Anleihen: Weiter auf Zickzack-Kurs


15.05.15 16:28
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die ungewohnte Achterbahnfahrt beim Euro-Bund-Future setzt sich in dieser Woche fort, so die Deutsche Börse AG.

"Tägliche Höchst- und Tiefstpreise lagen an den ersten Handelstagen zwischen 170 bis 220 Basispunkte auseinander, ohne dass die Bewegung durch die Nachrichtenlage erklärbar wäre", meine Oliver Schellmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Nach knapp 155 Prozent zum Wochenauftakt notiere das richtungsweisende Rentenbarometer am Freitagmorgen bei 153,21 Prozent und habe sich damit vom Wochentief um 152 Prozent wieder etwas erholt. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liege derzeit bei 0,67 Prozent.

"Die Nervosität hält sich am Markt", resümiere Arthur Brunner. Solange die Griechenlandfrage nicht beantwortet sei, hätten Investoren vorsichtig agiert. Zudem beflügle die zögerliche Zinserhöhung in den USA den Euro. "Steigt die Gemeinschaftswährung zieht das in der Regel bessere Anleiherenditen nach sich", wisse der Händler der ICF Bank. "Mittlerweile kursiert sogar 2016 als möglicher Zeitpunkt für einen ersten Zinsschritt in den USA", ergänze Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft.

Nicht nur Bundesanleihen seien vom Renditeanstieg betroffen. Rund um den Globus stünden Staatsanleihen unter Druck, auch in den USA und Japan. Eine Ursache für den Abwärtstrend würden Analysten in den wieder anziehenden Inflationserwartungen mit teurerem Öl als treibende Kraft erkennen. Setze sich der Trend fort, hätten die dadurch erzielbaren höheren Renditen am Rentenmarkt das Zeug, die Aktienmärkte zu belasten.

Charttechnisch sei die jüngste Entwicklung bei Bundesanleihen eine Gegenbewegung im Rahmen einer normalen Marktreaktion, wie Robert Halver urteile. "Zu viele Akteure haben sich vielleicht auf die Europäische Zentralbank und ihre expansive Geldpolitik verlassen", meine der Rentenexperte der Baader Bank. Dabei hätten sich die monatlich 60 Mrd. Euro, die im Rahmen des Anleihen-Kaufprogramms der EZB in die Märkte gepumpt würden, dank insgesamt Billionen schwerer Rentenmärkte nur bedingt als Stütze geeignet.

"Die Rückkehr zu einem Zinsniveau, wie man es früher gewohnt war, ist mit der jüngsten Talfahrt der Anleihekurse allerdings noch nicht eingeläutet", sei Halver überzeugt. Viele Euroländer seien zu hoch verschuldet, um eine derartige Situation verkraften zu können. Allerdings schließe Halver aus technischer Perspektive ein Absacken des Bund-Futures auf ein Niveau von 140 Prozent nicht aus. "Dies würde einer Reaktion auf 66,6 Prozent Fibonacci entsprechen." Bei dem Stand könne so manche Bank mit hohen Beständen deutscher Staatsanleihen zu größeren Wertberichtigungen gezwungen sein, was ihre Eigenkapitalquote auf die Probe stellen würde.

Relativ ungeschoren vom Marktgeschehen davongekommen seien Mittelstands-Anleihen. "In diesem Segment zählt meist die Entwicklung des Unternehmens selbst und nicht die der Weltwirtschaft", begründe Brunner. Die neue mit jährlich 6,5 Prozent verzinste und bis 2020 laufende Wandelanleihe von SeniVita Social Estate sei beispielsweise in ihrer ersten Woche erfolgreich gelaufen. Rege Nachfrage habe den Kurs der Anleihe des auf die Errichtung von Immobilien und die Vollversorgung für pflegebedürftige Menschen spezialisierten Unternehmens von 100 auf 101,35 Prozent getrieben.

Einen Kickstart habe auch die frische Anleihe von Katjes International hingelegt, wie Brunner melde. "Der Wert ist beliebt." Gegenwärtig werde der ebenfalls 2020 fällig werdende Bond mit einem Kupon von 5,5 Prozent zu 102,90 Prozent gehandelt.

Eine bemerkenswerte Performance habe die bis Februar 2019 laufende Anleihe der SolarWorld AG (ISIN DE000A1YDDX6 / WKN A1YDDX) in den vergangenen Wochen hingelegt. Mittlerweile notiere das mit 5,85 Prozent verzinste Papier oberhalb von 300 Prozent. "Die ersten Kurse nach Aussetzung der Kuponzahlung Ende März lagen noch um 262 Prozent." Gute Zahlen, vor allem aus den amerikanischen Geschäftsbereichen, hätten zum Kursanstieg beigetragen. SolarWorld habe den Anteil an Hochleistungsmodulen am Konzernabsatz erhöht. Verbunden mit Wechselkurseffekten sei so eine Steigerung der Durchschnittspreise seiner Produkte auf Euro-Basis gelungen.

In einer feiertagsbedingt emissionsarmen Woche habe sich Würth Finance erfolgreich am Kapitalmarkt refinanziert, wie Stopp von der Baader Bank berichte. Die Finanztochter der Würth Group habe 500 Mio. Euro (ISIN XS1234248919 / WKN A1Z1P4) zu jährlich 1,0 Prozent Zinsen aufgenommen. Der Rückzahlungstermin sei Mai 2022. Mit einer Stückelung von 1.000 Euro seien auch Privatanleger angesprochen worden. "Das Papier wurde mit 99,738 Prozent gepreist."

Mit einem jährlichen Kupon von 2,375 Prozent habe auch der Automobilzulieferer Mahle die Investoren überzeugt. Das Unternehmen habe über eine siebenjährige Anleihe (ISIN XS1233299459 / WKN A161HE) über 500 Mio. Euro eingesammelt, ebenfalls mit einer Stückelung von 1.000 Euro. Der Ausgabepreis sei 99,682 Prozent gewesen. Beide Werte würden laut Stopp noch kein Rating besitzen, womit eine neutrale Aussage über die Bonität der Emittenten fehle. (15.05.2015/alc/a/a)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
-   -   -   0,00% 01.01./01:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 165,67 156,31
Werte im Artikel
95,25 plus
+1,33%
102,70 plus
+0,12%
-    plus
0,00%
88,00 plus
0,00%
108,77 plus
0,00%
104,19 minus
-0,20%