur Zeit, die der neue Präsident der Fünften Republik für die europäische Idee gewonnen habe. Und die gelte es unbedingt zu nutzen. Dass der Weg, den Macron zu gehen habe, kein leichter sind werde, sei allen politischen Beobachtern klar.

Dies sei schon ein Tag nach Macrons Wahl deutlich geworden, als linke CGT-Gewerkschafter gegen ihn und seine geplante Arbeitsmarktreform auf die Straße gegangen seien. Eine Schonfrist für den neuen Präsidenten, welche die Franzosen "état de grace" nennen würden, sei nicht gewährt worden. Doch nicht nur die CGT sei es, die bereits die Messer wetze. Auch Jean-Luc Mélenchons "Unbeugsames Frankreich" und die Rechtspopulisten der Wahlverliererin Marien Le Pen würden ebenso wie die Sozialisten und Konservativen darauf warten, bei den Parlamentswahlen am 11. und 18. Juni dem Emporkömmling die Grenzen aufzuzeigen.

Um zu verhindern, dass seine Revolution nicht bereits im Keim erstickt werde, müsse Macrons Partei "En Marche" bei dem Urnengang zur Nationalversammlung ordentlich punkten, was angesichts einer erst im Aufbau befindlichen Partei als enorm schwierig erscheine. Hinzu komme der Umstand, dass aufgrund der hohen Anzahl ungültiger Stimmen und der Nichtwähler keine Mehrheit der Franzosen hinter Macron stehe. Denn 4,2 Mio. Franzosen hätten bewusst eine ungültige Stimme abgegeben. Dabei werde zwischen "Vote nul" und "Vote blanc" unterschieden, was aber an der Tatsache nichts ändere.

Daher werde es für den 39-Jährigen darauf ankommen, die Aufbruchsstimmung, die er bei einem Teil der Franzosen ausgelöst habe, auch auf seine Nichtwähler zu übertragen. Und dazu sollte ihm der Nachbar Deutschland, so gut er es eben könne, unter die Arme greifen. "Was Frankreich braucht, sind Ergebnisse", sage dazu Angela Merkel. Dass dabei die Bundesregierung "hilfreich" sein werde, habe die Kanzlerin schon mal versichert - aber auch gesagt, dass deutsche Unterstützung französische Politik nicht ersetzen könne.

Dennoch dürfte in Berlin klar sein, dass man Macron helfen werde, die von der Kanzlerin angesprochenen Ergebnisse zu liefern. Dazu könnte eine bilaterale Investitionsoffensive beitragen, die über einen deutsch-französischen Investitionsfonds finanziert werde. Ein weiterer Anknüpfungspunkt sei Macrons Idee, den Krisentopf ESM in einen Europäischen Währungsfonds umzuwandeln, was in der Vergangenheit bereits von Vizekanzler Sigmar Gabriel und auch Finanzminister Wolfgang Schäuble unterstützt worden sei. Differenzen dürfte es dagegen bei der Einführung von Eurobonds geben, mit denen Macron und Gabriel liebäugeln würden, die CDU aber strikt dagegen sei. Hinzu komme Macrons geäußerte Kritik an den hohen Handelsüberschüssen der Deutschen. Ohne Kompromisse werde's also wohl nicht gehen.

Man dürfe auch gespannt sein, wie sich die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts des Wahlsiegs von Macron verhalte. Werde sie ihre Niedrigzinspolitik zurückfahren, wie es Teile der deutschen Wirtschaft fordern würden? Immerhin könnte der neue Präsident die Notwendigkeit von Reformen zumindest teilweise der EZB in die Schuhe schieben.

Festzuhalten bleibe, dass die Gefahr einer tiefen politischen und ökonomischen Krise für die gesamte EU zunächst abgewendet sei, für Macron der eigentliche Weg aber erst jetzt beginne. Mitentscheidend werde hierbei bereits der Ausgang der französischen Parlamentswahlen im Juni sein, die man wieder mal als Schicksalswahlen für Europa bezeichnen könne. Macron, der zunächst einmal seine Machtbasis sichern müsse, sei zum Erfolg verdammt, und mit ihm die bekennenden Europäer. Deutschland müsse also ein vitales Interesse daran haben, dass der Neue im Elysée-Palast reüssieren werde. Vielleicht gehe von diesem Zwang ja auch ein Ruck aus, der die EU reformieren könne.

Die dunklen Schatten, die der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der EU werfe, würden länger und länger. Nachdem bereits mehrere Banken ihre Erwägungen mitgeteilt hätten, wegen des Brexits Jobs aus London abzuziehen, spitze sich nun der Streit um die Zukunft von Euro-Clearing nach dem Brexit zu. So stelle die EU-Kommission den Standort London für die Abwicklung von auf Euro lautende Finanzderivate ausdrücklich infrage.

Geprüft würden drei Alternativen, wovon eine die Verlagerung des Clearings aufs europäische Festland darstelle. Tausende von Arbeitsplätzen könnten so nach Frankfurt wandern. Bis zur Sommerpause wolle nun der Kommissions-Vizepräsident Valdis Dombrovskis einen Gesetzesvorschlag vorlegen, um das Derivate-Clearing für die Zeit nach dem Brexit zu regeln. Hintergrund dieser Überlegungen sei der Umstand, dass durch den Brexit das Clearing dem europäischen Recht und damit der Aufsicht durch die EZB entzogen würde. Und auf der anderen Seite müsste sie im Falle einer Schieflage eines großen Londoner Clearinghauses mit Finanzspritzen eingreifen.

Nach Dombrovskis' Gedankenspielen sollten entweder die EU-Aufseher einen verstärkten Zugriff auf Euro-Clearing in Großbritannien erhalten oder das Clearing wandere in ein anderes EU-Land. Die dritte Möglichkeit, dass die EU die britischen Aufsichtsregeln als gleichwertig mit den eigenen anerkenne, halte Dombrovskis für sehr unwahrscheinlich.

Dass eine Abwanderung des Euro-Clearings in der Londoner City zu Jobverlusten führen würde, gelte als ausgemacht. Laut Xavier Rolet, Chef der Londoner Börse, seien dadurch mehr als 80.000 Stellen gefährdet. Indirekt könnten sogar mehr als 200.000 Jobs betroffen sein. Keine guten Nachrichten für Premierministerin Theresa May also, deren Brexit-Szenario laut deutschen Medien ("Spiegel") ohnehin auf einer Reihe von Fehlkalkulationen beruhe. Aber, so wie sie jüngst gesagt habe, werde ihre Verhandlungsposition in der kontinentalen Presse falsch dargestellt. Am 8. Juni will sie sich nun bei den eilig ausgerufenen Neuwahlen, die wie eine Art zweites Referendum erscheinen, ein starkes Mandat für die Brexit-Verhandlungen abholen, so die Analysten der Baader Bank. Dies dürfte auch klappen, gebe es für den Wähler doch keine aussichtsreiche Alternative, die erfolgversprechend einen europafreundlichen Kurs vertrete. Und im Gegensatz zum ersten Referendum im Juni 2016 könne nun kaum mehr ein Wähler in Großbritannien behaupten, er wisse nicht, um was es beim Brexit gehe.

So paradox es auf den ersten Blick klingen möge, auch für die EU-Kommission wäre eine durch die Wahlen gestärkte May ein Segen. Denn dann wäre die Premierministerin, die ja einst gegen den Brexit getrommelt habe, nicht mehr so sehr den Hardlinern unter den Brexiteers verpflichtet und es würde ihr leichter fallen, gegebenenfalls Zugeständnisse an die EU zu machen.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beschränke den Handel mit finanziellen Differenzkontrakten (Contracts for Difference, CFDs). Kontrakte mit einer Nachschusspflicht dürften Privatkunden demnach nicht mehr angeboten werden. Mit der Beschränkung des CFD-Handels mache die Aufsicht damit erstmalig von der Möglichkeit zur Produktintervention Gebrauch.

Die BaFin begründe diesen Schritt mit erheblichen Bedenken für den Anlegerschutz bei CFDs mit Nachschusspflicht. Sie hätten ein für Privatkunden unkalkulierbares Verlustrisiko, das sich nicht auf den Kapitaleinsatz des Kunden beschränke, sondern sein gesamtes Vermögen erfassen und ein Vielfaches seines eingesetzten Kapitals betragen könne. "Das können wir aus Verbraucherschutzgründen nicht akzeptieren. Die Beschränkung des CFD-Handels ist deshalb ein notwendiger Schritt zum Schutz der Privatanleger", habe Exekutivdirektorin Elisabeth Roegele das Einschreiten der Aufsicht begründet.

Anbieter von CFDs mit Nachschusspflicht hätten ab der Veröffentlichung der Allgemeinverfügung drei Monate Zeit, ihre Geschäftsmodelle anzupassen. Einige Anbieter hätten bereits CFDs ohne Nachschusspflicht im Programm oder aufgrund der geplanten Allgemeinverfügung angekündigt, solche Angebote zu schaffen. 2016 sei die BaFin bereits gegen so genannte Bonitätsanleihen vorgegangen. In diesem Fall hätten die Anbieter unter anderem mit einer Namensänderung ein Produktverbot verhindern können. Dies werde aber diesmal nicht ausreichen.

Personalnot drossele den Aktivismus von "D. T., dem Unberechenbaren". Das von US-Präsident Donald Trump angekündigte Vorhaben, die Finanzbranche wieder zu deregulieren, müsse wegen fehlenden Personals verschoben werden. Daher könne eine im Februar angeordnete Überprüfung des so genannten Dodd-Frank-Gesetzes, das die Regierung Obamas infolge der Finanzkrise eingeführt habe, nicht wie geplant bis Anfang Juni abgeschlossen werden. Auch mehr als 100 Tage nach der Wahl seien im Finanzministerium immer noch viele Stellen unbesetzt. Stattdessen würde sich das Ministerium zunächst nur mit den Bankenvorschriften im engeren Sinn beschäftigen, berichte Reuters mit Bezug auf Insiderinformationen. Übersetzt bedeute das: Man lese sich noch in die Problematik ein.

Trump habe im Februar eine Lockerung der Vorschriften für den Finanzsektor angeordnet und ein Dekret unterzeichnet, das den "Dodd-Frank-Act" ins Visier nehme. Außerdem habe er vergangenen Monat angekündigt, die Aufspaltung großer Banken zu prüfen, was im Gegensatz zu dem ersten Ansinnen auf wenig Gegenliebe an der Wall Street stoßen dürfte. Es sei also nicht jedem Beteiligten klar, wie er die Finanzbranche für die Zukunft aufstellen möchte. Zumal er den Werbeslogan von Toyota inzwischen zu seinem persönlichen Motto gemacht habe.

In Kanada sorge ein kleiner Immobilienfinanzierer namens Home Capital Group (HCG) für große Aufregung. Nachdem HCG einen Notkredit von 2 Mrd. Kanadischen Dollar (1,3 Mrd. Euro) mit einem Zinssatz von über 20% aufgenommen habe, sei der Aktienkurs des Unternehmens zusammengebrochen. Mittlerweile sei die Hälfte des Kredits aufgebraucht und das Institut suche verzweifelt nach neuen Liquiditätsquellen. Das Geschäftsmodell von HCG basiere auf Hypothekenkrediten für Kunden mit schlechter Bonität, die bei anderen Banken keinen Kredit bekämen.

Da würden Erinnerungen an die Subprime-Krise 2009 wach, denn nichts anderes als Subprime-Kredite seien es, mit denen HCG sein Geschäft mache. Jüngst sei es zu einem Bankansturm (Bank Run) auf HCG gekommen, in dessen Rahmen die Kunden innerhalb weniger Wochen mehr als 2 Mrd. Kanadische Dollar an hochverzinslichen Spareinlagen abgehoben hätten. Das Institut verfüge zwar noch über Reserven in Form von Termineinlagen, aber sobald diese auslaufen würden, dürften die Gläubiger diese auch sofort abziehen.

Die Frage sei nun, ob die Krise bei einem Unternehmen, das nur rund 1% des kanadischen Immobilienmarktes auf sich vereine, auf den gesamten Sektor überspringen könnte. Immerhin würden die kanadischen Subprime-Institute rund 13% des Hypothekenmarktes ausmachen. Sollten die Vorgänge bei HCG dazu führen, dass die Kunden bei anderen kanadischen "Subprime"-Instituten ebenfalls ihre Einlagen abheben würden, könnte der gesamte Bankensektor infiziert werden.

Deutschland sei mit deutlichem Abstand der größte Gläubiger im Zahlungssystem der Euro-Notenbanken. So seien die Forderungen der Bundesbank auf ein neues Rekordhoch geklettert. Im April sei der Saldo um 13,69 Mrd. Euro auf 843,44 Mrd. Euro geklettert. Umgekehrt hätten sich die Target-2-Verbindlichkeiten bei Ländern wie Italien und Spanien zuletzt ebenfalls kräftig erhöht.

Über das Buchungssystem Target-2 werde im Euro-Währungsraum der gesamte grenzüberschreitende Zahlungsverkehr der Banken abgewickelt. Die Target-Salden würden die Verbindlichkeiten und Forderungen anzeigen, die bei den Notenbanken durch die Transaktionen entstünden. Zu Verbindlichkeiten in der Bilanz eines Landes komme es, wenn Banken mehr Geld ins Ausland überweisen würden, als ihnen zufließe. Erhöhte Verbindlichkeiten könne ein Zeichen für zunehmende Kapitalflucht sein. Die hohen Target-Forderungen könnten eine Gefahr für Deutschland werden, sollte es zu einem Zusammenbruch der Eurozone kommen. Dann würden die Salden nicht mehr beglichen werden.

Die EZB führe den jüngsten Anstieg der Ungleichgewichte bei den Target-Salden auf ihr billionenschweres Anleihekaufprogramm zurück. Viele internationale Banken, von denen andere Euro-Notenbanken Wertpapiere kaufen würden, würden ein Konto bei der Bundesbank führen. Im Zuge der Wertpapierankäufe habe dies im Zahlungssystem eine Zunahme des Target-Saldos für Deutschland zur Folge.

Die Investoren hätten in dieser Berichtswoche die Qual der Wahl. Insgesamt habe es sechs nennenswerte Neuemissionen bei Unternehmen verschiedenster Sektoren gegeben. Da wären zum einen aus der Automobilbranche Hella, General Motors und Daimler sowie zum anderen ABB, Repsol und Kellogg.

General Motors und Daimler hätten sich bei ihren Neuemissionen für jeweils einen Floater mit einer Mindeststückelung von 100.000 Euro entschieden. Der US-Konzern habe eine 1 Mrd. Euro schwere Anleihe (ISIN XS1609252645 / WKN A19G69) mit Fälligkeit am 10.05.2021 begeben. Der Zinssatz richte sich nach dem vierteljährlichen Euribor (+68 Bps) und komme auch alle drei Monate zur Auszahlung. Der Ausgabepreis habe bei 100% gelegen.

Der deutsche Automobilhersteller Daimler hingegen habe lediglich 500 Mio. Euro über den Kapitalmarkt refinanziert. Der Bond (ISIN DE000A19HBM3 / WKN A19HBM) sei am 11.05.2022 fällig und der Zinssatz richte sich ebenfalls nach dem vierteljährlichen Euribor (+30 Bps). Angeboten worden sei die Anleihe zu 100,249%.

Der Dritte im Bunde, Hella, verdiene sein Geld mit der Herstellung von Autoteilen und konnte erfolgreich eine Emission (ISIN XS1611167856 / WKN A19HBR) im Volumen von 300 Mio. Euro zu einem jährlichen Zins von 1% platzieren. Der 7-jährige Bond sei am 17.05.2024 fällig und zu 99,819% emittiert worden, was einem Spread von +53 Bps über Mid Swap gleichgekommen sei. Hella erfreue mit der Mindeststückelung von 1.000 Euro sicherlich auch den ein oder anderen Privatanleger. Zusätzlich sei eine Make Whole Option zugunsten des Emittenten in die Anleihebedingungen aufgenommen worden.

Die restlichen drei Unternehmen hätten ihre Bonds mit einer Mindeststückelung von 100.000 Euro aufgelegt. Kellogg sowie ABB hätten wie Hella eine Make Whole Option in die Emissionsbedingungen aufnehmen lassen. Der spanische Erdölkonzern Repsol habe mit seinem 5-jährirgen Bond (ISIN XS1613140489 / WKN A19HJ3) 500 Mio. Euro frisches Geld eingesammelt und zahle seinen Investoren bis zur Fälligkeit am 23.05.2022 einen jährlichen Zins in Höhe von 0,5%. Emittiert worden sei zu 99,568%, was einem Emissionsspread von +35 Bps über Mid Swap entsprochen habe.

Der bei Kindern besonders beliebte Hersteller von Cornflakes Kellogg habe sich mit 600 Mio. Euro refinanziert. Der Bond (ISIN XS1611042646 / WKN A19HJ4) sei am 17.11.2022 fällig und mit einem jährlichen Kupon in Höhe von 0,8% ausgestattet. Der Reoffer habe bei 99,947% (+50 Bps über Mid Swap) gelegen.

Das Schweizer Unternehmen ABB habe ebenfalls um die Gunst der Investoren gebuhlt und einen 7-jähirgen Bond (ISIN XS1613121422 / WKN A19HJ0) emittiert, der am 16.05.2024 fällig sei. Die 750 Mio. Euro schwere Anleihe zahle den Gläubigern einen jährlichen Zins von 0,75%. Zusätzlich zur Make Whole Option gebe es ein optionales Kündigungsrecht am 16.02.2024 zu 100%. Angeboten worden sei die Anleihe zu 99,674%, was einem Spread von +30 Bps gleichgekommen sei.

Zu guter Letzt sei gestern Abend bekannt geworden, dass General Electric insgesamt 8 Mrd. Euro am Kapitalmarkt aufgenommen habe. Dazu seien vier Anleihen mit Laufzeiten von fünf, acht, zwölf und 20 Jahren emittiert worden. Wie groß das Interesse der Investoren gewesen sei, lasse sich schon am Volumen der aufgegebenen Orders in Höhe von 22 Mrd. Euro erkennen.

Oftmals sei es die Fantasie, welche die Märkte beeinflusse. Aber nach der Wahlentscheidung in Frankreich würden die Rentenhändler ihre Blicke wieder den harten Fakten zulenken. Auch wenn sich der Euro-Bund-Future zur Wochenmitte eine kleine Verschnaufpause gegönnt habe, so sei doch in den kommenden Tagen und Wochen mit weiteren Rücksetzern zu rechnen. Das bedeute aber nicht, dass es nie wieder zu steigenden Notierungen kommen werde! Die Trendwende sei eingeläutet und das Tal der Tränen sei aus Sicht der Investoren zumindest am langen Laufzeitende durchschritten.

Dies scheine zumindest auch die Meinung unseres Finanzministers zu sein. Doch von inflationsausgleichenden Renditen bei den vermeintlich "sicheren" Investitionen könne weiterhin nur geträumt werden. Die Entwicklung am Rentenmarkt werde in den kommenden Wochen und Monaten von einer Vielzahl an Themen beeinflusst. Hierzu würden u.a. die Konjunkturdaten Chinas, der Eurozone, Japans und der USA, das anstehende Tapering in der Eurozone und die zu erwartende Reduzierung der FED-Bilanzsumme gehören. Zusätzlich würden auch die politischen Entscheidungen in den USA, in den EU-Staaten, in Korea (Nord und Süd) und nicht zuletzt in Russland die Finanzmärkte nicht zur Ruhe kommen lassen.

Sobald sich die ersten Anzeichen einer veränderten EZB-Geldpolitik vernehmen lassen würden, werde die Entwicklung der Renditespreads zwischen Deutschland und den anderen EU-Staaten zu beobachten sein. Doch auch der Renditeunterschied zwischen 10-jährigen Bundesanleihen und T-Notes werde immer mehr in den Fokus der Investoren rücken. Nicht zuletzt werde darüber ein Druck auf die Europäische Zentralbank aufgebaut, was sich in der Währung widerspiegelt.

Aktuell notiere das Sorgenbarometer bei 160,15% und habe den seit Mitte April intakten Abwärtstrendkanal auch gestern nicht nachhaltig verlassen. Somit habe heute zu Handelsbeginn die obere Begrenzungslinie (160,71%) nicht überwunden werden können und die erste ausgeprägte Unterstützung sei bei 160,11% auszumachen. Erst ein Unterschreiten der psychologisch wichtigen Marke bei 160% würde den von vielen Investoren erhofften Test der 159,14% ermöglichen.

Nachdem inzwischen in den USA der Government Shutdown abgewendet worden sei, könne man sich auch dort dem "Business as usual" zuwenden. Dies bedeute in dieser Handelswoche einerseits die Refinanzierung mittels T-Bills im Volumen von 127 Mrd. US-Dollar mit den üblichen Laufzeiten und andererseits die Emission von T-Notes und T-Bonds für insgesamt 62 Mrd. US-Dollar. Somit hätten Investoren zwischen einem Anlagehorizont zwischen vier Wochen und maximal 30 Jahren wählen können.

In Euroland rühre die Vielfalt der Anlagemöglichkeiten von den unterschiedlichen Emittenten der Staatsanleihen sowie den entsprechenden Fälligkeiten her. So seien neben Italien am heutigen Tag bereits die Niederlande (ISIN NL0011896857 / WKN A1VPZX, 2022), Österreich (ISIN AT0000A1VGK0 / WKN A19GCS, 2027; ISIN AT0000A1K9F1 / WKN A18X6Q, 2047), Portugal (ISIN PTOTESOE0013 / WKN A1Z6CE, 2022; ISIN PTOTEUOE0019 / WKN A19BUN, 2027) und auch Deutschland mit der Aufstockung von Altemissionen aktiv geworden.

Guter Nachfrage habe sich hierbei die inflationsindexierte Anleihe (ISIN DE0001030575 / WKN 103057, 2046) der Bundesrepublik Deutschland erfreut, die um 500 Mio. Euro auf insgesamt 6 Mrd. Euro habe aufgestockt werden können. Die Zuteilung sei bei einer realen Durchschnittsrendite von -0,27% erfolgt. Auch die gestrige Erhöhung des Emissionsvolumens der aktuellen 5-jährigen Bundesobligation Serie 175 (ISIN DE0001141752 / WKN 114175) um 3 Mrd. Euro auf insgesamt 15 Mrd. Euro sei problemlos über die Bühne gegangen. Zwar seien lediglich Kaufaufträge für ca. 3,4 Mrd. Euro abgegeben worden, jedoch habe die Zuteilung bei einer Durchschnittsrendite von -0,31% im Rahmen der Erwartungen gelegen. Zur Marktpflege seien ca. 570 Mio. Euro zurückbehalten worden.

Die politischen Risiken seien nach der französischen Präsidentschaftswahl in der Eurozone merklich gesunken. Der Sieg von Emmanuel Macron sei auch ein Sieg für die europäische Gemeinschaft.

Der Ausgang der Wahl habe somit unmittelbar Auswirkungen auf die Gemeinschaftswährung gehabt. Zum Wochenstart sei der Euro in einer ersten Reaktion im frühen asiatischen Handel erstmals in diesem Jahr über die Marke von 1,10 USD gestiegen. Bei einem Devisenkurs von 1,1023 USD sei der höchste Stand seit November 2016 erreicht gewesen. Im weiteren Verlauf der Handelswoche habe die Einheitswährung allerdings die Gewinne wieder abgeben müssen und notiere heute Morgen bei 1,0865 USD.

Mit dem Sieg von Macron sei die implizite Euro/US-Dollar-Volatilität, ein Maß für die erwarteten Schwankungen des Euro zum Greenback in den nächsten zwölf Monaten, auf den tiefsten Stand seit Oktober 2014 gefallen. Daraus sei abzuleiten, dass sich die Marktteilnehmer nun weniger Sorgen um die Zukunft des gemeinsamen Währungsraums machen würden.

Die aktuelle Ölpreisentwicklung mache derzeit der Norwegischen Krone (NOK) zu schaffen. So sei die Währung Norwegens zum Euro auf 9,5780 NOK gefallen und habe damit ein neues Jahrestief markiert. Inzwischen habe sich die Krone wieder deutlich erholen können und notiere zur Stunde bei. 9,36 NOK.

Trotz des gestiegen Vertrauens in Europa und damit auch in die gemeinsame Währung seien auch in dieser Berichtswoche Fremdwährungsanleihen zur Risikobeimischung gefragt gewesen. Zu den Favoriten hätten insbesondere Bonds lautend auf US-Dollar gezählt. Aber auch Währungsanleihen auf Norwegische Kronen, Mexikanische Peso, Russische Rubel und Türkische Lira seien rege gehandelt worden.

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (11.05.2017/alc/a/a)





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